US-Vizepräsident Mike Pence wollte Gespräche mit Kim Jong-uns Schwester führen.
Washington. Fast hätte es bei den Winterspielen in Pyeongchang einen historischen diplomatischen Durchbruch gegeben: Offenbar sollte es nach jahrelanger Eiszeit zu einem hochrangigen Treffen zwischen USA und Nordkorea kommen – Kim Yo-jong, Schwester von Diktator Kim Jong-un, hätte mit US-Vizepräsident Mike Pence zusammenkommen sollen. Doch in letzter Minute sagten die Nordkoreaner ab. Die Sprecherin des US-Außenministeriums, Heather Nauert, bestätigte auf Twitter einen Bericht der „Washington Post“ und bedauerte, dass die Nordkoreaner die Gelegenheit nicht ergriffen hätten.
Pence habe bei dem Treffen die Notwendigkeit unterstreichen wollen, dass Nordkorea sein Atomwaffen- und Raketenprogramm aufgeben müsse.
Das Treffen mit der einflussreichen Kim Yo-jong, die als enge Beraterin ihres Bruders gilt, sollte am Samstag, dem Tag nach der Eröffnungsfeier, im Regierungssitz in Seoul stattfinden, berichtete die Zeitung. Auch das protokollarische nordkoreanische Staatsoberhaupt Kim Yong-nam sollte teilnehmen. Am Morgen habe die nordkoreanische Seite die Pläne noch bestätigt, doch sei die Absage weniger als zwei Stunden vorher erfolgt.
Die Nordkoreaner hätten bei der Absage ihren Unmut darüber geäußert, dass Pence vorher neue Sanktionen angekündigt und sich bei seinem Besuch in Südkorea auch mit nordkoreanischen Überläufern getroffen hatte. Der US-Vizepräsident war der Kim-Schwester und der nordkoreanischen Delegation bis dahin demonstrativ aus dem Weg gegangen oder hatte sie ignoriert. Bei der Eröffnungszeremonie hatten die beiden Nordkoreaner direkt hinter ihm gesessen. Die Initiative für das Treffen ging von südkoreanischer Seite aus. (ag.)
("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.02.2018)