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Hundeführerschein: Kampfhund? Je nach Bundesland

(c) Clemens Fabry
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Bewilligung, Ausbildung, Verbote: In Österreich gibt es keine einheitlichen Regeln, wie mit potenziell gefährlichen Hunden umzugehen ist. Das niederösterreichische Hundehaltegesetz etwa kennt den Begriff "Kampfhund" nicht.

WIEN (eko/APA). Was ist ein Kampfhund? Anders gefragt: Gibt es überhaupt Kampfhunde? Die Antwort auf diese Frage wird unterschiedlich ausfallen, je nachdem, in welchem Bundesland man sich befindet. Denn die Regeln der Hundehaltung liegen in der Kompetenz der Bundesländer – entsprechend groß ist die föderalistische Vielfalt.

Den Begriff „Kampfhund“ kennt das niederösterreichische Hundehaltegesetz nicht. Allerdings ist die Rede von Hunden mit „erhöhtem Gefährdungspotenzial“. Darunter fallen Bullterrier, American Staffordshire Terrier, Staffordshire Terrier, Dogo Argentino, Rottweiler, Tosa Inu und Bandog (dies ist übrigens keine eigene Rasse, sondern bezeichnet entweder einen Kettenhund oder eine Kreuzung großer Hunde). Halter dieser – oder anderer auffällig gewordener – Tiere müssen ihre Sachkenntnisse in Form eines Hundeführscheins nachweisen. Außerdem wird für diese Rassen eine höhere Hundesteuer eingehoben. Diese Regeln gelten seit 1. Jänner, die Verschärfung wurde beschlossen, nachdem im November ein einjähriges Mädchen in Folge einer Rottweilerattacke gestorben war.

Eine ähnliche Regelung könnte auch in Wien bald gelten – dann nämlich, wenn die Bevölkerung bei der Volksbefragung von 11. bis 13. Februar für einen „verpflichtenden Hundeführschein“ für „sogenannte Kampfhunde“ stimmt. Darunter fallen Rottweiler, Pitbullterrier, Bullterrier, Staffordshire Bullterrier, American Staffordshire Terrier, Mastino Napoletano, Mastin Espanol, Fila Brasileiro, Argentinischer Mastiff, Mastiff, Bullmastiff, Tosa Inu und Dogo Argentino.

Schon seit 1992 hat man in Vorarlberg ein Dutzend Rassen bzw. Kreuzungen unter Bewilligungspflicht gestellt. Inwieweit die Meldepflicht eingehalten wird, hänge allerdings vom Umgang der einzelnen Gemeinden mit dem Thema ab, so Landesveterinär Erik Schmid. Er spricht in diesem Zusammenhang von „totem Recht“.

Die Gemeinden sind es auch, die im Burgenland das Sagen haben. Sie können eine Leinen- und Maulkorbpflicht verordnen. Eine Einteilung nach Hunderassen will man nicht treffen. Unabhängig von der Rasse des Tieres wird in Oberösterreich mit Hundebesitzern umgegangen: Für alle Hunde ist seit 2006 ein Sachkundenachweis erforderlich, der in einem zweistündigen Kurs erworben werden muss. Eine ähnliche Regelung ist auch in der Steiermark geplant. Angehende Hundebesitzer sollen in einem Gespräch mit Experten über Pflichten, Rechte und Aufgaben aufgeklärt werden. Bis zum Sommer soll es einen Beschluss über die neue Verordnung geben. Klar ist nur: Sie soll alle angehenden Hundebesitzer betreffen.

Auf Einzelfallbetrachtung schwört man in Tirol – hier müssen künftig nur dann Hunde einem Amtstierarzt vorgeführt werden, wenn sie einen Menschen verletzt oder gefährdet haben. Bisher war das erst notwendig, wenn ein Hund zubiss. Ähnlich in Salzburg, wo Besitzern auffällig gewordener Hunde Auflagen wie Maulkorbpflicht oder Erhöhen des Zauns erteilt werden können.

In Kärnten schließlich kennt man weder ein Verbot der Haltung noch einen verpflichtenden „Führschein“ für sogenannte Kampfhunde – auch wenn die Forderung danach in regelmäßigen Abständen gestellt wird.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.02.2010)