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Fromme Wünsche im Gedenkjahr

Morgenglosse Viele Veranstaltungen anzukündigen reicht nicht. Eine Anmerkung zum Erinnerungsjahr anlässlich des „Anschlusses“ vor 80 Jahren.

Täuscht der Eindruck oder haben wir schon länger nichts von der Historikerkommission der FPÖ gehört? Man sollte es angehen, das Leben der Menschen, die als Zeitzeugen über die bewegten Jahre der österreichischen Geschichte befragt werden können, ist nicht unendlich lang. Man merkt das jetzt gerade, bei den Erinnerungsveranstaltungen zum „Anschluss“ an Hitler-Deutschland vor exakt 80 Jahren: Die Interviews, die wir mit den Leidtragenden dieser Jahre führen, werden aus biologischen Gründen bald nicht mehr möglich sein. Man muss sie jetzt befragen, das aufzeichnen, um es dem Vergessen zu entreißen. Es sind die Letzten, die berichten können. „Wenn man mit einem Zeitzeugen an eine Schule geht, sind 200 Kinder zwei Stunden lang still“, sagt Hannah Lessing vom Nationalfonds für die Opfer der NS-Zeit. Mit einem Zeitungsartikel wird man diesen Effekt in Zukunft nicht erreichen.

Zufrieden zeigt sich Heinz Fischer, der Koordinator des Gedenkjahres, bereits jetzt. Er hat schon eine positive Zwischenbilanz gezogen. Wir hoffen mit ihm. Offenbar hat er die Hunderten von Diskussionen und Ausstellungen im Blick, die angekündigt sind. Die Erfahrung zeigt aber, dass sich bei einem Overkill, wie es das 8er Jahr bietet, schon in nächster Zeit eine Erinnerungsjahrmüdigkeit einstellen wird und viele Veranstaltungen vor halbleeren Sälen stattfinden könnten.

Fischer zeigt sich zuversichtlich, dass Österreich bereits aus seiner Geschichte gelernt hat und ist optimistisch für die Zukunft. 1945 habe schließlich gezeigt, dass man aus den Fehlern der Ersten Republik gelernt habe. Ob das bestehende Parteiensystem eine kommende krisenhafte Zeitenwende im Gemeinschaftsgeist von 1945 überstehen würde, steht allerdings in den Sternen. Zunächst hoffen wir aber mit Fischer, dass nach dem positiv zu bewertenden Entschluss der FPÖ zu einer Aufarbeitung auch eine positiv zu bewertende Arbeit mit einem herzeigbaren Ergebnis geleistet wird. Das wäre schon etwas im Gedenkjahr 2018.