Katastrophen bleiben aus, Gewinn steigt

(c) AP (Diether Endlicher)
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Der weltgrößte Rückversicherer Munich Re überrascht mit einem starken Quartal und hoher Dividende.

Wien (gau). Warren Buffett hatte eben schon immer einen guten Riecher. Vor zwei Wochen hat sich der legendäre US-Investor bei der Munich Re (Münchner Rück) eingekauft. Sein Drei-Prozent-Anteil am größten Rückversicherer der Welt wirft bereits reiche Ernte ab: Der 79-Jährige darf sich über 60Mio. Euro an Dividenden freuen.

Die Münchner haben am Dienstag die Analysten und Anleger mit einem guten Ergebnis überrascht. Der Gewinn lag im vierten Quartal 2009 mit 780 Mio. Euro siebenmal höher als im Vorjahresquartal. Im Gesamtjahr verdiente der DAX-Konzern 2,56 Mrd. Euro, nach 1,58 Mrd. Euro im Vorjahr. Davon sollen auch die Käufer des traditionell dividendenstarken Titels profitieren: 5,75 Euro pro Aktie werden ausgeschüttet, um 25 Cent mehr als für 2008.

Der Konzern ist ein wichtiger Indikator für das Ausmaß von drei ganz unterschiedliche Arten von Krisen: Die großen Naturkatastrophen, der vom Menschen zumindest mitverursachte Klimawandel und die rein menschlichen Finanzkrisen. In Sachen Naturkatastrophen verlief das Jahr 2009, insbesondere das vierte Quartal, ungewöhnlich ruhig. Das hat das Verhältnis der Schadenskosten zu den Prämien – eine wichtige Kennzahl der Versicherungsbranche – deutlich gesenkt, von 97,6 im dritten auf 92,5 Prozent im vierten Quartal.

Doch die Münchner Rück (Munich Re ist die offizielle, internationale Bezeichnung) zählt mit Kapitalanlagen von 182 Mrd. Euro auch zu den größten Vermögensverwaltern der Welt. Dass sie die Finanzkrise mit nur leichten Blessuren durchtaucht hat, liegt am hohen Kapitalpolster und einer streng konservativen Anlagepolitik, für die sie die Branche im Boom belächelt und nach dem Crash beneidet hat. Die rasche Erholung der Wertpapiermärkte hat wesentlich zum verbesserten Ergebnis 2009 beigetragen. Allerdings machen die niedrigen Zinsen zu schaffen. Der Löwenanteil der Anlagen geht in festverzinsliche Wertpapiere (weniger als drei Prozent wird in Aktien gehalten), und für sie erwartet man in den nächsten Jahren nur magere vier Prozent Rendite.

Auch insgesamt ist der Ausblick für dieses Jahr verhalten, vor allem wegen des wachsenden Preisdrucks an der Prämienfront. Viel mehr als zwei Mrd. Euro Gewinn nach Steuern wird nicht drinnen sein, sagte Finanzvorstand Jörg Schneider. Das hatte er zwar schon im Vorfeld der Präsentation angedeutet, aber einige Analysten hegten wohl doch Hoffnung auf einen konstanten Ausblick. So erklärt sich, dass die Aktie gestern um 0,8 Prozent auf 108,5 Euro fiel.

Buffett stockt auf

Erst auf längere Sicht wird sich weisen, wie sich der Klimawandel auf die Bilanzen der Munich Re auswirkt. Der Konzern drängt auf Maßnahmen gegen die Erderwärmung. Die hauseigene Forschungsabteilung erstellt Studien, die dem Weltklimarat IPPC als Grundlage für seine alarmierenden Prognosen dienen. Immer wieder taucht der Verdacht auf, der Konzern befördere dabei eigene Interessen – Angst vor einer Klimakatastrophe bedeutet höhere Prämien. Konzernchef Nikolaus von Bomhard wies diese Kritik vorige Woche in einem Interview mit der „Süddeutschen“ zurück: Er wisse noch gar nicht, ob der Klimawandel die künftigen Gewinne steigern oder schmälern wird – ihm gehe es um ein berechenbares Risiko.

Warren Buffett jedenfalls hat Lunte gerochen: Über eine Option sicherte er sich die Möglichkeit, seine Beteiligung im März auf über fünf Prozent aufzustocken. Dann wäre er der größte Einzelinvestor bei der breit gestreuten Münchner Rück.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.02.2010)

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