Schnellauswahl

Schauerfilm "Winchester": Wozu der Spuk?

Winchester Mystery House nennt sich die Touristenattraktion, die einst das Domizil der Erbin eines Waffenimperiums, Sarah Winchester, war.
Winchester Mystery House nennt sich die Touristenattraktion, die einst das Domizil der Erbin eines Waffenimperiums, Sarah Winchester, war.(c) Ben King / Splendid Film
  • Drucken

Kritik Der Film basiert auf den Mythen um eine reiche Waffenerbin und ihre Villa – und erzählt von rein gar nichts.

Wenn ein Horrorfilm mit dem Zusatz „nach wahren Begebenheiten“ eröffnet wird, sollte man dann beunruhigt sein? Im Fall von „Winchester – Das Haus der Verdammten“, jetzt im Kino, kann das „wahre“ Element besichtigt werden: Im kalifornischen San José steht eine viktorianische Villa mit 161 Zimmern, 17 Kaminen und allerlei Ausstattung in 13-facher Ausführung. Winchester Mystery House nennt sich die Touristenattraktion, die einst das Domizil der Erbin eines Waffenimperiums, Sarah Winchester, war. Es ist ein verschachteltes Gebilde, in dem Treppen ins Nichts und Türen gegen Wände führen. Der Legende nach glaubte Sarah Winchester, verflucht zu sein von den Geistern jener Menschen, die durch Winchester-Gewehre gestorben waren – und dass sie daher nie aufhören dürfe, für diese verlorenen Seelen weitere Zimmer bauen zu lassen.

Es waren Boulevardmedien, die solche Spekulationen beförderten. Womöglich war Sarah Winchester auch nur eine exzentrische Dame, die von Architektur keine Ahnung hatte und sich trotzdem zimmern ließ, wonach ihr gerade war. Ein Film über sie und ihr Haus könnte also von vielem erzählen, von obszönem Reichtum und psychischer Krankheit, von Rache, (Aber-)Glaube und Schuld, von Schusswaffenopfern und gierigen Bauunternehmern. „Winchester“, inszeniert vom australischen Regieduo Peter und Michael Spierig, spricht pflichtschuldig sämtliche Themen an, erzählt aber letztlich von rein gar nichts. Eine schlichte Spukshow ohne Inhalt, für die die Geschichte von Winchester als schaurig-esoterische Grundlage herhalten muss.

 

Bis die Wände einstürzen

Helen Mirren spielt die manierierte Hausherrin, die nachts mit einem Schleier verhüllt durch die holzvertäfelten Gänge schreitet und sich in Séancen von Geistern Baupläne diktieren lässt: Jeder Tote will hier seinen Todesschauplatz exakt rekonstruiert haben. Die Geschäftsführer der Winchester Repeating Arms Company wollen der entrückten Mehrheitseignerin ihre Anteile an der Firma entreißen und schicken einen Arzt, der ihre geistige Gesundheit begutachten soll: Dieser (Jason Clarke), ein verbrauchter Typ mit Schusswaffentrauma, hält die polternden Gestalten im Haus zunächst für Erscheinungen seiner Medikamentensucht. Das Spiel führt von einem Jumpscare-Effekt zum nächsten, lässt Menschen und Geister wüten, bis die Wände einstürzen (auch das Erdbeben von San Francisco 1906 ist hier Teil der Totenrache) – Spannung stellt sich dabei bemerkenswerterweise aber keine ein. Geschweige denn Beunruhigung. Da hilft auch der „wahre“ Hintergrund nicht.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.03.2018)