Winterspiele in Vancouver

Für die einen ist er ungeheuer wichtig, die anderen ignorieren, verachten oder belächeln ihn. Ganz oder gar nicht, dazwischen gibt es nichts. Der Umgang einer Gesellschaft mit dem Sport sagt auch viel über die Gesellschaft selbst aus. Eine Besinnung anlässlich der Winterspiele in Vancouver.

Am Freitag beginnen die Olympischen Winterspiele in Vancouver, und wo immer man hierzulande darauf zu sprechen kommt, scheinen sich bei der Veranstaltung die Geister zu scheiden. Die einen fiebern mit den Athleten mit, sind am Sport mehr als nur interessiert. Die anderen wünschten sich, die Uhr gleich um drei Wochen vorstellen zu können, damit der Spuk, der Unsinn, endlich vorüber ist. Eigentlich hat diese Polarisierung nichts mit den Winterspielen zu tun. Sie ist symptomatisch. Bei jedem noch so unbedeutenden Thema ist zwischen Schwarz und Weiß noch ein bisschen Platz für Grautöne. Selbst wenn's um einen Hundeführschein in Wien geht. Beim Sport wird die Debatte aber immer gleich absolut undifferenziert. Entweder – oder. Ganz oder gar nicht.

Dieser Umgang mit dem Sport hat nichts damit zu tun, dass die einen sportlich sind und die anderen nicht. Wenn es nur sportliche Sportfans gäbe, wären die Stadien ziemlich leer. Das Dilemma des Sports ist nicht der Sport an sich, sondern seine Darstellung und Interpretation. Es werden mit ihm leider nach wie vor die sogenannten niederen Instinkte bedient. Engstirniger Chauvinismus, unterschwelliger Faschismus – das schwingt alles mit. Der dumpfe Patriotismus ist der Sargnagel des Sports. Bei jedem Zipflbobrennen wird schon die Bundeshymne gespielt. Man sollte das Hymnengedudel bei Sportveranstaltungen abschaffen. Es wäre das Beste für den Sport. Es sind Spiele und kein Staatsakt. Das gilt auch für Olympia. Die Pervertierung des Sports und die Geiselnahme des Sportlers beginnt dort, wo es heißt: „Er tritt für sein Land an.“

Sport wird für viele Menschen unerträglich, wenn zu viel Geld oder zu viel Dummheit im Spiel ist. In der Regel schließt das eine das andere nicht aus. Tatsächlich ist der Ausdruck sich „blöd verdienen“ nirgends so angebracht wie im Sport. Explizit im Fußball. Und da geht es jetzt nicht um die paar Ronaldos, Ribérys oder Rooneys. Hier geht es um das Salär eines relativ talentfreien Durchschnittskickers in der heimischen Bundesliga.

Wer dem Sport etwas Gutes tun möchte, sollte ihn nicht mit Pathos und Geld zuschütten. Er sollte ihn als Teil der kulturellen Vielfalt einer Gesellschaft verstehen. Olympische Spiele sind nichts anderes als Festspiele. Ziemlich pompös, zugegeben. Aber letztendlich geht es um Unterhaltung. Es geht nicht um die Ehre, es geht nicht um nationale Gefühle. Es geht am Rande natürlich auch um die Frage, wer gewinnt. Und wenn es am Ende ein paar Österreicher sind, dann darf man sich auch darüber freuen. Aber man muss nicht.

gerhard.hofer@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.02.2010)

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