Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Premium
Feuilleton

Wann würde Alice Schwarzer Kopftuch tragen?

"Wie bei allen Fortschritten geht es auch beim feministischen Fortschritt bestenfalls zwei Schritte vor und einen zurück. Damit müssen wir leben", so Alice Schwarzer im Interview mit der "Presse".imago stock&people
  • Drucken

Die Vorkämpferin der Emanzipation im Interview: Über ihr neues Buch "Meine algerische Familie", High Heels in einem fundamentalistischen Land, ihre Radikalität von früher und Angela Merkel, die sich ihrer Meinung nach mit den falschen Muslimen solidarisiert.

Die Presse: Seit den Neunzigerjahren besuchen Sie regelmäßig die Familie einer muslimischen Freundin in Algerien. Daraus ist Ihr eben erschienenes Buch erwachsen, das Einblick in das Leben mehrerer Generationen gibt. Was hat die Familie zu diesem raffinierten Gruppenporträt gesagt?

Alice Schwarzer:
„Meine Familie“ ist eine sehr typische, algerische Familie: zwischen Tradition und Moderne. Die Großeltern waren noch Analphabeten, die Großmutter hat zwei ihrer Töchter noch zwangsverheiratet – und die Enkelinnen tragen im Urlaub im Ausland die höchsten High Heels und die kürzesten Miniröcke. Sie sind einerseits exemplarisch, andererseits sehr konkret. Das Buch zeigt sie ja auch auf zahlreichen Fotos. Darum habe ich meine Kollegin Djamila, die Deutsch kann, das Manuskript vorher lesen lassen. Sie hat grünes Licht gegeben. Meine gesamte Großfamilie konnte bis auf Weiteres nur die Fotos bestaunen.

Warum haben Sie das Buch geschrieben?

Ich wollte den Unterschied zwischen frommen Muslimen, wie es auch viele in meiner Familie sind, und fanatischen Islamisten zeigen. Und klarmachen, dass Algerien heute ein Schlüsselland ist, auch für Europa. Kippt diese autokratische Semidemokratie bei den Wahlen 2019 ins Chaos, kippt ganz Nordafrika – und dann schwappt die Welle direkt nach Europa.