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Kulterer: "Habe gesunde Hypo Alpe Adria hinterlassen"

ARCHIVBILD: WOLFGANG KULTERER
(c) APA (Herbert Pfarrhofer)
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In einem Zeitungsbericht rechtfertigt sich der ehemalige Vorstandsvorsitzende der Bank. Er sei nicht Erfüllungsgehilfe von Haider gewesen, für die meisten Schwierigkeiten könne er nichts.

Der ehemalige Vorstandsvorsitzende der Kärntner Hypo Group Alpe Adria (HGAA), Wolfgang Kulterer, weist in einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin "Format" jede Verantwortung für das finanzielle Debakel der Bank von sich. Er bleibt dabei, 2006 eine "gesunde Bank" hinterlassen zu haben. Zum Prüfbericht, wonach etwa in Kroatien 400 leasing-finanzierte Jachten verschwunden seien, meinte Kulterer: "Der Prüfbericht ist Quatsch."

Besonders wurmt den Banker der Vorwurf, er sei williger Erfüllungsgehilfe des damaligen Kärntner Landeshauptmannes Jörg Haider gewesen. Dies sei absolut unwahr, es habe "Schreiduelle" zwischen ihm und Haider gegeben. So habe er sich auch strikt geweigert, den Kärntner Fußball zu sponsern. Die Leasing-Finanzierung der Wörthersee-Bühne habe der Hypo keinen Cent Verlust beschert, zahlreiche Investitionen in Skigebiete, wie etwa am Nassfeld oder auf der Turracher Höhe, hätten sich prächtig entwickelt.

Nur Schlosshotel war Fehlinvestition

Einzig das Schlosshotel Velden sei eine Fehlinvestition gewesen, konzediert Kulterer, um gleich wieder einzuschränken, dass daran wohl auch die Wirtschaftskrise schuld sei. Zudem sei "nicht mehr genug Energie" dagewesen, um das Projekt ordentlich fertig zu managen, als 2006 "das ganze Theater um die Swaps begann".

An den Milliardenabschreibungen in Kroatien ist laut Kulterer die Wirtschaftskrise schuld, den umstrittenen kroatischen General Vladimir Zagorec habe er als Kunden "geerbt". "Bis 2007 habe ich ihn nicht einmal gekannt", sagte Kulterer, der allerdings bereits im Sommer 2006 als Vorstandsvorsitzender zurücktreten musste. Die Geschäfte, die man mit Zagorec gemacht habe, seien "gut besichert" gewesen, die Geldwäsche-Vorwürfe hätten sich in Luft aufgelöst. Einer der wenigen Fehler, den Kulterer zugab, sei ihm bei der Personalauswahl unterlaufen. Namen nannte er aber nicht, sondern meinte nur: "Wenn man hundert Führungskräfte hat, kann man da und dort einen Fehlgriff machen."

"Wachstum erst nach Abgang"

Seit seinem Abgang aus der Hypo sei die Bank, was das Kredit- und Leasinggeschäft betreffe, um 50 Prozent gewachsen, behauptet Kulterer. Er könne nur über jenen Teil reden, den er mitgestaltet habe. Heftige Kritik übte er an der BayernLB: "Immer, wenn es Probleme gibt, läuft sie schreiend davon und schmeißt alles hin." Dies sei bei der kroatischen Rijecka Banka ebenso der Fall gewesen wie bei Bawag und jetzt eben bei der Hypo. Warum man die Bayern dann als Käufer geholt habe, "kann ich nicht beurteilen". Er sei ja nicht der Verkäufer gewesen, so Kulterer, der auch Tilo Berlin kaum gekannt haben will. Dass er als Aufsichtsratsvorsitzender und Berater Haiders bei allen entscheidenden Verhandlungen ebenso dabei war wie bei Signing und Closing des Deals, ließ er unerwähnt.

Auch die Anmerkung der Wirtschaftsprüfer, dass die enormen Abschreibungen samt und sonders aus Geschäften vor 2007 resultieren, blieb außen vor. Unterdessen wird anhand eines angeblich geheimen neuen Prüfberichtes heftig darüber spekuliert, dass das im Dezember notverstaatlichte Geldinstitut noch weiteren Abschreibungsbedarf in Milliardenhöhe haben soll. Kolportiert werden da Summen von 5 bis 10 Milliarden Euro, eine Bestätigung dafür gab es vorerst aber nicht.

(APA)