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Die vierte Gewalt mit Linksdrall: Erst der ORF, dann "Der Standard"

Sind Legislative, Exekutive und das Justizwesen den Medien unterlegen, was ihre Macht betrifft?

Man nennt sie die vierte Gewalt – nach Legislative, Exekutive und Justiz: die Medien. Sie sind mächtiger als in anderen Ländern, so sieht es jedenfalls aus. Ich bin Journalist, war Zeit meines Lebens einer und werde es, so Gott will, noch bleiben, bis ich nicht mehr arbeiten kann. Diese Arbeit führt dazu, dass ich weiß, wovon ich rede – und fast mehr noch, wovon ich schreibe.

Die Journalisten und vor allem auch die Journalistinnen wissen es allesamt auch. Der Journalismus ist nicht nur die vierte Gewalt in Österreich, er ist auch mächtiger als die übrigen drei. Wenn die Medien nicht mitspielen, tappen Legislative, Exekutive und die Justiz im Nebel.

Freilich drängt sich in diesem Zusammenhang die Frage auf, warum der Journalismus in der Mehrzahl der Fälle ein linker ist, mit ein paar grünen Einsprengseln. Ich bin nicht links, sondern konservativ – nicht rechtskonservativ und schon gar nicht rechtsextrem, sondern das, was man „konservativ“ im besten Sinne nennen kann. Ich übersetze es mit „bewahrend“. Das hat vielleicht etwas mit meiner Mutter, einer Halbjüdin, zu tun. Dieser Zweig meiner Familie hat das Bewahren von allem Anfang an mitbekommen.

Dieser Teil meiner Beichte soll erklären, warum der Konservativismus mir nahesteht, genauso wie die Religion, die ich um nichts in der Welt aufgeben oder auch nicht ändern möchte. Das ist nicht zuletzt in Anbetracht der dräuenden Flut gesagt, die Allah unserem lieben Gott gleichsetzen möchte, bis er ihn übertrifft. Dann werden alle weiblichen Wesen eng geknüpfte Kopftücher tragen und die Männer Bärte. Gott, nicht Allah, sei vor.


Das alles aber erläutert nicht, warum es in den heimischen Medien den erwähnten Linkskurs gibt, der immer auffallender zu sein scheint. Als Mann, der fast zwanzig Jahre lang Chefredakteur dieser Zeitung gewesen ist und nun seit geraumer Zeit regelmäßig noch immer eine Kolumne veröffentlicht, die unter dem Titel „Merk's Wien“ vieles beschreibt, was nicht nur mir auffällt, sondern aufgrund dessen, was ich aus der zahlreichen Leserpost erfahre, auch dem Publikum – als dem Mann demnach, der in der Lage ist, seine Eindrücke zu publizieren, bin ich stolz auf meine „Presse“. Sie unterscheidet sich in der Aufmachung und vor allem im Inhalt vom zweiten Wiener Qualitätsblatt, dem „Standard“, und in der Färbung, die nicht nur das Papier betrifft. Es ist immer linker geworden.

Warum Alexandra Föderl-Schmid, die Chefredakteurin, die Zeitung verlassen hat, ist nicht zur Gänze begründet worden. Sie wurde durch einen Kollegen ersetzt, der vorher bei einer deutschen Zeitung tätig war. Aber er führt den „Standard“ weiter auf einem strikten Anti-ÖVP-Kurs. Warum eigentlich? Journalistische Hilfe leistet ihm Hans Rauscher, den ich geschätzt habe, als er noch unabhängig war. Heute trieft fast jeder Kommentar aus seiner Feder von Bedauern, dass Sebastian Kurz und nicht mehr Christian Kern in der österreichischen Politik den Ton angibt.

Meine „Presse“, in edlem Wettstreit (oder unedlem?) mit dem „Standard“ befangen, hört nicht auf, um jene Menschen zu Lesern zu machen, die noch nicht der Elektronik des Medienmarkts erlegen sind. Der ORF hat seinen Linksruck schon hinter sich gebracht. Viel schlechter kann er nicht werden. „Der Standard“ ist offenbar der nächste. Schade um ihn!

Der Autor war langjähriger Chefredakteur und Herausgeber der „Presse“.
E-Mails an: thomas.chorherr@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.02.2018)