Die Dopingjäger haben in Vancouver bereits ihre Arbeit aufgenommen.
VANCOUVER/WIEN (wie-). Die Dopingkontrollore haben in Whistler Mountain nicht lange auf sich warten lassen. Gleich nach ihrer Ankunft wurden die deutschen Biathleten zur Kontrolle gebeten, dann folgte das russische Team. Die österreichischen Olympiaskijäger sind nach ihrem ersten Training im Olympic Park in Empfang genommen worden. Dominik Landertinger, der regierende Weltmeister, Christoph Sumann, Simon Eder und Daniel Mesotitsch, fix vorgesehen für den ersten Bewerb am Sonntag, wurden im Stadion an der Loipe abgefangen, Ersatzmann Fritz Pinter war später an der Reihe.
Österreichs Biathleten stehen in Vancouver nicht unter besonderer Beobachtung, Dopingkontrollen werden als Routine angesehen. „Für uns ist das kein Problem“, erklärt Trainer Reinhard Gösweiner. „Für uns ist das Alltag.“ Im Vorjahr wurde die rot-weiß-rote Mannschaft sogar dreimal binnen 24 Stunden kontrolliert. Auch im Olympiadorf lassen sich die Dopingkontrollore auffallend oft blicken, spezialisiert hat man sich nicht auf bestimmte Sportarten. So wurden etwa auch die beiden Rodler Daniel und Manuel Pfister höflich zu Tests gebeten.
In Vancouver wurde eigens ein neues Labor eingerichtet, geleitet wird es von Christiane Ayotte, der Direktorin des Antidopinglabors in Montreal. „Wir müssen denken wie ein Athlet“, behauptet sie. Einer ihrer Mitarbeiter gilt als Spezialist für EPO-Nachweismethoden, es handelt sich um den Österreicher Christian Reichel, Wissenschaftler in Seibersdorf.
„Ich kann nicht für alle Athleten die Hand ins Feuer legen – das macht man nur für seine Kinder“, hat ÖOC-Präsident Karl Stoss nicht nur in einem ORF-Interview gemeint, sondern auch in einem Gespräch mit der „Presse“.
Der Casinos-General kommt auch in der ZDF-Dokumentation „Mission Gold – Die Blutspur der Dopingbetrüger (Mittwoch, 23.15 Uhr) zu Wort. Aufgenommen wurde das Interview bereits vor zwei Monaten, aufgegriffen wurden dabei Spekulationen um eine mögliche Beteiligung deutscher Athleten in der Causa Humanplasma. „Wenn sie das Wort Humanplasma in den Mund genommen haben“, so sagte Stoss damals, „dann denke ich, dass auch eine ganze Menge deutscher Sportler da auf der Liste steht.“ Der ÖOC-Präsident nannte keine Namen und erklärte weiters: „Da sollte man nicht mit Steinen in Glashäuser werfen, wo man selbst drinnen sitzt. Da ist höchste Vorsicht angesagt, es ist ein trauriges Kapitel, das man gemeinsam aufzuarbeiten hat.“
("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.02.2010)