Italiens Präsident: "Foibe-Massaker nicht vergessen"

Italiens Präsident: "Foibe-Massaker nicht vergessen"
(c) EPA (Atef Safadi)

Appell des italienischen Staatschefs an Slowenien und Kroatien. Giorgio Napolitano stemmt sich gegen "diplomatische Verdrängung" rund um die Karsthöhlen-Massaker in Istrien.

Italiens Staatspräsident Giorgio Napolitano hat am Mittwoch der Opfer der Gräuel der "Foibe" gedacht. Mit "Foibe" sind die engen Schluchten und senkrechten Karsthöhlen in Istrien und Friaul-Julisch-Venetien gemeint, in die die jugoslawischen Partisanen Titos, denen es um die Annexion der zwischen 1943 und 1945 eroberten Gebiete ging, die Massaker-Leichen einiger tausend Italiener geworfen hatten. Bei einer Gedenkzeremonie zu Ehren der Foibe-Opfer im Quirinalpalast in Rom rief Napolitano Slowenien und Kroatien auf, dieses Kapitel der europäischen Geschichte nicht zu vergessen.

"Geschichte Italiens und Europas"

Napolitano versprach seinen Einsatz gegen "Formen diplomatischer Verdrängung", die die Vergangenheit belastet und den istrischen Flüchtlingen in Triest und ihren Angehörigen großes Leid zugefügt hätten. Der Präsident erklärte, er werde sich für die Bewältigung der noch offenen Probleme "in den Beziehungen zu den slowenischen und kroatischen Institutionen und Behörden einsetzen". Die Geschichte der Italiener in Istrien und der "Horror der Foibe" sei ein Kapitel der Kultur und der Geschichte Italiens und Europas, das als gemeinsames Erbe auch von Slowenien und Kroatien anerkannt werden sollte.

Die Toten in den "Foibe" waren nur zum Teil Faschisten. Die Massenmorde und Deportationen, aber auch private Racheakte, sind ein Kapitel der Geschichte von Slowenen, Kroaten und Italienern, das in Italien - abgesehen von der Nischenkultur der istrischen Flüchtlinge in Triest - jahrzehntelang mit einem Tabu belegt war.

Kroatien kontert

Der kroatische Präsident Stjepan (Stipe) Mesic hatte in den vergangenen Jahren Napolitano heftig kritisiert, als dieser anlässlich des Tages der Erinnerung an die Foibe-Massaker von einer "ethnischen Säuberung" und "slawischen Blutrünstigkeit" gesprochen hatte. Mesic hatte Napolitanos Worte als "rassistisch und revanchistisch" bezeichnet.