Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Schätze zum Wohnen in der Innenstadt

Wie es sich in Wien, Graz und Salzburg historisch wohnt.

Sie haben Geschichte und Flair, Flügeltüren, Stuckdecken und Sternparkette, manche von ihnen auch Deckenvertäfelungen, Wandgemälde und Denkmalschutzauflagen. Zu den echten Schmuckstücken in den Innenstädten der Republik gehören Palais und Gründerzeithäuser, aber auch Liegenschaften aus dem 13. Jahrhundert, für die Anhänger imperialen Charmes und unverwechselbaren Charakters Höchstpreise zu zahlen bereit sind.

 

Imperial in Wien

„Vor allem dann, wenn auch noch ein Stück Historie damit verbunden ist“, weiß Martin Müller, Geschäftsführer von JP Immobilien. Und erzählt, welche Begeisterung seinerzeit beispielsweise im Palais Herzmansky die im Stiegenhaus und der Herrschaftswohnung noch zu findenden Initialen „AH“ ausgelöst haben. „Außerdem erinnere ich mich noch an eine Wohnung beim Schwarzenbergplatz, bei der unter dem Teppich mitten im schönen Parkett des Wohnzimmers eine Art Messingdeckel auftauchte, auf den die Intarsien rundherum aufwändig abgestimmt waren“, erzählt der Makler. Bei genauerem Hinschauen entpuppte sich der „Deckel“ als eine Falltüre, die in einen kleinen Geheimraum führte. Details wie diese lassen die Augen echter Altbauanhänger fraglos strahlen, genauso wie andere Besonderheiten, etwa berühmte Persönlichkeiten als Vorbesitzer oder namhafte Architekten als Erbauer, beispielsweise Adolf Loos, Otto Wagner oder Theophil Hansen.

Darüber hinaus müssen solche Liegenschaften in der Hauptstadt natürlich die Basis-Insignien des Wohnens mit imperialem Flair aufweisen – also hohe Decken, Flügeltüren und ein schönes Parkett. „Ein schönes Sternparkett oder Original-Schnallen an den Türen sind natürlich auch wichtig“, so Müller. „Aber auch tolle Stuckdecken oder Marmorsäulen kommen gut.“ Zusätzliche Nice-to-haves sind beispielsweise Supraporte (über einer Tür angebrachtes Gemälde oder Relief) oder antike Kachelöfen – wobei manche Dinge ab einem gewissen Level auch „too much“ sein können, wie Müller erklärt: „In der Gründerzeit wurden einige Häuser mit Elementen gebaut, die manchen heute eher zuviel sind. Vor allem, wenn sie mit strengen Denkmalschutzauflagen verbunden sind.“ Dazu gehörten etwas schwere, dunkle Deckenverkleidungen oder Stuccolustro-Gemälde, die nicht jedermanns Geschmack treffen. Was in der Wiener Innenstadt des Jahres 2018 und auch der kommenden Jahre aber kaum ein Problem ist, da die Auswahl an luxuriös hergerichteten Altbauquadratmetern so groß wie nie ist und daher jede Geschmacksrichtung bedienen kann.

An der Mur sieht die Situation dagegen ganz anders aus: „Wir haben den größten erhalten gebliebenen mittelalterlichen Altstadtkern Europas, imposante Zinshäuser und auch schöne Wohnungen, teils Gebäude aus dem 16. Jahrhundert, aber keine Vielzahl an großzügigen Palais zu verkaufen wie in Wien“, erklärt die Grazer Maklerin Karin Marchl. Anders als in anderen österreichischen Landeshauptstädten wird in der Innenstadt auch nur selten etwas verkauft; wer hier wohnen will, muss eher mieten.

