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Kogler zu Glawischnig: "Dass es Novomatic ist, ist eine Überraschung"

ERWEITERTER BUNDESVORSTAND DIE GRUeNEN: KOGLER
Werner Kogler gab noch am Freitag bekannt, dass Ex-Grünen-Chefin Glawischnig ihre Mitgliedschaft zurücklegt.APA/HELMUT FOHRINGER
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Ex-Grünen-Chefin Eva Glawischnig sorgt mit ihrem Wechsel zur Novomatic für einen Knalleffekt und schockt die Partei. Aus der tritt sie jetzt aus.

Wien. Im Mai 2017 gab Eva Glawischnig die Führung der österreichischen Grünen ab. Dann wurde es ruhig um die Politikerin. Nun sorgt sie für einen der spektakulärsten Jobwechsel der jüngeren Geschichte: Glawischnig arbeitet ab sofort in einer Führungsposition bei Europas größtem Glücksspielkonzern – der Novomatic. Dort führt sie die Stabstelle für Nachhaltigkeitsmanagement und verantwortungsvolles Spiel.

So groß wie die Überraschung ist, die Glawischnig in der Öffentlichkeit auslöste, so enorm ist der Schock bei ihren – demnächst ehemaligen – grünen Parteikollegen. Glawischnig zog noch am Freitag, kurz nachdem ihr Engagement bei der Novomatic bekannt geworden war, die Konsequenz und kündigte ihren Parteiaustritt an. „Eva Glawischnig hat mir in einem Gespräch zugesichert, dass sie ihre Mitgliedschaft bei den Grünen zurücklegt“, sagte Grünen-Bundessprecher Werner Kogler.

Doch mit der Entscheidung habe er nicht gerechnet, meinte er am Freitagabend in der "ZiB2". "Dass sie beruflich einen Weg sucht, war mir schon bekannt, insofern bin ich nicht überrascht", meinte Kogler. "Dass es einen Einstieg ins Berufsleben gibt. Dass es Novomatic ist, (...) dass ist eine gewisse Überraschung."

In der Tat zählte die gebürtige Kärntnerin – so wie die Grünen generell – zu den schärfsten Kritikern des Glücksspiels im Allgemeinen und der Novomatic im Besonderen. Vor nicht einmal einem Jahr warf Glawischnig in einer ORF-Sendung „Im Zentrum“ dem Konzern Gesetzeskauf vor. Nicht nur einmal machte sich die Juristin, die vor ihrer Karriere bei den Grünen bei der Umweltorganisation Global 2000 arbeitete, für eine Verschärfung der Glücksspielregeln stark. Sie war auch für das generelle Automatenverbot in Wien.

Nicht nur Ja-Sager im Unternehmen

Heute sieht sie das anders – ganz im Sinne ihres neuen Arbeitgebers: „Wenn Glücksspiel strengen Regeln unterworfen ist, dann ist das vertretbar“, sagte sie am Freitag bei ihrer Vorstellung durch Novomatic-Boss Harald Neumann. Glücksspiel sei ein gesellschaftlicher Faktor – auch Spielsucht –, den man nicht ignorieren könne. Deshalb könne man dies aber „nicht wegverbieten“. Dennoch betonte sie: „Ich werde meinen kritischen Geist nicht aufgeben.“ Für Neumann ist das gut so: „Es ist wichtig für ein Unternehmen, nicht nur Ja-Sager zu haben.“

An der Novomatic hätten Glawischnig, die nach ihrem Ausscheiden aus der Politik die Industrie interessiert habe, mehrere Dinge gereizt: „Internationalität, Innovation und Hightech als gesellschaftliche Herausforderung.“ Als Leiterin der Stabstelle für Corporate Responsibility und Sustainability sehe sie sich auch als „Verbindungsfrau“ zur Politik. Sie werde ihre Beziehungen nützen – für die Novomatic sind sie Gold wert.

Der vom Milliardär Johann F. Graf gegründete Konzern, der mit 29.500 Mitarbeitern weltweit 270.000 Spielautomaten in eigenen und fremden Automatensalons und Spielbanken betreibt, hat sich immer schon Polit-Know-how ins Haus geholt: Der jetzige EU-Kommissar, Johannes Hahn, war Novomatic-Vorstand, der frühere SPÖ-Innenminister Karl Schlögl saß im Aufsichtsrat und Ex-SPÖ-Kanzler Alfred Gusenbauer fungierte als Berater. (eid)

>>> Interview in der ZiB 2.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.03.2018)