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Interview

Schröcksnadel: „Österreich ist ein sehr bequemes Land geworden“

SKI WELTCUP IN SCHLADMING: SLALOM DER HERREN: SCHROeCKSNADEL
APA/EXPA/JOHANN GRODER
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ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel plaudert über Macht, Hierarchien, Geld, Neid und Norwegen, „wo in jedem Kaff eine kleine Schanze steht“.

Die Presse: ÖSV-Athleten haben bei diesen Winterspielen viele Medaillen gewonnen. Sind Sie zufrieden?
Peter Schröcksnadel: Der Sport hat mir super gefallen, das Klima hier gar nicht: eiskalt, windig, staubig. Organisiert war alles super, die Pisten waren bis auf den Slalomhang sehr gut. Sechs bis acht Medaillen waren die Vorgabe, die ist erfüllt. Es sind nur sechs (das Gespräch fand vor dem Teambewerb statt, Anm.) geworden, aber dafür mehrere in Gold.

Die neue Problemzone im ÖSV sind jetzt die Nordischen . . .
. . . nicht die Nordischen, sondern die Springer. Die Kombinierer waren mit zwei Medaillen über dem Plan. Auch die Biathleten waren gut, mit der Medaille war nach den Ergebnissen im Weltcup nicht zu rechnen. Nur im Springen waren wir wirklich weit weg, und zwar bei Damen und Herren.

Trotzdem gaben Sie eine Jobgarantie für Heinz Kuttin ab.
Habe ich nicht! Man hat mich gefragt, ob wir ihn rausschmeißen, und ich habe gesagt, dass wir das sicher nicht tun. Ich diskutiere das Thema erst nach der Saison. Wir sind aber nicht beim Fußball, wo man ständig die Trainer wechselt.

Hauen Sie in solchen Konflikten nicht auch gern auf den Tisch?
Selten. Ich habe ein Prinzip: Du darfst einem Trainer nicht dreinreden. Du kannst ihn kündigen, aber ihm nicht dreinreden. Sonst kann man den Job gleich selbst machen.

Muss man sich um Österreichs Skispringer vor der Heim-WM 2019 in Seefeld Sorgen machen?
Kraft oder Hayböck, die haben ja das Springen nicht verlernt. Aber der Nachwuchs ist ein Problem, weil das System nicht mehr so funktioniert. In Slowenien, in Planica, da haben sie das, was wir brauchen: acht Schanzen, Infrastruktur. Und wir haben gar nichts. Oder Norwegen: In jedem Kaff gibt es dort kleine Schanzen, bei uns zerfällt eine gerade in Mutters.

Ist das der Unterschied zu den so erfolgreichen Norwegern?
Dort wird Sport gelebt, bei uns nicht. Das fängt bei den Eltern an. Es ist bei uns vielen zu mühsam, Kinder zum Fußball, auf die Pisten oder sonst wohin zu bringen. Das ist Arbeit, Aufwand. Österreich ist ein bequemes Land geworden.

Kommen die Förderungen im Sport jetzt richtig an?
Wenn ich höre, dass man Janine Flock vier Monate vor Olympia einen Physiotherapeuten organisieren muss, dann muss ich sagen: Den braucht sie doch das ganze Jahr! Da ist schon bei uns nicht alles ausgewogen. Ich bin für die neue Struktur, die Sport Gmbh. Man muss aber Ziele definieren. Wenn ich Medaillen haben will, muss ich es so formulieren. Will ich den Breitensport fördern, muss ich es auch sagen. Hinterher jammern und schimpfen geht nicht.

Apropos jammern: Wie sehr schmerzt Sie das Nein zu Olympia in Innsbruck?
Ich war für Olympia, aber in Tirol eingeschränkt. Man muss sich überlegen, was Olympia dem Sport bringt. Der Bewerber spart Geld, der Steuerzahler spart Geld, aber was hat der Sport davon?

Halten Sie die Bewerbung für Graz/Schladming für sinnvoll?
Ich halte es für sinnvoll, wenn es mit den Sportstätten passt. Wenn Verbände und Vereine von Beginn an eingebunden sind, man ihnen klarmachen kann, was sie davon haben. Dass der Tourismus profitiert, ist keine Frage, aber noch einmal: Wie profitiert der Sport? Man wird Investitionen machen müssen. Und man kann die Bevölkerung nicht für dumm verkaufen!

Wie nehmen Sie die Kritik am „Altherren-Verein“ ÖSV auf?
Es heißt ja nicht, dass das Alter schlecht sein muss und die Jugend immer gut. Nicht alle Jungen sind gescheit und die Alten dumm. Es muss eine gute Mischung sein. Wir sind nicht hierarchisch aufgebaut, überhaupt nicht.

Wie bitte? Jeder weiß doch, dass Ihr Wort im Skisport Gesetz ist.
Nur aufgrund der Position, die ich mir erarbeitet habe, nicht aufgrund der Macht, die ich vom Verband bekomme.

Wie gehen Sie denn mit Lob um?
Die einzige Kritik und das einzige Lob, das ich akzeptiere, ist das von den eigenen Leuten im Verband. Alles andere interessiert mich nicht. Uns als Skiverband sind alle den Erfolg neidig. Die Leute freuen sich, wenn wir verlieren. Wenn man in Österreich Erfolg hat, wird man beneidet und geknüppelt.

Dann gibt es aber sehr wenig Erfolgreiche, wenn Sie immer als „Lieblingsopfer“ übrig bleiben.
Ja! Dankbarkeit ist keine Kategorie.

Zur Person

Peter Schröcksnadel, 76, ist seit 1990 Präsident des Skiverbandes und auch Mitglied des ÖOC. Er besitzt die Sitour Management GmbH, ist 50,3-prozentiger Anteilhaber der börsenotierten Feratel Media Technologies AG. Seit 2015 ist er auch als Koordinator des Sommersports im Einsatz.

Dieses Interview fand in Kooperation mit den Bundesländerzeitungen statt.