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Auf der Suche nach den Wienwert-Anleihen

Die insolvente WW-Holding, Mutter der Immobilienfirma Wienwert, hat nur 40.000 Euro an Barmitteln.
Die insolvente WW-Holding, Mutter der Immobilienfirma Wienwert, hat nur 40.000 Euro an Barmitteln.(c) APA/HELMUT FOHRINGER
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Das insolvente Immo-Unternehmen hat nur 40.000 Euro in der Kasse. Wo sind die 34,4 Mio. Euro geblieben, die in Anleihen investiert wurden? Masseverwalter und Anlegeranwälte drehen derzeit jeden Stein um.

Wien. Der Kassasturz ist ernüchternd: Die insolvente WW-Holding, Mutter der Immobilienfirma Wienwert, hat nur 40.000 Euro an Barmitteln. Das ist nicht gerade viel für ein Unternehmen, das sich bis vor Kurzem als aufstrebender Immobilienentwickler geriert hat. Umso mehr gibt Masseverwalter Norbert Abel nun Gas, um die Wienwert – und in einem zweiten Schritt werthaltige WW-Immobilien – zu versilbern, um das Bestmögliche für die Gläubiger herauszuholen. Das sind vor allem jene 900 Anleger, die 34,4 Mio. Euro in 16 Anleihen investiert haben.

Schon am Dienstag hat Abel den Verkaufsprozess für die Wienwert gestartet, am 15. März beginnt die Verwertung der Immobilien der WW-Holding. Wie „Die Presse“ exklusiv berichtete, (15. Februar) wird die Wienwert laut Insolvenzantrag mit 9,8 Mio. Euro bewertet. Sie ist allerdings zur Gänze verpfändet. Es soll Interessenten geben, die Offerte sollen bei rund vier Mio. Euro liegen.

Die Kernfrage, die sich Kreditschützer und Anlegeranwälte – und natürlich auch Abel – stellen, lautet: Wo sind die 34,4 Mio. Euro der Bond-Anleger hingekommen? Löcher in der Bilanz dürften damit nicht gestopft worden sein, denn die WW-Holding wies nicht nur 2015 und 2016, sondern auch im ersten Halbjahr 2017 ein zweistelliges negatives Eigenkapital aus.

„Es drängt sich der Verdacht auf, dass es Vermögensabflüsse gegeben haben könnte“, heißt es dazu in der Kanzlei Aigner+Partner, die eine Reihe von Bond-Anlegern vertritt. Die Prüfung genau dieser Vermutung – sowie anderer „mäanderartiger Geldflüsse“ (KSV-Experte Hans-Georg Kantner) – steht nun im Mittelpunkt der Arbeit von Masseverwalter Abel. Er nimmt die Buchhaltung von WW und Wienwert auseinander und dreht jeden Stein um.

 

Schadenersatzklage angedroht

Anlegeranwalt Lukas Aigner konzentriert sich indes auf die Werbung für und den Verkauf der Anleihen – Abel zufolge sind sie faktisch unbesichert. Was der Darstellung gegenüber den Investoren völlig widerspreche. Die Anleihen wurden unter „vorgeblicher grundbücherlicher Besicherung sowie unter Schaltung von irreführender Werbung begeben“, stellt Aigner in Briefen an die Wienwert-Gründer Wolfgang Sedelmayer und Nikos Bakirzpglu fest.

Weshalb das Oberlandesgericht Wien 2015 die Werbung als irreführend qualifiziert und die Finanzmarktaufsicht daraufhin auch Geldstrafen verhängt habe. In der Tat sei das Geld dringend nötig gewesen, um „die Gesellschaft überhaupt weiterhin liquide zu halten“.

Die der „Presse“ vorliegenden Schreiben enthalten weitere Vorwürfe: So habe das Unternehmen planmäßig und wiederholt Anlageberatung betrieben, obwohl es dazu keine Konzession (nach Wertpapieraufsichtsgesetz) besaß.

Aigner fordert die Gründer (für die die Unschuldsvermutung gilt) deshalb zu Schadenersatz auf. Im konkreten Fall geht es bei einem Anleger um über 200.000 Euro. Sollte man binnen zehn Tagen (bis 25. Februar) keine befriedigende Antwort haben, droht die Kanzlei mit einer Schadenersatzklage.

Aigner will sich noch diese Woche auch die Treuhänder vorknöpfen, die bei der Bond-Begebung eingebunden waren, später auch die Vertriebspartner. Das war unter anderem ab 2013 die WM Maierhofer AG, die laut Aigner ebenfalls keine Konzession hatte.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.02.2018)