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Bucher und Petzner: Zwei wie Tag und Nacht

Petzner und Bucher
(c) Michaela Bruckberger
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Parteichef und Generalsekretär als ungewöhnliches Duo: Wie der dezente Wirtschaftsliberale Josef Bucher und der kreative Paradiesvogel Stefan Petzner das BZÖ nach dem "Putsch der Scheuch-Brüder" retten wollen.

Sie könnten unterschiedlicher nicht sein: Josef Bucher, dezent, korrekt, ein wirtschaftsliberaler Zahlenmensch. Stefan Petzner, der Paradiesvogel, emotional, kreativ, ständig unter Strom. Während Bucher jeden Montag pünktlich um 9 Uhr zum Jour fixe der BZÖ-Spitze in der Doblhoffgasse erscheint, taucht Petzner dort selten unter einer Stunde Verspätung auf. Dafür ist er derart nachtaktiv, dass er Funktionäre noch weit nach Mitternacht über die neuesten politischen Vorkommnisse und mögliche Strategien auf dem Laufenden hält.

Parteichef Bucher und Generalsekretär Petzner wollen das BZÖ retten. „Der Stefan ist ein strategisch denkender Kopf, sehr flott, nur manchmal ein bisschen zu ungestüm“, sagt Bucher über Petzner. „Der Seppi ist einer, der Für und Wider genau abwägt, ein Sympathieträger. In der Vergangenheit war er mir etwas zu ruhig und brav. Aber jetzt passt's“, sagt Petzner über Bucher.

Der „Putsch der Scheuch-Brüder“ habe ihn verändert, angriffiger gemacht, gibt Bucher zu. Am Nachmittag des 16. Dezember habe auch er nicht mehr so recht an eine Zukunft des BZÖ geglaubt. „Doch der aufmunternde Zuspruch war enorm“, erinnert sich Bucher. 5000 E-Mails seien eingegangen. Ob sie in Kärnten nun nicht dennoch als Feindbilder gelten? „Als Helden!“, kontert Bucher. „Zu 99 Prozent“ bekomme er Lob und Zustimmung.

Der Gründungsparteitag des Kärntner BZÖ vergangenen Samstag war jedenfalls ein Imageerfolg – inszeniert von Stefan Petzner. Zur Musik von „Avatar“ wurden die im BZÖ Verbliebenen als „Krieger des Lichts“ dargestellt, die Gebrüder Scheuch im Film „Der Verrat“ – zu den Klängen von „Highway to Hell“ – zuvor als Finsterlinge gebrandmarkt. Über 500 Anhänger waren nach St. Veit gekommen, „obwohl sich viele nicht getraut haben“, so Bucher. Aus Angst, von den „Spionen der FPK“ gesehen zu werden.

Auf dem FPK-Parteitag zwei Wochen davor hatte Petzner mit hochrotem Kopf und vor Zorn bebender Stimme vom Podium aus die Charakterlosigkeit der Überläufer gegeißelt. „Ich bin nur deshalb so laut geworden, weil die mir das Mikro abgedreht haben“, sagt Petzner heute. „Ganz entsetzlich“ sei die hasserfüllte Stimmung auf dem FPK-Parteitag gewesen, so Bucher. „Scheuch hat eben kein Gespür für richtig und falsch, für anständig und unanständig“, findet Petzner.

Allerdings: Wer sich selbst in eine (Post-)Haider-Partei begibt, sollte sich nicht wundern, wenn es ihm so ergeht wie nun Bucher und Petzner. Auch Heide Schmidt, Susanne Riess-Passer und viele andere können Ähnliches berichten. Jörg Haider stand den Gebrüdern Scheuch da wenig nach. „Aber so hat das der Jörg nie gemacht!“, wirft Bucher ein. Nach der BZÖ-Proklamation habe Haider sofort einen Parteitag einberufen, pflichtet Petzner bei.

Rechtsliberal. „Wir haben jetzt erst die richtige politische Spur gefunden“, meint Bucher. Man müsse vom rechtsliberalen Weg nun keinen Millimeter mehr abrücken, die „Kärntner Freunde“ hätten sich selbst aus dem Weg geräumt. „Bucher hat zweifellos die Chance, sich als Gegenbild zu den Scheuch-Brüdern zu profilieren“, glaubt auch SPÖ-Klubchef Josef Cap. Was er von Petzner hält? „Ein Emotionalbündel, dem man ansieht, dass er mehr im Solarium als im Parlament sitzt.“

Bei den steirischen Landtagswahlen im Herbst wird das BZÖ fix antreten, eine Kandidatur für die Hofburg-Wahl wird noch diskutiert. Im März wollen Bucher und Petzner das neue rechtsliberale Parteiprogramm auf einem Konvent absegnen lassen. Es verknüpft wirtschaftsliberale Ansätze mit ein wenig Law and Order und Heimatbewusstsein. „Wir sind gegen zügellose Einwanderung. Wer sich integriert, soll im Rahmen unseres Green-card-Modells aber bleiben dürfen“, präzisiert Petzner. Im Gegensatz zur FDP sei man auch gegen Atomkraftwerke. Und in der Ortstafelfrage liegt das Bucher-BZÖ gar auf einer Linie mit der Scheuch-FPK: Die alte Kreisky-Regelung – zweisprachige Tafeln ab einem Slowenenanteil von 25 Prozent – soll wieder Gültigkeit erlangen. „Im Sinne des sozialen Friedens.“

Mit seinen Nachfolgern zufrieden ist Ex-BZÖ-Obmann Peter Westenthaler: Bucher und Petzner würden sich trotz ihrer Unterschiedlichkeit gut ergänzen, „das ist ein wenig wie beim Duo Khol-Westenthaler“. Bucher sei souverän und ruhig, Petzner ein „Meister seines Fachs“, was Kampagnen und Inszenierung betreffe. FPÖ-Generalsekretär Harald Vilimsky sieht die beiden erwartungsgemäß kritischer: „Bucher ist eine Art uncharismatischer Grasser. Jemand, der kaum auffällt und 08/15-Politik macht. Petzner ist der fleischgewordene, unpolitische Lebensmensch, der nur seiner Nähe zu Haider wegen Politiker geworden ist.“

War er eigentlich immer schon so wirtschaftsliberal wie nun an Buchers Seite? „Zum nationalen Scheuch-Clan habe ich nie gehört“, sagt Petzner, „ich war schon immer beim eher liberalen Flügel.“ Bucher nickt. „So wenig Staat wie nötig, so viel Freiheit wie möglich“– da sind sich die beiden sonst so Unterschiedlichen einig.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.02.2010)