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Verdichtet bauen: Viel Platz auf wenig Grund

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Bei Reihen- und Doppelhäusern geht man neue Wege, die sich nicht selten auf alte Weisheiten berufen. Vom Wohnen wie im Dorf von früher.

Grund und Boden ist knapp, sehr knapp. Und zwar mittlerweile nicht nur in der Stadt. Selbst in den Umlandgemeinden Wiens sieht man sich vielerorts mit Platznot konfrontiert. „In Gießhübl etwa geht man derzeit dazu über, Einfamilienhauswidmungen wieder umzuwandeln“, nennt Robert Korab, der in Wien ein technisches Büro für Städtebau und Raumplanung betreibt, ein Beispiel.

Zu verschwenderisch wurde in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten mit dem Platz umgegangen – nicht zuletzt, wenn Wohnraum geschaffen wurde. In den allermeisten Fällen bauten Herr und Frau Österreicher freistehende, individuelle Einfamilienhäuser. Und das erweist sich nun als problematisch. Die Häuser seien „sowohl in Bezug auf die Raumvergeudung – sie benötigen mindestens 400 bis 500 Quadratmeter Fläche – als auch auf die enormen Erschließungskosten hin als ökologisch und ökonomisch nicht mehr tragbar“, sagt Architekt Carl Pruscha.

 

Vorbilder aus der Vergangenheit

Auch Korab ist überzeugt, dass in Zukunft in dieser Hinsicht ökonomischer gedacht wird. „Mit Wohnbauten, die gut geplant sind, kommt man der Wohndichte eines städtischen Viertels schon sehr nahe.“ Verdichtung, so lautet also die Devise – gefragt sind bei diesem Ansatz Konzepte, die einerseits helfen, wertvolle Fläche zu sparen, andererseits aber den Nutzern ein Wohngefühl wie im Eigenheim abseits riesiger Anlagen geben. „Und da gibt es verschiedene Spielräume“, sagt Korab.

Ein verdichteter Flachbau ist mehr als das übliche Doppel- oder Reihenhaus. „Man baut zum Beispiel ein Haus mit zwei Geschoßen und darüber eine Wohnung“, erzählt Ernst Kovacs, Bereichsleiter für die Projektentwicklung Österreich bei der Raiffeisen evolution. Otto Kauf, Geschäftsführer des Bauträgers Flair, hält sich ebenfalls nicht an gängige Reihenhausmodelle: In seinen Projekten, etwa dem Flair Village, gibt es Einzelhäuser mit Garten, Stadtvillen mit Dachterrasse oder Garten-, Terrassen- oder Dachwohnungen. Locker verteilt werden die über 50 Einheiten auf 6400 Quadratmeter Fläche, die Anordnung erinnert ein wenig an Dörfer von früher.

Kein Wunder, denn Anregungen für diese Form des Bauens finden Planer und Bauträger unter anderem in der Vergangenheit. „Wir haben uns an alten Dörfern und Städten orientiert“, sagt Kauf. „Auch dort gab es nicht viel Platz – aber was vorhanden war, wurde optimal genutzt.“ Damals habe man es sehr gut verstanden, auch auf wenig Raum unglaublich attraktive Plätze zu schaffen, sich beispielsweise Gärten in die Innenhöfe und auf die Terrassen zu holen. In diesem Zusammenhang sehr wichtig: die Größe der Anlagen bewusst klein halten. Beim Flair-Projekt etwa gibt es 54 Einheiten, „die man aber nicht so erlebt“, meint Kauf. Korab hält eine Beschränkung der Zahl der Einheiten in einem Bau ebenfalls für ausschlaggebend: „Es will doch keiner in einer Kiste sitzen, in der es 300 und mehr Wohnungen gibt.“

 

Rund um einen Innenhof

Das „Zurückgreifen auf bewährte Errungenschaften aus der Vergangenheit“ ist auch für Architekt Pruscha ein Motiv bei seinen Arbeiten zum verdichteten Bauen. Er will für die Zukunft tauglich machen und sieht darin „ein Zeichen von Kultur.“

Wie das aussehen könnte: Bei seiner Idee des „quadranglehousing“ mit Hofhäusern bezieht er sich auf ein seit der Antike bekanntes städtebauliches Prinzip. Flächen werden L-förmig bebaut, es entstehen quadratische, von außen uneinsehbare Innenhöfe, zu denen die privaten Räume ausgerichtet sind. So soll bei minimaler Grundstücksgröße ein Maximum an Wohnnutzflächen entstehen. Hoch hinaus statt in die Länge gezogen: Im Gegensatz zur zur klassischen, linearen Reihenhausanlage orientiert sich das Konzept nach oben, gegliedert in drei Wohn- und Arbeitsebenen – abgeschlossen werden die Bauten von einer Dachterrasse. Konzept und Pläne für die „quadrangles“ sind fertig, jetzt sucht man Unternehmen in Österreich, aber auch anderswo, die diese Idee umsetzen wollen. Es stehen dabei drei Prototypen zur Verfügung, die zu unterschiedlich großen und strukturierten Wohnquartieren kombiniert werden können.

 

Wie gewachsen

In Sachen Kombination gibt Harald Greger, Geschäftsführer des Aluminium-Fenster-Instituts, zu bedenken: „Solche Anlagen sollten wie ,gewachsen' wirken.“ Denn schließlich hätten sich auch die Dörfer von früher nicht auf dem Reißbrett entwickelt. Und wenn man die Vergangenheit als Vorbild nimmt, dann sollte man ruhig ein wenig weiter zurückblicken: „Reihenhäuser hinzustellen, mit kleinen Fenstern, kleinen Terrassen, kleinen Gärten wie vor 20 Jahren, das ist sicher nicht mehr interessant.“
www.raiffeisenevolution.com
www.raum-komm.at www.flair.co.at
www.quadranglehousing.net
www.alufenster.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.02.2010)