Emma Gonzalez: Das junge Gesicht des US-Protests gegen Waffengewalt

Emma Gonzales (li.) kritisierte die US-Politik für ihr jahrelanges Versagen in der Prävention von Amokläufen an Schulen.
Emma Gonzales (li.) kritisierte die US-Politik für ihr jahrelanges Versagen in der Prävention von Amokläufen an Schulen.APA/AFP/RHONA WISE

Mit ihrer emotionalen und rhetorisch guten Rede erregte die 18-jährige Emma Gonzalez die Aufmerksamkeit in den USA. Die Schülerin der Douglas-Highschool zwingt auch Trump zum Handeln.

Es muss endlich Schluss sein, mit Amokläufen in Schulen. Nun stellen sich die jungen Betroffenen an die Spitze einer Protestbewegung für schärfere Waffengesetze. Unter den Schülern, die zu den Protesten aufriefen, ist auch Emma Gonzalez. Sie wurde zum Gesicht des US-Protests gegen Waffengewalt. Gonzalez, 18 Jahre alt, ist Schülerin der Marjory Stoneman Douglas High School in Parkland im US-Staat Florida. Sie überlebte den Überfall des Ex-Schülers Nikolas Cruz am Valentinstag, 14 weitere Schüler und drei Erwachsene nicht. Mit einer aufgebrachten, klug gebauten Rede ist Gonzalez nun zum Gesicht des Protests geworden. Leidenschaftlich, wütend und organisiert.

Das Video ihrer Rede wurde im Internet fleißig geteilt. Gonzalez demaskierte bei einer Anti-Waffen-Demonstration in Fort Lauderdale die mächtige Waffenlobby NRA ebenso wie deren Profiteure in der Politik. "An jeden Politiker, der Spenden von der NRA annimmt: Schande über euch!", rief sie vor Hunderten. "Sie sagen, dass striktere Waffengesetze nichts an Waffengewalt ändern würden - wir nennen das BS!", rief sie, BS ist die Abkürzung für Bullshit, ein Wort, das in den USA gerne zensiert wird.

"Sie sagen, dass ein guter Mensch mit einer Waffe einen bösen Menschen mit einer Waffe stoppen kann - wir nennen das BS! Sie sagen, dass strengere Waffengesetze nicht zu weniger Waffengewalt führen: Wir nennen das BS! Sie sagen, dass Waffen einfach Werkzeuge sind wie Messer und so gefährlich wie Autos: Wir nennen es BS!"

Direkte Appelle an Trump, Scott und Rubio

"Genug ist genug!", rief Gonzalez und wischte sich die Tränen aus den Augen. Gonzalez rief sowohl Trump als auch Floridas Senator Marco Rubio und Floridas Gouverneur Rick Scott zur Teilnahme an der Debatte auf - beide sind Republikaner. "Wir wollen ihnen die Gelegenheit geben, in dieser Sache auf der richtigen Seite zu stehen", sagte sie.

Eine Gruppe von Schülern der betroffenen Highschool von Parkland will bei einem Marsch auf Washington für schärfere Waffengesetze demonstrieren. Der "Marsch für unsere Leben" ist für den 24. März in der US-Hauptstadt geplant.

Feindbild NRA

Die Kundgebung richte sich insbesondere gegen den großen politischen Einfluss der Waffenlobby National Rifle Association (NRA). "Es geht nicht gegen die Republikaner, es geht nicht gegen die Demokraten", sagte der Schüler Cameron Kasky. Jeder Politiker, der Spendengelder von der NRA annehme, "ist für solche Ereignisse verantwortlich", sagte er mit Blick auf das Massaker am Mittwoch, bei dem ein früherer Mitschüler mit einem Schnellfeuergewehr 17 Menschen getötet hatte.

Kasky beschuldigte die NRA, "Waffenkult zu fördern und zu bewerben". Er und seine Mitschüler wollten hingegen eine "neue Normalität" schaffen, in der die Annahme von Spenden der Waffenlobby durch Politiker ein "Schandfleck" sei.  Und der 18-jährige Douglas-Schüler David Hogg richtete in einem Telefon-Interview der Nachrichtenagentur AFP Donald Trump aus: "Sie können nicht der Bürokratie die Schuld geben, wenn Sie, Herr Präsident, es sind, der die Gesamtverantwortung hat", sagte der

Und auch andernorts melden sich junge US-Amerikaner zu Wort, die die Gefahr an den Schulen und im öffentlichen Leben durch Waffen nicht länger hinnehmen wollen. "Ich dachte, das ist jetzt unsere Zeit, Standpunkt zu beziehen, weil, wisst ihr, wir sind diejenigen in unseren Schulen, wir sind diejenige, zu denen die Schützen in die Klassenzimmer und Bereiche kommen", sagt die 15-jährige Schülerin Lena Murdock. Im Internet unterzeichneten bis Montag mehr als 56.000 Menschen die Online-Petition von Murdock, die dazu aufruft, am 20. April als Signal gegen Waffengewalt aus den Klassenräumen auf die Straßen zu gehen. An dem Tag jährt sich zum 19. Mal das Massaker an der Columbine High School, bei dem zwei Schüler 13 Menschen töteten.

Trump will Schüler- und Lehrervertreter treffen

Die Proteste zwingen auch US-Präsident Donald Trump zu handeln, auch wenn für ihn und seine republikanische Partei eine Verschärfung der Waffengesetze nicht in Frage kommt. Die US-Regierung hat ein Treffen von Trump mit Oberschülern und Lehrern angekündigt. Geplant sei eine Begegnung am Mittwoch, bei der es darum gehe zuzuhören, teilte das Präsidialamt mit. Ob an dem Treffen mit Trump auch Schüler der Marjory Stoneman Douglas High School teilnehmen, teilte das Präsidialamt nicht mit.

Trump hatte am Wochenende via Twitter erklärt, das FBI sei womöglich wegen seiner Ermittlungen in der Affäre um eine mutmaßliche russische Einmischung in den Präsidentschaftswahlkampf 2016 zu abgelenkt gewesen, um Hinweisen nachzugehen, die den Amoklauf hätten verhindern können. Die Bundespolizei hatte am Freitag eingeräumt, Warnungen in Bezug auf den mutmaßlichen Schützen nicht nachgegangen zu sein. Der 19-Jährige sitzt in Gewahrsam. Ihm droht die Todesstrafe.

Trump und die Republikaner lehnen strengere Waffengesetze oder Vorschriften bisher weitestgehend ab. Entsprechende Vorstöße der Demokraten nach ähnlichen Massakern verliefen im Sande. Trump, so schreibt die "Washington Post", habe übers lange Wochenende die vielen, vielen Fernsehberichte über die Schüler von Parkland sehr genau verfolgt. Das sind mächtige Zeugen. So streitsüchtig er ist - wütenden, verzweifelten Heranwachsenden zu widersprechen, dürfte ihm schwerfallen. Erste Anzeichen: Trump habe mit den beiden Senatoren Chris Murphy und John Cornyn gesprochen, die einen Gesetzentwurf vorgelegt haben, um Schlupflöcher in einem landesweiten Register zu Waffenkäufen zu schließen. In dem Register sollen Informationen über das Vorleben potenzieller Waffenkäufer zusammenfließen, die einem Waffenerwerb entgegenstehen.

Und die "Generation Columbine" wird bald selbst Gesetzt machen, wie Gonzalez dem CNN-STarmoderator Anderson Cooper sagt: "Wir sind die, die eines Tages die Gesetze machen werden. Und auch wenn es jetzt klein aussieht - irgendwo muss man ja einmal anfangen."

(APA/Reuters/AFP/dpa)

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