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Schulmassaker: Weißes Haus würde Waffentraining für eine Million Lehrer finanzieren

Trumps Pressesprecher im Weißen Haus.REUTERS/Jonathan Ernst
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US-Präsident Trump schlägt einen Bonus für Lehrer vor, die in Schulen Waffen tragen. Das Weiße Haus verteidigt den Plan: "Finden Sie wirklich, dass das zu viel für die Sicherheit an den Schulen ist?"

Die US-Regierung bleibt bei ihrem Standpunkt: Es soll kein Verbot für bestimmte, bei Schulmassakern oft verwendete Waffen geben. Und: Lehrer sollten in Schulen verdeckt Waffen tragen dürfen, um Amokläufer abzuschrecken. Der komplette Bann etwa von Sturmgewehren sei keine gute Lösung, sagte der Sprecher von US-Präsident Donald Trump am Donnerstagabend in Washington. Das komme höchstens teilweise oder für bestimmte Menschen infrage.

Der 19-Jährige, der bei einem Amoklauf in einer Schule in Florida vergangene Woche 17 Menschen tötete, hatte ein Sturmgewehr des Typs AR-15 legal in einem Waffengeschäft erworben.

Zugleich bekräftigte Trumps Sprecher: Es gebe genug Unterstützung im Land für den Vorschlag des Präsidenten, Lehrer zu bewaffnen. Trump hatte seine Idee, die er bei einem Treffen mit Angehörigen und Überlebenden des Schulmassakers im Weißen Haus geäußert hatte, im Laufe des gestrigen Tages präzisiert. Trump sagte, es dauere fünf bis acht Minuten, bis die Polizei am Tatort eines Schulmassakers eintreffe. "Wenn man einen Lehrer hat, der mit Schusswaffen vertraut ist, könnte er den Angriff sehr schnell beenden."

Man müsse die Schulen abhärten, statt sie zu verweichlichen, legte Trump bei einem Meeting im Weißen Haus nach. Speziell trainierte Lehrer könnten für das verdeckte Tragen einer Waffe einen Bonus erhalten. Er halte zwischen zehn und 40 Prozent der Lehrer für geeignet, bewaffnet zu werden, sagte der Präsident. "Ich will, dass Schulen so geschützt werden wie Banken."

Trump von beiden Seiten unter Beschuss

Journalisten stellten das Vorhaben bei dem Pressebriefing im Weißen Haus in Frage: Gebe man 40 Prozent der Lehrer einen Bonus von rund 1000 Dollar, bedeute das eine Milliarde Euro für eine Million Lehrer. "Finden Sie wirklich, dass das zu viel für die Sicherheit an den Schulen ist?", entgegnete Trumps Sprecher Shah.

Trump hatte außer der Bewaffnung der Lehrer im Wesentlichen vier Punkte genannt, um auf Schulangriffe zu reagieren: schärfere Sicherheitsprüfungen von Waffenkäufern, ein Heraufsetzen des Mindestalters von 21 für den Erwerb von Gewehren, ein Verbot von Schnellfeuerkolben und einen besseren Umgang mit psychischen Problemen.

Der US-Präsident steht nach den Todesschüssen unter großem Druck zu handeln. Auf der anderen Seite ist seiner Anhängerschaft und sehr vielen US-Republikanern das Thema Waffen heilig. Sämtliche Vorschläge, die Trump nach dem jüngsten Massaker nun genannt hat, müssten im Jahr der Kongresswahl durch Senat und Repräsentantenhaus. Das gilt als nicht sehr wahrscheinlich.

"Weinende Mütter sind Gold für die Quote"

Schon die milden Änderungsvorschläge gingen der mächtigen Waffenlobby am Donnerstag zu weit: Die NRA veröffentlichte ein Statement, in dem sie sich gegen die Überarbeitung des geltenden Rechts wandte. Ein Heraufsetzen des Alters für den Waffenerwerb sei verfassungswidrig. Trumps Sprecher sagte: "Wir erwarten nicht, mit der NRA in jedem Punkt übereinzustimmen", sie sei aber gleichwohl sicher an Schulsicherheit interessiert.

NRA-Chef Wayne LaPierre setzte am Donnerstag auf einer Konferenz zum rhetorischen Gegenschlag gegen Kritiker - vor allem aus den Reihen der Demokraten - an: Er warf ihnen vor, den Fall politisch zu instrumentalisieren. "Viele in den Medien lieben Schulmassaker", meinte auch NRA-Sprecherin Dana Loesch. "Nicht die Tragödie, aber die Einschaltquoten. Weinende weiße Mütter sind Gold für die Quote."

Die Debatte über das Waffenrecht ist diesmal emotional noch aufgeladener als bei früheren Taten. Das liegt zu einem großen Teil daran, dass Überlebende des Massakers in Florida zu Symbolfiguren des Kampfes für ein schärferes Waffenrecht geworden sind und engagiert für ihr Anliegen eintreten.

>>> Bericht im "Guardian".

(APA/dpa/Reuters/red.)

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