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Russland: Opposition zeigt sich einig bei Nemzow-Gedenken

Moskau: Gedenken an die Ermordung Nemzovs im Jahr 2015.
Moskau: Gedenken an die Ermordung Nemzovs im Jahr 2015.(c) APA/HERWIG G. HÖLLER

Im Zentrum Moskaus erinnerten mehrere Tausend Menschen an den vor drei Jahren ermordeten Politiker.

In seltener Einigkeit zeigte sich die russische Opposition auf dem gestrigen Gedenkmarsch für den vor drei Jahren ermordeten Oppositionspolitiker Boris Nemzow. Neben mehreren Tausend Moskauer Bürgern beteiligten sich die Präsidentschaftskandidaten Ksenia Sobtschak und Grigorij Jawlinskij, der nicht zugelassene Bewerber Alexej Nawalny sowie der Kreml-kritische Moskauer Bezirkspolitiker Ilija Jaschin an der Kundgebung. Die Teilnehmer skandierten Sprüche wie „Helden sterben nicht“ und „Russland wird frei sein“. Die Demonstration im Zentrum Moskaus war von den Behörden gestattet worden, allerdings wurde der Verkehr weiträumig umgeleitet. Der komplette Demonstrationszug musste hinter einem Wall an Tretgittern laufen und wurde von Hunderten Polizisten und Ordnern bewacht. Im ganzen Land fanden in mehreren Städten Meetings zur Erinnerung an den nachts auf einer Brücke nahe dem Kreml am 27. Februar 2015 erschossenen Politiker statt.
Auch die in knapp drei Wochen stattfindenden Präsidentenwahlen waren thematisch präsent. „Wir protestieren für politische Reformen“, erklärte der Politiker Ilija Jaschin. „Für die Veränderbarkeit der Macht.“

Erinnerungstafel am Haus

Drei Jahre nach dem Tod kämpfen Aktivisten noch immer für das Andenken an den kurzzeitigen früheren Vizeregierungschef. Am Ort seiner Ermordung organisieren Freiwillige bis auf den heutigen Tag eine Wache. Gestern legten dort Hunderte Blumen nieder. Die Forderung nach der Umbenennung der Brücke in „Nemzow-Brücke“ wurde bisher nicht erfüllt. Künftig soll aber eine Erinnerungsplakette am einstigen Wohnhaus Nemzows angebracht werden.
Die Teilnehmer des gestrigen Marschs kritisierten auch die behördlichen Ermittlungen als nicht weitreichend genug. Die Ermittler gehen von einem Auftragsmord aus. Fünf Männer aus der Teilrepublik Tschetschenien im Nordkaukasus wurden 2017 zu hohen Haftstrafen verurteilt.
Angehörige und Kritiker bemängeln jedoch, dass die Hintermänner noch unbekannt sind. „Wer ist der Auftraggeber?“, war gestern auf einem Transparent zu lesen. Beantwortet haben die Behörden diese Frage bisher nicht.