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Geheimauftrag für Hollywood: Codename „Motherland“

Architektin Julia Körner lebt in Salzburg und Los Angeles.
Architektin Julia Körner lebt in Salzburg und Los Angeles.(c) Ger Ger
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Architektin Julia Körner hat sich auf 3-D-Druck spezialisiert – und damit etwa Kostüme für das Superheldenepos „Black Panther“ geschaffen.

Zusammenarbeit mit Designerin Iris van Herpen.(c) Michel Zoeter

Als Julia Körner den Auftrag bekam, wusste sie nicht viel: Es gehe um einen Film, es galt, Kostüme für die Königin einer fiktiven, superinnovativen afrikanischen Stadt zu schaffen – einer Stadt, in der nur die modernsten Technologien zur Anwendung kommen, was man auch der Kleidung ansehen sollte. Kostümdesignerin Ruth Carter, die in der Vergangenheit vor allem mit Spike Lee zusammengearbeitet hatte, war auf die Salzburgerin aufmerksam geworden. Codename der Produktion: „Motherland“.

Erst im Nachhinein, erinnert sich Körner, habe sie erfahren, dass es sich um Marvels „Black Panther“ handelt. Und um welche Dimensionen es geht, sei ihr erst vier Tage vor dem Kinostart gedämmert. Inzwischen ist „Black Panther“ einer der meistgesehenen Superheldenfilme überhaupt und gilt als popkulturelles Phänomen.

Die Salzburger Architektin und Spezialistin für 3-D-Druck hat darin etwa Queen Ramondas Zylinder realisiert – er basiert auf dem Kopfschmuck von Zulu-Frauen und verbindet dessen traditionelle Muster mit Computerästhetik. Auch das filigrane Schultercape der Königin entstand mit Hilfe von Computer und Drucker – die „New York Times“ widmete den Berichten eben einen ausführlichen Bericht.

Eine Zusammenarbeit wie jene mit Ruth Carter sei auch deshalb spannend, sagt Körner, weil die Kostümleute eines solchen Films keinen Background in Architektur oder Produktdesign hätten, Carter selbst hatte noch nie mit 3-D-Druck gearbeitet. „Man muss erst erklären, wie die Technologie funktioniert – und was möglich ist. Oft ist den Leuten gar nicht klar, wie unlimitiert die Möglichkeiten sind.“

Über London nach Los Angeles

Während des Telefonats mit der „Presse“ ist die Wahl-Kalifornierin gerade auf dem Weg von ihrem Zuhause in Playa des Rey im Westen der Stadt in ihr Studio nach Downtown Los Angeles. Dort teilt sie mit ihrem Partner, auch er Architekt, ein Loft in einem Gebäude aus den Zwanzigerjahren. Der nahe Fashion District sei „ein Paradies für Kreativschaffende, mit alten Hutmachern und Äquivalenten zum Salzburger Knopferlmayer“. Gut zehn Mal im Jahr ist Körner in Europa, ein Bezug, den sie nicht missen will.

Aus der Sporophyte Collection.(c) Ger Ger for SCHÖN

Als Enkelin eines Ingenieurs und Tochter eines Zeichenlehrers und einer Biologin in Salzburg aufgewachsen, hatte sie zunächst an der Wiener TU Architektur studiert, danach bei dem US-amerikanischen Architekten, Philosophen und Science-Fiction-Autor Greg Lynn an der Angewandten. Noch während des Studiums begann sie in London beim britischen Stardesigner Ross Lovegrove zu arbeiten (der einst für das MAK die Stadtleuchte Solar Tree entworfen hat), wirkte maßgeblich etwa an Leuchten wie Cosmic Leaf oder New Nature für Artemide mit (auch die hat sie zufällig in „Black Panther“ wiederentdeckt).

Nach einem weiteren Master-Titel von der Londoner Architectural Association wurde sie 2012 von Lynn an die University of California in Los Angeles geholt, wo sie seither Architektur unterrichtet. Schon vor zehn Jahren hatte sie begonnen, sich auf 3-D-Druck zu spezialisieren – um damit nicht nur Architektur-Modelle, sondern tatsächliche Produkte herzustellen – nicht zuletzt Mode: Von 2012 bis 2014 etwa entwickelte sie mit Designerin Iris van Herpen Kollektionen für die Pariser Haute-Couture-Schauen, 2015 für Marina Hoermanseder ein Korsett.

Daneben schuf sie mit ihrer eigenen, in Salzburg ansässigen Firma eine eigene Modekollektion, um zu testen, wie sich unterschiedliche 3-D-Druck-Materialien verhalten, die am Körper getragen werden sollen. Ursprünglich hart, würden die Materialien nach wie vor auf Plastik basieren, „aber durch offenes Design und Netzstrukturen kann man es angenehmer zum Anziehen machen“. Mit ihrer eigenen Arbeit möchte sie die Technik näher an den Ready-to-wear-Bereich rücken. Auch an wieder abbaubaren Materialien sei sie interessiert.

Für sie schließt sich damit auch ein Kreis. „Ich wollte immer schon Mode machen, über die Architektur habe ich jetzt zurückgefunden.“ Außerdem sei die Verbindung naheliegend, „weil Architekten das Computerdesign beherrschen, aber nicht nur wissen, wie man einen Code schreibt, sondern auch eine gewisse Designsensibilität mitbringen“. Am 19. April ist Körner für eine Diskussion im Rahmen des 150-Jahr-Jubiläums der Angewandten wieder in Wien. Und diese Woche geht sie noch einmal ins Kino.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.03.2018)