Erfolgreich ist, wer teilen kann

Heinz Gletzl Formdepot

Porträt. Kooperation funktioniere, wenn man das eigene Ego zurücknehme, sagt Heinz Glatzl, der mit dem Formdepot eine „Bühne für Handwerk, Architektur und Design“ geschaffen hat.

Es ist ein außergewöhnliches Konzept: Das Formdepot ist ein Zusammenschluss von Unternehmen, die ihren Kunden exklusive und individuelle Lösungen für Interieur, Boden, Fliesen, Möbel, Beleuchtung, Pool und Garten liefern. Die Idee dazu war Heinz Glatzl und seinem Compagnon, Joachim Mayr, gekommen, als sie für ihr ständig wachsendes Interieurbüro vor einigen Jahren einen neuen Standort in Wien suchten.

In der Abelegasse 10 im 16. Bezirk wurden sie schließlich fündig und luden 2015 elf Handwerks-, Planungs- und Designunternehmen ein, mit denen sie als Innenarchitektur- und Tischlereibüro Mayr & Glatzl seit Jahren zusammenarbeiteten. Es dauerte nur einige Wochen, ihre Partner von dieser Kooperation, Büros und Ausstellungsräume unter einem gemeinsamen Dach einzurichten, zu überzeugen.

Der Schlüssel, in einem Haus sowohl neben- als auch miteinander arbeiten zu können, liege in der Kommunikation, sagt Glatzl. Zumindest einmal im Quartal treffen sich alle Partner, um gemeinsame Themen zu besprechen – und auch voneinander zu lernen. Liegen besondere Projekte an, wie etwa der Formdepot-Salon von 9. bis 11. März (www.formdepot.at/salon), dann treffen sie sich öfter.

Zur Person

Heinz Glatzl (42) besuchte die HTL für Innenraumgestaltung und Möbelbau in Mödling und absolvierte später eine Hochbauausbildung. Mit dem Tischler Joachim Mayr gründete er im Jahr 2000 in Wien Mayr & Glatzl und 2015 das Formdepot. Dort arbeiten zwölf Partner aus diversen Interieur- und Handwerksbereichen neben- und miteinander. Beim Formdepot-Salon (8.–11. März) präsentieren sich 35 Marken aus Handwerk, Architektur und Design: formdepot.at/salon

"Innovation durch Kooperation"

Die Plattform werde von allen getragen, weil ja auch alle von ihr profitierten. Besonders jene, die abseits des Formdepots keine Repräsentanzen in Wien haben. Denn die Partner empfehlen sich untereinander weiter. Schließlich, sagt Glatzl, wollten Kunden nicht experimentieren und seien froh, wenn sie ein Netzwerk in Anspruch nehmen könnten. Auf der anderen Seite sei es allen Partnern wichtig, ihre Kunden nicht zu „vergewaltigen oder zu zwingen, mit Partnern aus dem Netzwerk zusammenzuarbeiten“.

„Innovation durch Kooperation“, fasst Glatzl zusammen, der sich und Mayr in der Rolle der Kuratoren und manchmal auch in jener der Coaches sieht. Dazu brauche es das Bemühen, das eigene Ego zurückzunehmen, sodass in dieser Gemeinschaft niemand untergeht. Und, sagt er, auch wenn alle unter dem namensgebenden Dach Formdepot auftreten, „die einzelnen Unternehmen wollen sich ihre Unabhängigkeit bewahren, weil sie ja auch für den Mitbewerb arbeiten.“

Daher sei es eine sensible Sache, neue Partner ins Formdepot zu holen. Kompetenzüberschneidungen wolle er vermeiden, sagt der 42-Jährige, schließlich hätte jedes der Unternehmen sein Alleinstellungsmerkmal.

Nur nicht gierig sein

Wenn es ums Kooperieren gehe, sei sein Credo: „Man darf nicht gierig sein, und man muss teilen können.“ Das gelte für jede Form der Partnerschaft.

Auch für jene mit Joachim Mayr. Die beiden hatten sich im Jahr 2000 kennengelernt, als in Lunz am See, Mayrs Heimatgemeinde, die Bibliothek neu gestaltet wurde und Mayr als Tischler und Glatzl als Interieurexperte zusammenarbeiteten.

Auf Anhieb erkannten die beiden den Sinn einer Zusammenarbeit: Glatzl, der in Mödling die HTL für Innenraumgestaltung und Möbelbau und später eine Hochbauausbildung absolviert hat, und Mayr, der aus einem Familienbetrieb stammt. Beide spürten sie den Drang, in die Selbstständigkeit zu gehen. Entscheidend ist für sie, die Dinge mit Begeisterung zu betreiben. Mit ihr komme das Business und mit ihm letztlich der Erfolg.

Begeisterung und Biss

Diese Begeisterung ist für Heinz Glatzl wie für Joachim Mayr ein wesentlicher Faktor bei der Auswahl ihrer Mitarbeiter. Was wollen sie wirklich erreichen? Und haben sie den nötigen Biss? Bei der Entscheidung verlassen sich Glatzl und Mayr auf ihr Gefühl. Schließlich, sagt Glatzl, „Mitarbeiter sind unser Schätze, wir wollen sie daher hüten.“ Daher versuche er das, was er von seinen Eltern mitbekommen habe, auch im Unternehmen zu leben. „Glaube an dich selbst“, und „Wir sind sicher, was du angehst, wirst du gut machen.“

Was er aber nicht möchte, sind sogenannte Superstars. Oder Mitarbeiter, die glauben, welche zu sein. „Wir sind als Team erfolgreich“, sagt Glatzl. Und dass der Teamgeist zähle, das bekomme er regelmäßig auch von seinen Kunden zurückgespiegelt.


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