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Leitartikel

Evas Sündenfall

PK NOVOMATIC: GLAWISCHNIG
PK NOVOMATIC: GLAWISCHNIGAPA/HERBERT-PFARRHOFER
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Auch Ex-Politikerinnen haben ein Recht auf freie Jobwahl. Aber keines auf Naivität, wenn sie dabei Kollateralschäden für die eigene (Ex-)Partei in Kauf nehmen.

Eines vorweg: Eva Glawischnig darf alles. Jede(r) hat das Recht, sich den Job zu suchen, der einem gefällt. Auch Ex-Politikerinnen. Aber eines dürfen sie nicht: so tun, als wüssten sie nicht genau, dass es Folgen hat, wenn sie dabei in Opposition zu ihrem früheren Leben gehen. Nicht für sie, sondern für ihre Vergangenheit. Die (Ex-)Partei.

Genau diesen Eindruck vermittelte Eva Glawischnig, als sie ihren Jobantritt beim Glücksspielkonzern Novomatic verkündete. Sie tat so, als ginge es um eine private Entscheidung, bei der es null Kollateralschäden für die Grünen gibt. Das ist freilich Unsinn. Denn was sagt es über eine Partei, wenn ihre Chefin zu einem Konzern wechselt, den man jahrelang kritisiert hat? Dem Glawischnig selbst vor einem Jahr noch Gesetzeskauf unterstellt hat? Und dessen Bekämpfung zur Corporate Identity der Wiener Grünen gehört, deren Mitglied Glawischnig war?

Nun, es sagt, was keine Partei über sich hören will: nämlich, dass Politik ein Job wie jeder andere ist. Dass Werte mit Positionen wechseln. Und dass politische Überzeugungstäterschaft mitunter nur als hübsche Illusion für Wahltage taugt. Die Grünen trifft das empfindlicher als andere Parteien. Wer das Private als politisch versteht – ob es ums Essen oder Fortbewegen geht – und das auch von seinen Wählern erwartet, hat sich strenge Kritiker erzogen.

Das weiß auch Glawischnig. Zumindest zeugt das Interview in der „Kleinen Zeitung“ von einem Anflug von schlechtem Gewissen. Dort rechtfertigt sich die gebürtige Kärntnerin, warum sie ausgerechnet zwei Tage vor der Kärnten-Wahl, bei der der Rauswurf aus dem Landtag droht, die Novomatic-News bekannt gegeben hat. Sie habe ihren Jobantritt bereits für die Tirol- und Niederösterreich-Wahl verschoben, nun sei es halt nicht mehr gegangen. Im Gespräch mit oe24 meinte sie allerdings auch, dass es nur „eigentlich wichtig“ wäre, dass die Grünen im Kärntner Landtag vertreten sind. Klingt eigentlich nicht so, als ob sie das alles noch interessiert. Apropos interessant: Die Causa Glawischnig zeigt ein Parallele zwischen zwei Grün-Politikerinnen, die sonst wenig gemeinsam haben. Glawischnig und der Wiener Grünen-Chefin Maria Vassilakou. Auch Vassilakou haben das Herumdoktern an grünen Kernwerten und eine lässige „Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern“-Haltung interne Kritik eingebracht. Das Heumarkt-Bauprojekt und die ignorierte Basisabstimmung lassen sie nicht los. Wie Glawischnig wirkt auch sie enttäuscht von den eigenen Leuten, die – mit feinem Gespür für Schwäche – bereits ihre Nachfolge planen. Und so wie die Ex-Bundessprecherin zahlt sie den Preis für allzu lange Stille. Während des Van-der-Bellen-Wahlkampfs ist die Führung der Wiener Grünen eingeschlafen. Und nie wieder aufgewacht.

Dass Vassilakou sozusagen die Glawischnig macht und demnächst alles hinwirft, ist trotzdem nicht zu erwarten. Sie ist eher der Typ Michael Häupl und versucht jene, die sie absägen wollen, mit einem eigenen Kandidaten für ihre Nachfolge auszustechen. Noch lieber würde sie freilich bleiben. Aber um mit der neuen Nachhaltigkeitsmanagerin bei Novomatic zu sprechen: Wetten sollte sie darauf nicht.

ulrike.weiser@diepresse.com

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.03.2018)