 

Zur Miete in Graz

„Der Großteil der Immobilien in der Innenstadt ist im Besitz einiger großer und alter Familien oder institutioneller Anleger“, so die Geschäftsführerin von Herzog Immobilien. „Da wird vielleicht ab und an mal ein Dachboden verkauft, aber das kommt selten vor.“

Grundsätzlich sorgen die kurzen Entfernungen in der steirischen Landeshauptstadt dafür, dass das Wohnen mitten im Geschehen nicht gar so wichtig ist wie beispielsweise in Wien. Wer sich aber dafür entschieden hat, dass es die Innenstadt sein soll, der ist auch bereit, die damit verbundenen Kompromisse zu machen. Und die fangen – in Graz wie wohl allen Städten der Welt – beim Thema Parken an. „Wer mit Auto in der Innenstadt wohnen will, muss sich eben in einer der großen Parkgaragen in der Nähe einmieten oder eine Zonenausnahmegenehmigung kaufen“, erklärt Marchl, „aber das hält niemanden ab. Zumal viele gar kein Auto mehr haben wollen.“

Wichtig sind den innerstädtischen Altbaufans auch in Graz die Klassiker von Flügeltüren und Parkett, noch wichtiger aber die Frage, auf der richtigen Seite der Mur zu wohnen. Es muss nämlich das linke Murufer sein – von wenigen Ausnahmen abgesehen. „Auf der anderen Seite sind nur die Hotspots gefragt“, so Marchl. Dazu gehören unter anderem der Bereich zwischen dem Kunsthaus und der Kepplerstraße sowie die Gegend rund um den Lendkai und -platz. Wo sich dann aber auch ein paar ganz besondere Schätze der Grazer Innenstadt finden: Die denkmalgeschützten Fachwerkhäuser am Lendkai, die um 1906 von dem Baumeister Josef Petz erbaut wurden und wegen ihres Baustils die „Nürnberger Häuser“ genannt werden.

 

Mittelalterlich in Salzburg

Ganz besonders alte Schätze prägen auch das Bild in der Salzburger Innenstadt. Hier finden sich inmitten des Weltkulturerbes vor allem Wohnungen aus dem 13. und 14. Jahrhundert. Die allemal in die Kategorie „Altbau“ fallen, allerdings mit ganz anderen Eigenschaften daherkommen als das, was man sich gemeinhin darunter vorstellt. „Die Menschen waren damals einfach kleiner“, weiß Marlies Muhr, Inhaberin des gleichnamigen Immobilienunternehmens, „und entsprechend sind die Decken und Türstöcke auch niedriger.“

Was den wahren Liebhaber des Wohnens in der Salzburger Altstadt aber nicht stört. Wer wirklich hier wohnen will, nimmt das in Kauf, denn viele Umbaumöglichkeiten gibt es nicht. „In dieser Zone Eins des Weltkulturerbes gilt natürlich schwerster Denkmalschutz“, erklärt die Maklerin, „hier ist es wirklich schwierig, etwas umzubauen. Da wird in jedem Fall das Denkmalschutzamt dazu geholt und dann muss man sich darauf einlassen, was erlaubt wird.“ Etwas weniger streng und etwas lichter in der Höhe lässt sich dagegen in den Gründerzeithäusern in Salzburg wohnen, einige dieser Schätze liegen beispielsweise direkt an der Salzach. Wobei auch dabei der Vergleich mit dem Wiener Altbau hinkt, wie Muhr erklärt: „Hier sollte man sich ebenfalls keine Raumhöhen wie in Wien erwarten. Die hat man in Salzburg schon immer ein bisschen ausgereizt, um mehr Flächen zu schaffen, da Grund und Boden in dieser Stadt schon immer sehr begrenzt waren.“ Worüber sich aber niemand, der das Glück hat, eine der raren Villen an der Salzach zu ergattern, beschweren wird.

Genauso wenig wie über die Parkplätze, die in der Salzburger Altstadt wie auch in den anderen Städten natürlich Mangelware sind. Aber das trägt ein echter Liebhaber der Innenstadt-Kleinodien mit Fassung. (SMA)