Im Gespräch bleiben

Eine Atmosphäre der offenen Kommunikation bringt ein Unternehmen weiter als autoritäre Führung.
Eine Atmosphäre der offenen Kommunikation bringt ein Unternehmen weiter als autoritäre Führung.(c) imago/Westend61 (HalfPoint)

Dialogisches Führen. Die Antwort auf die Unwägbarkeiten in Gesellschaft und Wirtschaft liegen laut Experten im Gespräch. Und im Stärken der Eigenverantwortlichkeit von Mitarbeitern.

Dialogisches Führen geht von der Annahme aus, dass wir alle nur einen Teil der Welt wahrnehmen können und wir daher alle vorhandenen Blickwinkel und Perspektiven in einer Organisation brauchen, um erfolgreich zu sein in einer sich schnell verändernden und immer mehr vernetzten Welt“, sagt Eelco de Geus, systemisch-dialogischer Organisationsberater und Gründer der Dialog-Akademie in Pressbaum. Es brauche eine Art des Führens, bei der nicht einzelne Menschen über einen Weg entscheiden, sondern möglichst viele an der Entwicklung einer Organisation partizipieren. „Die große Herausforderung ist, dass eine dialogische Führungskraft sowohl einen Raum schafft für gleichwertige Dialoge in der Organisation, als auch eine klare Struktur dafür implementiert und überwacht.“ Die Akademie bietet dazu eine zwölftägige Ausbildung in Dialogkreisbegleitung an, aufgeteilt in drei Blöcke. Jeder Block umfasst Dialogzeit, Achtsamkeitstraining und Training für Prozess- und Dialogbegleitung. „In der Leadership.Werkstatt begleiten wir Organisationen beim Implementieren von dialogischen Strukturen und dem Entwickeln eines dialogischen Führungsstils. Das geht von Prozessbegleitung in der Organisation selbst bis zu Seminaren und einem Ausbildungsangebot mit mehreren Modulen, worin Führungskräfte und Organisationsentwickler sich im dialogischen Führen entwickeln können.“

 

Individuum und Unternehmen

Laut Kurt Mayer, Geschäftsführer der Integrated Consulting Group, konzentriert sich dialogisches Führen auf zwei zentrale Leitideen. „Einerseits steht das Individuum im Zentrum, das in seinen besonderen Fähigkeiten angesprochen und unterstützt wird und dem konsequent Verantwortung übertragen wird. Andererseits geht es um eine gewisse Form des Umgangs miteinander, der auf Wertschätzung und Respekt beruht und der auf der emotionalen und sozialen Ebene Sicherheit herstellt.“ Mayer ist überzeugt, dass Unternehmen gerade angesichts von Unsicherheiten und Komplexität, die allerorts steigen, mehr Kompetenz in Umsichtigkeit und Beweglichkeit brauchen. Deshalb plädiert er für das Implementieren des dialogischen Führens als Grundelement der Unternehmenskultur. Dialogsessions sind ein Teil des Seminarangebots zur agilen Transformation. Darüber hinaus sollen die Führungsentwicklungsprogramme den Kulturwandel befördern: „Weg von Silos, Mikromanagement und Hierarchiegläubigkeit hin zu einer Kultur der Eigenverantwortung, des Commitments und der gemeinsam getragenen Führung.“ In einem solchen Programm, das sich über einen Zeitraum von rund sechs bis zehn Monaten spannt, werden in den zentralen Handlungsfeldern von Führung Lern- und Reflexionsräume eröffnet, in denen neue Verhaltensweisen erprobt und ausgewertet werden können.

Dass direktive Führung in einer Zeit der Volatilität, Ungewissheit, Komplexität und Widersprüchlichkeit ungeeignet ist, meint auch Monika Herbstrith-Lappe, Geschäftsführerin des Management-Consulting-Unternehmens Impuls & Wirkung. „Ein dynamisches Umfeld braucht Wendigkeit. Diese kann man nur mit dialogischer Führung erzielen. Starre Strukturen sind viel zu träge und brechen in den Strömungen der Wirtschaft.“

 

Autorität ohne Hierarchie

Wie man die notwendige Eigenverantwortlichkeit stärkt, vermittelt Herbstrith-Lappe in Vorträgen und Seminaren, beispielsweise unter dem Titel „Führen ohne disziplinarische Verantwortung“. „Laterale Führung geht nur dialogisch“, sagt sie. Sie lehrt Führungskräfte, wie sie Akzeptanz und Autorität gewinnen, ohne Vorgesetzte zu sein. „So wie Muskeln am Widerstand wachsen, sorgt dialogische Führung dafür, dass sich Mitarbeiter durch das Meistern von Herausforderungen weiterentwickeln“, ergänzt Herbstrith-Lappe.

Dialogisches Führen vor dem Hintergrund systemischen Denkens lasse sich in einer materialistisch bis egozentrisch orientierten Welt schwer vermitteln, weiß Hermine Stäcker. Deshalb hat die Organisationsberaterin das Format D.I.A.L.O.G. entwickelt: „Dieses Akronym enthält jene inneren Ressourcenzustände, die den Dialog beschreiben.“ D steht für Dienen, und zwar dem Bewusstsein, dass es bei allen Unterschiedlichkeiten eine gemeinsame Zielrichtung gibt. Die weiteren Buchstaben stehen für Interesse, Achtsamkeit, Lernbereitschaft, Offenheit, und (gemeinsames) Generieren. Dazu bietet die Unternehmensberatung Stäcker-OPEK aus Bad Gams eine fünfteilige Seminarreihe, DiFA – Dialog im Führungsalltag, an. Darin geht es um Themen wie das Entwickeln von Führungskongruenz, das Erkennen von Kommunikationsfallen und das Aufheben von Alltagsautomatismen. „Dialogisches Führen ist nicht geeignet, um Macht auszuüben oder um zu manipulieren. Hier dürfen wir, egal in welcher Disziplin wir uns bewegen, auf unsere Spiegelneuronen vertrauen, die sofort ,checken‘, ob es jemand echt meint oder eben nicht“, ergänzt Stäcker.

Web: www.leadershipwerkstatt.at

 

www.dialogakademie.eu, www.impuls.at

 

www.staecker-opek.com

 

www.integratedconsulting.at