Nach Sexskandal: Kein Geld mehr für Hilfsorganisation Oxfam

A sign is seen above a branch of Oxfam, in central London
Oxfam gerät immer mehr unter Druck.(c) REUTERS (SIMON DAWSON)

Großbritannien stoppt die Zahlungen an die Hilfsorganisation Oxfam. Am Montag gab der ehemalige Oxfam-Chef von Haiti zu, Prostituierte bezahlt zu haben.

Oxfam gehört nach dem Roten Kreuz zu den weltweitweit größten Hilfsorganisationen. Die britische Regierung hat nun nach dem Sexskandal bei Oxfam angekündigt, die Zahlungen an die Hilfsorganisation zu stoppen. Es müsse gewährleistet sein, dass Oxfam die hohen Standards des britischen Entwicklungsministeriums erfülle, heißt es in einer Stellungnahme. Der im Mittelpunkt des Sex-Skandals bei Oxfam stehende Belgier hat laut der Hilfsorganisation zugegeben, Prostituierte in seiner von Oxfam gemieteten Unterkunft angeheuert zu haben. Oxfam veröffentlichte am Montag einen Bericht aus dem Jahr 2011, wonach Roland van Hauwermeiren damals bei einer internen Untersuchung einräumte, Prostituierte für Sex bezahlt zu haben, und seinen Rücktritt anbot.

Immer mehr Vorwürfe

Die international tätige Entwicklungsorganisation mit Sitz in Großbritannien wird seit Tagen von Skandalen erschüttert. Neben Sexorgien mit Prostituierten in Haiti und dem Tschad soll es Fälle von Vergewaltigungen und versuchten Vergewaltigungen im Südsudan gegeben haben. Vergangene Woche trat Oxfam-Vizechefin Penny Lawrence zurück.

Die „Presse“ hat sich die Bilanz von Oxfam angesehen. Dabei stellt sich heraus, dass die Hilfsorganisation wie ein globaler Milliardenkonzern agiert. Doch mit der Veröffentlichung der Jahresberichte lassen sich die Verantwortlichen Zeit. Die aktuell verfügbaren Zahlen stammen aus dem Geschäftsjahr 2015/2016 (dieses endete Ende März 2016). Die Einnahmen lagen damals bei 1,071 Milliarden Euro. Davon stammte ein großer Teil von staatlichen beziehungsweise öffentlichen Geldern.

Großer Teil der Einnahmen stammt von öffentlichen Geldern

Alleine von der EU und von EU-Einrichtungen erhielt die Organisation 67,9 Millionen Euro, was im Vergleich zum Vorjahr einer Erhöhung von 6,3 Prozent entsprach.

Hinzu kamen 63,6 Millionen Euro von den Vereinen Nationen und von UN-Organisationen. Spendabel zeigten sich auch nationale Regierungsinstitutionen, die in Summe 200,2 Millionen Euro beisteuerten (plus 18,7 Prozent).