„Viele Möbel kommen und gehen“

Therese Kaiser legt nicht nur in Clubs auf, sondern hat das Equipment im Wohnzimmer. Dabei ist sie als Organisatorin des Rrriot Festival in Wien derzeit kaum zu Hause.

„Ich mag das Flair im fünften Bezirk, es erinnert mich an Berlin“, sagt Therese Kaiser. Zwar klingt das Perchtenstüberl gegenüber eher alpin, doch das Haus „ist extrem angenehm, freundliche Leute, urbanes Lebensgefühl“. Seit 2015 wohnt die Organisatorin des feministischen Rrriot Festival, das am 1. März startet, in der Stolberggasse. Unbefristet, wie sie betont. „Endlich habe ich das Gefühl, wo bleiben zu können.“ In Döbling aufgewachsen und mit mehreren Wohnstationen im sechsten und neunten Bezirk, hat sie mit der klassischen Altbauwohnung ihre passenden vier Wände gefunden. Die damalige großzügige WG in Mariahilf wurde aufgelöst, „und ich stand da mit viel zu vielen Möbeln, die ich hier nicht unterbringen konnte“.

Einzig ein Mosaiktisch hat den Umzug überlebt, alles andere wurde verschenkt oder verkauft. Dafür haben neue Möbel Einzug gehalten in den Alltag der jungen Unternehmerin, die Anfang 2016 zwei Firmen gegründet hat. Eine davon, Kathe, betreut Projekte im Bereich Online & Social Media Strategy, programmiert und organisiert Frauenförderpläne für Institutionen und Firmen. Dabei arbeitet Kaiser mit Katharina Brandl zusammen, gemeinsam leiten sie das erste Rrriot Festival (Kulturevents, Vernetzung) und den bewährten Business Riot (Konferenz für Frauen) in Wien.

Die Möbel der anderen

Zu richten war in der Stolberggasse wenig, „außer der Küche, die hat gänzlich gefehlt“, erzählt Kaiser. „Und auch jetzt wäre es übertrieben zu behaupten, sie wäre komplett.“ Viele Dinge stammen von Freunden, „die Schallplatten gehören einer Freundin, die jetzt in Australien ist, die Hälfte der Bücher einer anderen Freundin in Hamburg.“ Auch Schuhen und Kleidern gibt sie gegebenenfalls Asyl, dafür ist ihre eigene Garderobe nicht immer in ihrem Schrank vorrätig. Bett und Kommode hat sie günstig von einem Bekannten erworben, „und eine Anlage samt Boxen habe ich um ein Schnäppchen von einem Bekannten bekommen, der quasi den Dachboden geräumt hat“. Auf dem Plattenteller: „Three Imaginary Boys“ von The Cure. Daneben Bücher, Pflanzen, Blumen auf dem Couchtisch, „der eigentlich auch ein Schnäppchen war. Doch beim Transport des Acryltischchens wurde ein Auto beschädigt, und daher war es in Summe dann doch ein ziemlich teures Stück“, erzählt sie.

Vieles wandert gern, wie der Esstisch, der „zuerst im Wohnzimmer stand, dann zu viel Raum eingenommen hat und nun im Vorzimmer steht, wenn er gerade nicht gebraucht wird“. Mit dem Vorzimmer hadert Kaiser ein wenig. „Das ist eigentlich ein Lager.“

Auch mit den Lampen „ist es ziemlich schwierig, da etwas zu finden, was mir wirklich gefällt“. Manches wandert dann auch ganz aus der Wohnung, wird durch Neues ersetzt, „es gibt immer wieder eine Veränderung, ein Kommen und Gehen sozusagen“.

Frauen-Bilder

Was bleibt, sind Gemälde und Fotos. „Ich sammle Kunst von Frauen, etwa von Katharina Höglinger und Marina Sula.“ Ihr Lieblingsbild, das rund ein mal zwei Meter große „Electro“, von Barbara Hainz, hängt über dem Bett. „Ich denke mir manchmal, eines Tages knallt es mir noch auf den Kopf, aber dann wäre das wenigstens eine gute Geschichte.“ Auch der Nintendo bleibt – neben dem Bett, „für Tage, an denen ich nicht aufstehen mag“. Statt des Esstischs hat sie sich für eine Couch entschieden: gemütlicher und platzsparender. „Weil mein Musik-Equipment qualitativ gut ist, kommen manchmal Freunde am Wochenende und nehmen etwas auf.“ So lassen sich Sonntagnachmittage entspannt genießen, und die Anlage kommt anderen zugute.

Viel Zeit zum Entspannen bleibt derzeit aber nicht. Zum siebentägigen Festival mit 50 Events (und anschließender Businesskonferenz) werden zwischen 5000 und 10.000 Gäste erwartet. „Wir wollen sichtbar machen, wie viele Frauen in Kunst und Kultur arbeiten, was sie machen und beschäftigt.“ Das Festival bietet eine Plattform, bei der zahlreiche Institutionen wie Vienna Design Week, Wien-Museum, Volkstheater, Büchereien Wien, Diagonale oder Gartenbaukino mit eigenen Programmen mitwirken. Bis zum 11. März: Dann sollte die Couch wieder ihrer Bestimmung gerecht werden können.

ZUM ORT, ZUR PERSON

Die klassische Altbauwohnung in Margarethen mit Parkett und Flügeltüren birgt ausgesuchte Möbel und Bilder. Der Bezirk liegt mit Mieten zwischen 7,2 und 10,2 Euro/m2 im preislichen Mittelfeld.

Therese Kaiser organisiert unter anderem das erste Rrriot Festival Wien (1.–7. März) mit rund 50 Events und das Riot Business Festival (8.–10. März), Österreichs größte Konferenz zum Thema Frauen, Arbeitsmarkt & Unternehmerinnentum. www.riotfestival.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.02.2018)


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