Mit Biotech-Millionen in die erste Liga

Josef Penninger
Josef Penninger(c) Michaela Bruckberger
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Die vom Molekularbiologen Josef Penninger gegründete Firma Apeiron katapultiert sich mit einer Geldspritze des Pharmariesen GlaxoSmithKline in Höhe von 236 Millionen Euro in die erste Liga der Biotech-Szene.

Wien. Es gibt in dem von Politquerelen und Wirtschaftsskandalen gebeutelten Österreich auch eine Erfolgsgeschichte: Eine besonders bemerkenswerte Story hat ein bisher nur Eingeweihten bekannter Biotech-Zwerg geschrieben. Die vom Molekularbiologen Josef Penninger gegründete Firma Apeiron katapultiert sich mit einer Geldspritze des Pharmariesen GlaxoSmithKline (GSK) in Höhe von 236 Millionen Euro in die erste Liga der Biotech-Szene.

Die Briten, Nummer zwei weltweit nach Pfizer, füllen mit dem Investment ihre Entwicklungspipeline: Das Geld fließt für die Lizenz an einem von dem nur 14Köpfe starken Apeiron-Team entwickelten Wirkstoff gegen akutes Lungenversagen. Sofort sind 12,5 Millionen Euro fällig – doppelt so viel wie der Biotech-Zwerg an privaten Geldern erhalten hat. Dafür erhält GSK 13,8 Prozent an Apeiron. Die weiteren Zahlungen sind an „Meilensteine“ im Laufe der Entwicklung des Medikaments gebunden, für das soeben die erste (von drei) klinische(n) Testphase(n) erfolgreich abgeschlossen wurde. Dass GLK schon in diesem frühen Enwicklungsstadium – üblich ist Phase II – eingestiegen ist, zeigt, „dass sie an uns glauben“, machte Penninger am Mittwoch kein Hehl aus seiner Freude.

Außerdem wurde eine Umsatzbeteiligung vereinbart, was für GLK und Apeiron zu einer Win-win-Situation werden kann: Im Schnitt bringt ein erfolgreiches Präparat eine Milliarde Euro Umsatz, berichtet Apeiron-Vorstandschef Hans Loibner.

Rund eine Million Menschen sind von den katastrophalen Folgen eines akuten Lungenversagens betroffen, das im Zuge einer Sepsis, einer schweren Verletzung oder nach einer Anthrax- oder SARS-Infektion auftreten kann. Bisher gab es dagegen kein Mittel. Aber genau deshalb betreibe er Grundlagenforschung, sagte Penninger: um neue Wirkstoffe gegen Krankheiten zu finden.

Es begann in China

Der Weg vom zündenden Forscherfunken bis zur Vertragsunterzeichnung mit GSK am vergangenen Freitag war für den Chef des Instituts für Molekulare Biotechnologie der Akademie der Wissenschaften allerdings alles andere denn einfach – vor allem, was die Finanzierung betrifft. Obwohl die Mitarbeiter sogar auf ihre Gehälter verzichteten, stand Apeiron mehr als einmal auf der Kippe. Staatliche und EU-Förderungen flossen nur anfangs und spärlich – „Risikokapital wie in den USA gibt es bei uns nicht“ (Penninger).

Ein glücklicher Zufall brachte 2007 die Wende: Penninger räsonierte in einem Autobus irgendwo in China, er müsse wohl seine Firma den Chinesen verkaufen, denn in Österreich bekomme er kein Geld. Sein Sitznachbar war elektrisiert. Manfred Reichl, langjähriger Partner von Roland Berger und Berater des World Economic Forum (WEF), wollte einen weiteren „brain drain“ ins Ausland aus Mangel an Risikokapital nicht hinnehmen. Er sah sich sofort als „Business Angel“ und zog alle Fäden seines Beziehungsnetzes. Kurz danach hatte Penninger zwei Mio. Euro und eine Reihe von Gesellschaftern, unter anderem Reichl selbst.

Inzwischen ist die Liste der Aktionäre mit prominenten Namen gespickt: Ex-Wirtschaftsminister Martin Bartenstein ist mit seinem Pharmaunternehmen Gerot Lannach genauso dabei wie der Industrielle Hannes Androsch, Investor Maurizio Totta (SCS) und der Arzt und ÖVP-Gesundheitspolitiker Erwin Rasinger. Mehr als eine Million riskierte der arabische Bauunternehmer Samit Al-Angari.

Die Botschaft von Penninger und Reichl (er ist Apeiron-Aufsichtsratschef) an die neue Wissenschaftsministerin Beatrix Karl: „Wir brauchen mehr Grundlagenforschung, nur so kommt Geld ins Land, und es entstehen hoch qualifizierte Arbeitsplätze.“ Nachsatz des umtriebigen „Österreichers des Jahres 2004“ in der Kategorie Wissenschaft der „Presse“: „Wir haben noch viele Ideen.“

BIOTECHNOLOGIE

10.000Firmen beschäftigen sich weltweit mit Biotechnologie. Die USA und die EU liegen mit etwas über 3300 Unternehmen gleichauf.

75Milliarden Dollar setzen Biotech-Unternehmen
weltweit um. Das sind bereits
etwas mehr als zehn Prozent
aller Pharma-Umsätze. Der Anteil
wächst stark, weil den
traditionellen Pharma-Konzernen die Innovationen ausgehen.

28Prozent aller Medikamente, die sich in Entwicklung befinden, stammen mittlerweile
von Biotech-Firmen.

800Millionen Dollar kostet die Entwicklung eines völlig neuen Medikamentes. Die kosten wachsen ständig.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.02.2010)

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