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Öffentlicher Raum: Bücher geben, Bücher nehmen

(c) AP (Michael Probst)
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Im 7. Bezirk steht seit Freitag Wiens erster „Offener Bücherschrank“.

Man kann Bücher reinstellen oder eines mitnehmen, muss sich nirgends anmelden, nichts zahlen und auch sonst keine Regeln beachten. Es ist einfach ein Bücherregal, bei dem man sich bedienen kann – nur, dass dieses Bücherregal mitten auf der Straße steht. Genauer gesagt: auf einem verbreiterten Stück Gehsteig (Platz wäre zu viel gesagt) an der Ecke Zieglergasse/Westbahnstraße im 7. Wiener Bezirk.

Neu ist die Idee des „Offenen Bücherschranks“ dabei gar nicht, betont der Initiator, der Künstler Frank Gassner. Vor allem in Deutschland – in Berlin, Hannover oder Bonn – gebe es bereits einige der öffentlichen Regale, die durch ein schlichtes Geben und Nehmen funktionieren. Gassner hat das Konzept nun nach Wien gebracht. Weil er meint, dass der Öffentliche Raum zu kommerzlastig sei. „Es gibt nichts, das nicht mit Geld zu tun hätte.“

Kann das funktionieren, oder ist der schräg gebaute Kasten („so stehen die Bücher gerade, die Türen fallen zu und oben sammelt sich kein Wasser an“) in Kürze leer, weil alle nehmen, aber niemand etwas bringt? Gassner rechnet da eher mit dem Gegenteil: „Noch bevor der Kasten eröffnet war, haben sich schon die Bücher hier gestapelt. Ich hoffe eher, dass sich genügend Leute etwas mitnehmen.“

 

Paten gesucht

Sorge, dass die Leute hier nur ihren „Bücherschrott“ abladen könnten, hat Gassner jedenfalls nicht: „Sonst hätte ich einen Altpapiercontainer aufgestellt.“ Dass hie und da tatsächlich Altpapier oder anderes im Bücherschrank landen könnte, damit rechnet er dennoch. Weshalb er Paten sucht, die in der Umgebung wohnen und die regelmäßig vorbeischauen, um im Kasten nach dem Rechten zu sehen und neue Bücher mit dem charakteristischen Aufkleber zu kennzeichnen.

Genehmigt ist das Projekt vorerst bis 11. Juni. Kommt es gut an, könnte es auch zur Dauereinrichtung werden, hofft Gassner. Sofern das mit dem Gleichgewicht aus Geben und Nehmen klappt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.02.2010)