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NS-Liedertexte: Hausdurchsuchung bei "Bruna Sudetia"

Klingel der Burschenschaft Bruna Sudetia
Klingel der Burschenschaft Bruna SudetiaAPA/GEORG HOCHMUTH

Der Vorsitzende der Burschenschaft ließ sich bereits beurlauben. In der Causa Germania wartet die Staatsanwaltschaft indes auf ein Gutachten des Bundeskriminalamtes.

Einsatzkräfte haben die Räumlichkeiten der Burschenschaft "Bruna Sudetia", die im Verdacht steht, ein Liederbuch mit antisemitischen Texten verwendet zu haben, durchsucht. Ein Sprecher der Polizeidirektion Wien bestätigte am Donnerstag eine Hausdurchsuchung am Vorabend. Keine Auskunft gab es darüber, ob belastende Materialen sichergestellt werden konnten.

Bereits am Mittwoch hatte die Staatsanwaltschaft Ermittlungen von Amts wegen gegen Unbekannt bestätigt. Der Vorsitzende der Verbindung, Herwig Götschober, ließ sich in Folge als Pressereferent im Büro von Verkehrsminister Norbert Hofer (FPÖ) beurlauben.

Causa Germania: Warten auf Gutachten

Auch in der Affäre rund um die Burschenschaft "Germania zu Wiener Neustadt", laufen die Ermittlungen weiter, wie Sprecher Erich Habitzl am Donnerstag bestätigte. Erste Einvernahmen hat es ja bereits gegeben, geplant sei die Befragung aller Mitglieder, die vom Landesamt für Verfassungsschutz erhoben werden. Zudem warte die Anklagebehörde auf ein Gutachten des Bundeskriminalamtes bezüglich des Zeitpunkts der Schwärzungen der inkriminierten Texte, so Habitzl.

Im Zuge einer Hausdurchsuchung bei der Germania waren Liederbücher mit teilweise geschwärzten Passagen sichergestellt worden. Ermittelt wird gegen vier Verdächtige, die für das 1997 neu aufgelegte Liederbuch mit NS-verherrlichenden Inhalten verantwortlich zeichneten. In dem 300 Seiten starken Buch sollen unter anderem diese Zeilen abgedruckt worden sein: "Da trat in ihre Mitte der Jude Ben Gurion: ,Gebt Gas, ihr alten Germanen, wir schaffen die siebte Million.'" Und an anderer Stelle: "Da schritt in ihre Mitte ein schlitzäugiger Chines': 'Auch wir sind Indogermanen und wollen zur Waffen-SS.'"

Konsequenz der vom "Falter" aufgedeckten Affäre, die im Finale des niederösterreichischen Landtagswahlkampfs im Jänner hohe Wellen schlug, war der Rücktritt des FPÖ-Spitzenkandidaten von seinen politischen Ämtern im Land und in der Stadt. Bereits zuvor hatte Udo Landbauer seine Mitgliedschaft in der Pennäler-Burschenschaft zurückgelegt und bekräftigte mehrmals, mit antisemitischem und nationalsozialistischem Gedankengut nichts am Hut zu haben. Er wurde bereits von der Staatsanwaltschaft als Zeuge befragt.

Landtagsabgeordneter verlässt Burschenschaft

Mit dem Wiener Landtagsabgeordneten Stefan Berger verließ ein weiterer FPÖ-Politiker die Burschenschaft. Er bezeichnete die Liedtexte, die er - ebenfalls - nicht gekannt haben will, als "widerlich und verurteilenswert". In der Folge wurde bekannt, dass der als einer der Verdächtigen geführte damalige Buch-Illustrator SPÖ-Mitglied war - sein Parteiausschluss erfolgte umgehend.

(APA/Red.)