Oscar-Nacht: War's das dann mit #MeToo?

In diesem Jahr moderierte erneut Jimmy Kimmel die Gala. Warum eigetnlich?
In diesem Jahr moderierte erneut Jimmy Kimmel die Gala. Warum eigetnlich?(c) AFP

TV-Notiz Von aufregend oder politisch war die Oscar-Verleihung weit weg. Der unentschlossene Moderator Jimmy Kimmel versuchte sich an einem Jetski als Running Gag.

Wer von der MeToo-Debatte bereits genervt ist, wird sich freuen. Die 90. Verleihung der goldenen Statuetten verlief weitgehend ohne Angriffe, ohne Aufrufe, ohne Aufruhr. Und war sicher nicht das, was im Vorfeld viele darin sehen wollten: Der Höhepunkt der Thematisierung von Missbrauch und Diskriminierung in Hollywood.

Moderator Kimmel wirkte ein wenig unentschlossen, was das Thema betrifft. Er wolle gute Stimmung, sagte er zu Beginn, und machte dann seltsame Witze. Etwa über die Oscar-Statue. Es handle sich dabei um den respektiertesten Mann in Hollywood, denn: "Er hat seine Hände, wo man sie sieht, er sagt nichts Anrüchiges - und hat keinen Penis. Wir brauchen mehr von seiner Sorte." Naja.

Wenn man eine Rede als kraftvoll und politisch bezeichnen will, dann kann es nur die von Frances McDormand sein. Nachdem sie den Oscar als beste Hauptdarstellerin entgegengenommen hatte, sprach sie das versammelte Hollywood an. Sie wäre geehrt, sagte sie, wenn alle weiblichen Nominierten aufstehen würden, mit ihr stehen würden. Außerdem die Schauspielerinnen, die Autorinnen, die Produzentinnen, die Regisseurinnen, die Musikerinnen, die Designerinnen, etc. - bis sich ihre Stimme überschlug und wohl alle angesprochenen Frauen in dem Saal standen und applaudierten. McDormand: "Schaut euch um... wir alle haben Geschichten, die erzählt, und Projekte, die finanziert werden wollen!"

Gefühlt den gleichen Stellenwert wie #MeToo hatte bei der Gala ein Jetski im Wert von 17.999 Euro. Ihn versprach Kimmel dem Preisträger, der sich bei der Dankesrede am kürzesten fassen würde. Übrigens: Dass Kimmel auch in diesem Jahr wieder als Moderator angefragt worden war, hatte selbst ihn überrascht, wie er sagte.

Und was folgt nun der MeToo-Debatte in Hollywood? Offenbar ein Begriff, der viele der Themen in sich vereint, die in den vergangenen Jahren in Hollywood eine Rolle spielten: Das Zauberwort heißt Diversität. Dieses Wort wurde, obwohl ein wenig sperrig, bei der Verleihung häufig gebraucht. Und soll darauf aufmerksam machen, dass die Hollywoodindustrie die Positionen verschiedener Gruppen - seien es nun Schwarze, Frauen, Homosexuelle, Latinos – abbilden muss.