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Snowboard

Perfektionistischer "Baby-Husky": Gasser setzt zum großen Sprung an

Nach der Slopestyle-Farce hat Anna Gasser ihr Lachen wieder gefunden.
Nach der Slopestyle-Farce hat Anna Gasser ihr Lachen wieder gefunden.(c) REUTERS (KAI PFAFFENBACH)
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Anna Gasser ist die erste Anwärterin auf Gold im Big-Air-Bewerb. Die Kärntnerin ist erfreut ob der starken Konkurrenz und spürt die hohen Erwartungen.

Die windgebeutelte Enttäuschung im Slopestyle hat Anna Gasser abgehakt, Wiedergutmachung soll Gold in ihrer Paradedisziplin Big Air leisten. In Pyeongchang steht der Sprungbewerb erstmals im olympischen Programm, aufgrund der Schlechtwetterprognose wurde das Finale auf heute Nacht (1.30 Uhr) vorverlegt. Mit Bestleistung in der Qualifikation hat die Kärntnerin ihre Stellung als haushohe Favoritin untermauert, wenngleich sie weiß: „Jeder Contest fängt wieder komplett neu an und man muss es wieder erst stehen. Aber ein bisschen Selbstvertrauen gibt das schon.“

Gasser wird als Letzte ins Rennen gehen, sie kann die Konkurrenz studieren und das eigene Risiko besser abwägen. Noch hat sie sich nämlich nicht festgelegt, in welcher Reihenfolge sie ihre zwei Paradetricks, den Cab Double Cork 900 (zweieinhalb Drehungen) bzw. 1080 (drei), zeigen wird. „Zwei Zehner sind das Ziel. Wenn das Wetter gut ist, gehen wir all in“, versicherte Trainer Christian Scheidl. In der Qualifikation punktete die 26-Jährige trotz Hand im Schnee mit dem rückwärts angefahrenen 1080 switch, der noch etwas schwieriger als die normale Variante ist, und den sie heuer erstmals bei ihrem Sieg bei den X-Games gezeigt hatte. „Wenn ich meine Tricks stehe, schaut es gut aus“, ist die zweifache Weltcupsiegerin in diesem Winter überzeugt. In der Hinterhand hätte Gasser sogar einen neuen Sprung, den sie aber noch nie gestanden ist.

 

Werbung für den Sport

Die zwei besten der drei Finalläufe kommen in die Wertung, es gilt jeweils verschiedene Tricks zu zeigen. Im Gegensatz zum Slopestyle, als 41 Stürze in 50 Runs und ein Sicherheitslauf zu Gold alles andere als Werbung für den Sport waren, soll nun der Big-Air-Bewerb die Entwicklung der Frauen-Freestyleszene in den letzten Jahren demonstrieren. Der Kicker im Alpensia Park bietet hierfür die perfekte Bühne. „Er ist sehr gut gebaut, man hat eine gute Air-Time. Es ist kein Problem, die schwersten Tricks zu zeigen“, meinte Gasser. Gleich fünf Konkurrentinnen kamen in der Qualifikation auf 90 oder mehr Punkte, für die Millstätterin ist das die größte Motivation. „Es hat mich gepusht zu sehen, wie gut die vor mir gefahren sind“, erzählte sie. „Oben hat sich jede gefreut, wenn jemand einen neuen Trick gemacht hat. Und wie man an den Punkten sieht, war das eine richtig coole Show.“

Gasser selbst arbeitet stetig daran, sich weiter zu verbessern. Als „Perfektionistin“ beschreibt sie ihr Coach. Sie sei extrem konzentriert und arbeite extrem hart. „Man muss nie hinterherschauen, dass irgendwas passiert. Meine Aufgabe ist es meistens sogar zu sagen, jetzt reicht es einmal“, sagte Scheidl. Ähnlich fällt die Einschätzung von Freund und Teamkollegen Clemens Millauer, der in der Nacht die Qualifikation bestritt, aus. Ob ihres enormen Bewegungsdranges vergleicht er Gasser liebevoll mit einem Baby-Husky. Seit Jahresbeginn steht den Freestylern am Kreischberg ein Lande-Airbag zur Verfügung. „Die Anna hat so eine Ausdauer und reißt mich bis zum Schluss mit“, berichtete Millauer von bis zu neun Stunden Training pro Tag in der Vorbereitung.

 

„Hirscher-mäßiger“ Druck

Im Vergleich zum Olympiadebüt vor vier Jahren in Sotschi, als Gasser nach einem Fehlstart im Slopestyle Zehnte wurde, ist der Erwartungsdruck noch einmal deutlich gewachsen. Das spürt auch Österreichs Sportlerin des Jahres, die Nacht vor der Qualifikation war eine kurze, wie sie gestand: „Ich war schon sehr nervös.“

Auch Trainer Scheidl ist bewusst, welcher Druck auf seiner Athletin lastet. „Es ist ja fast schon Hirscher-mäßig, was da von der österreichischen Presse verlangt wird“, sagte er. „In Wahrheit erwartet jeder von ihr Gold, das ist schon heavy.“ Er selbst werde das Finale aus zwei Perspektiven erleben. „Als Snowboarder freue ich mich total, weil das zeigt, wo das Frauen-Snowboarden mittlerweile ist. Als Trainer bin ich ein bisserl nervös.“ (swi)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.02.2018)