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Hypo: Wertberichtigung von zehn Milliarden Euro nötig?

Hypo
(c) AP (Gert Eggenberger)
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Jetzt an die Öffentlichkeit gesickerte Details aus einem Wirtschaftsprüfer-Bericht lassen in Kärnten die Alarmglocken schrillen: Die Rede ist von einem Wertberichtigungsbedarf zwischen fünf und zehn Mrd. Euro bis 2017.

Klagenfurt/Wien. Gerüchte, dass der Hypo Alpe Adria immense Belastungen durch riskante und uneinbringliche Kredite drohen, halten sich, seit der Wirtschaftsprüfer PricewaterhouseCoopers (PWC) Ende November 2009 einen im Auftrag der Hypo-Eignerin BayernLB erstellten Prüfbericht vorgelegt hat. Dort ist von einem Wertberichtigungsbedarf von bis zu 3,1 Milliarden Euro bis 2013 die Rede. Jetzt an die Öffentlichkeit gesickerte Details aus dem PWC-Bericht lassen in Kärnten die Alarmglocken schrillen: Die Rede ist plötzlich von einem Wertberichtigungsbedarf zwischen fünf und zehn Milliarden Euro – bis 2017.

Der Kärntner SPÖ-Klubobmann Herwig Seiser beruft sich auf Informationen, dass PWC rund 1400 Kredit- und Immobiliengeschäfte vor allem in Kroatien im Volumen von rund zehn Mrd. Euro unter die Lupe genommen hat. Ein Großteil dieser Kredite sei „faul“, das heißt uneinbringlich. Seiser spricht von einem „finanziellen Tsunami“ für die verstaatlichte Hypo und damit für den Steuerzahler sowie das Land Kärnten, das bis 2017 für die Hypo haftet. „Wir alle kennen den Bericht nicht, wir haben aber das Recht zu erfahren, was auf uns zukommt“, sagt Seiser zur „Presse“.

Der SPÖ-Landespolitiker fordert daher ÖVP-Obmann Josef Martinz auf, von dessen Parteikollegen Finanzminister Josef Pröll den PWC-Bericht anzufordern und offenzulegen. „Dieses Gutachten muss ein Bestandteil der U-Ausschuss-Unterlagen werden.“

Keine neuen Zahlen

Pröll-Sprecher Harald Waiglein spielt den Ball zurück: Das Finanzministerium habe den PWC-Bericht nicht und kenne daher auch keine Details. Aber: „Auf dem PWC-Bericht basiert das Konzept des Hypo-Vorstands, auf dessen Basis die Staatshilfe geflossen ist“, sagt Waiglein zur „Presse“. Außerdem habe man, als Spekulationen über höhere Belastungen aufgetaucht sind, die Nationalbank über die Finanzmarktaufsicht mit einer nochmaligen Prüfung der Hypo betraut. Dabei sei es auch um die Risken gegangen. Die OeNB-Prüfer seien zum selben Ergebnis wie die PWC gekommen. „Es gibt keine zusätzlichen Risken“, betont Waiglein. Ähnlich reagiert Hypo-Sprecherin Martina Uster auf „Presse-Anfrage: „Das PWC-Gutachten geht nicht bis ins Jahr 2017.“ Allerdings laufe die Haftung des Landes bis dahin.

Kenner der Materie sehen indes wegen der hochriskanten Kroatien-Geschäfte sehr wohl große Brocken auf die Hypo und das Land zukommen. Ein Kärntner Steuerberater und Wirtschaftsprüfer, der nicht genannt werden will, hat errechnet, dass allein aus Beurteilungen der Refinanzierungsobligos der Hypo ein Wertberichtigungsbedarf (je nach Fälligkeit der aufgenommenen Refinanzierungen) von fünf bis zehn Mrd. Euro „schlummert“.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.02.2010)