Merkels Ministerliste: Wie die Kanzlerin ihre Kritiker ruhig stellt

Merkel, Spahn
APA/dpa/Ralf Hirschberger

Ein prominenter Merkel-Kritiker, eine erfüllte Frauenquote und mehrere "junge Gesichter": Die Kanzlerin geht mit der Ministerliste auf ihre Kritiker zu. Ein Überblick über die designierten CDU-Ressortchefs.

Mit ihrer CDU-Ministerliste hat Angela Merkel zumindest ein paar schwierige Aufgaben gelöst. Das "Handelsblatt" wähnte gar ein "machtpolitisches Meisterstück". Merkels schärfster Widersacher wird Minister, was die konservativen und wirtschaftsliberalen Kritiker besänftigt. Drei der sechs CDU-Ressorts führen Frauen. So wie es die Kanzlerin versprochen hatte. Und es gibt auch die angekündigte Blutauffrischung am Kabinettstisch. Bisher war Hermann Gröhe, 57, das Küken in der CSU-Ministerriege. Künftig sind vier der sechs Minister unter 50 Jahren alt. Ein Überblick über das Team Merkel.

Peter Altmaier, Wirtschaftsminister

Er ist der engste Vertraute der Kanzlerin in der Ministerriege, ihre „Ein-Mann-Armee“ (Tageszeitung "Die Welt“). Der 59-Jährige Bonvivant aus dem Saarland ist immer dort, wo es gerade brennt: Als die Flüchtlingskrise der Regierung über den Kopf wuchs, wanderten die Agenden zu Altmaier, dem Kanzeramtsminister. Als die CDU im Frühjahr 2017 ein Wahlprogramm brauchte, schrieb es nicht der Generalsekretär sondern - Altmaier. Für Merkel ist der 59-Jährige eigentlich unverzichtbar. Trotzdem gibt es immer wieder Spekulationen, Altmaier, ein freigestellter EU-Beamter, könnte eines Tages als EU-Kommissar nach Brüssel zurückkehren. Dann wäre am Berliner Kabinettstisch ein Platz für seine saarländische Landsfrau Annegret Kramp-Karrenbauer frei. Denn zwei Saarländer in der CDU-Ministerriege sind einer zu viel.

Jens Spahn, Gesundheitsminister

Merkel belohnt Querdenker eher nicht. Am konservativen Hoffnungsträger Jens Spahn kam sie aber nicht mehr vorbei. Wenn die Junge Union und der wirtschaftsliberale Flügel in den vergangenen Wochen eine personelle Neuaufstellung verlangten, dann hieß das in der Übersetzung: Spahn soll Minister werden. Der 37-jährige Münsterländer,verheiratet mit einem Journalisten, erhält nun das Gesundheitsressort. Das macht Sinn. Spahn profilierte sich einst als junger Gesundheitspolitiker, bevor er Finanzstaatssekretär wurde und später – im Gleichklang mit seinem österreichischen Freund Sebastian Kurz – die Angst vor dem kulturellen Identitätsverlust und den politischen Islam als Leibthemen entdeckte. Für lange Einlassungen zur Flüchtlingspolitik bleibt ihm künftig wenig Zeit. Das Gesundheitsministerium ist ein mächtiges Ressort, in dem sich die Probleme häufen – vom sogenannten Pflegenotstand bis hin zum nur aufgeschobenen Streit über die von der SPD monierte „Zwei-Klassen-Medizin“, die es nach Lesart der CDU aber freilich nicht gibt.

Kanzleramtsminister Helge Braun

Wer wirklich wichtig ist im Merkelversum, hält sich zurück. Der Preis der Macht sozusagen. Das gilt zum Beispiel für Beate Baumann, die ewige Büroleiterin Angela Merkels, deren Einfluss kaum zu überschätzen ist - und ein bisschen auch für Helge Braun. Der 45-jährigte Anästhesie-Arzt scheut die Öffentlichkeit, stieg aber hinter den Kulissen zu einem der wichtigsten Vertrauten der Kanzlerin auf. Im Namen Merkels stellte der bisherige Staatsminister im Kanzleramt wichtige Weichen und erspürte die Stimmung in der Öffentlichkeit. Der Kanzlerin gefiel, was Braun tat. Nun hievte sie den stillen und loyalen Merkelianer an die Spitze des Kanzleramtsministerium, an eine Schaltstelle der Macht.

Bildungsministerin Anja Karliczek

Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, weshalb sich auf Merkels Ministerliste auch immer ein Überraschungskandidat findet. Diesmal fällt diese Rolle Anja Karliczek zu. CDU-intern ist die 47-Jährige als parlamentarische Geschäftsführerin der Unionsfraktion zwar keine Unbekannte, die breite Öffentlichkeit musste den Namen aber wohl  zunächst "googeln“. Karliczek entstammt einer Hoteliersfamile in Nordrhein-Westfalen, deren Erbe sie fortführt: Gemeinsam mit ihren Geschwistern betreibt sie das Hotel Teutoburger Wald. Mit der Bildungspolitik gibt es bisher aber nur einen Berührungspunkt: Karliczek, dreifache Mutter, war Ausbildnerin im Familienbetrieb.

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen

Ursula von der Leyen ist gelungen, was weder Wolfgang Schäuble noch Thomas de Maizière geschafft haben: Als einzige Ministerin seit Anbeginn der Ära Merkel behält sie ihren Platz am Kabinettstisch. Nach Familien- und Arbeitsministerium soll sie nun zum zweiten Mal in Folge das schwierige Verteidigungsministerium führen. Die Bundeswehr ist ein Sanierungsfall, wie Personal- und Materialmangel belegen. Und die Stimmung ist vergiftet, seit von der Leyen, intern als "Eisprinzessin" verschmäht, der Truppe pauschal ein „Haltungsproblem“ unterstellt hatte. Es ist fraglich, ob sich die siebenfache Mutter in dieser Rolle für höhere Weihen empfehlen kann.

Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner

Die Winzertochter und ehemalige Weinkönigin kehrt ins Landwirtschaftsministerium zurück, indem sie schon von 2009 bis 2011 als Staatssekretärin engagiert war  Die 45-Jährige ist an der CDU-Basis beliebt, weshalb ihr trotz zweier Wahlpleiten in ihrer Heimat Rheinland-Pfalz noch immer Außenseiterchancen auf Merkels Nachfolge eingeräumt werden.

 

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