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Literatur

Der Geist in der Flasche

Leben am Abgrund: Der Ich-Erzähler in Cordula Simons Roman „Der Neubauer“ sucht Schutz in alkoholgetränkter Desillusion.

Ein Großmeister unfrisierten literarischen Flegeltums steht Pate, wenn sich hier für einen mit freizügig inszeniertem Universalhass Versehenen das Leben nicht bloß als Illusion entpuppt, denn das weiß dieser mit einer Menge an trügerisch erbeutetem Alkohol stets zu verhindern. Und dann öffnen sich ihm kraft des Geistes in der Flasche plötzlich die verknöcherten Tore der gedanklichen Welten seiner Gespielen, die nicht weniger Verachtung für ihn übrig haben als er für sie. Soziale Grenzen werden eben nicht fließend, sondern streng gezogen.

Spätestens mit der Geburt der Digital Natives – im Facebook- und Instagram-Okkultismus heuchlerisch um Erlösung jaulend – und damit einer weiteren Generation, die auch bloß vorantreibt, was mit der bereitsgeöffneten Büchse der Pandora unabänderlich voranschreitet, in der die lauernde Apokalypse im Standby-Modus noch schelmisch die äußeren Darstellungsformen des Konformismus neu programmiert, kann man sich den Umweg über die Zwischenmenschlichkeit ohnehin getrost ersparen.