Von Wiener Neustadt in die Welt

Hannes Hecher, CEO Schiebel

Porträt. Unter CEO Hannes Hecher erflogen die Camcopter von Schiebel die Weltmarktführung. Doch Hecher will mehr. Weil Ehrgeiz durchaus seine Sache ist.

Wie oft kommt es vor, dass ein 13 Jahre altes Produkt plötzlich durch die Decke schießt? Genau das erlebt Hannes Hecher (57), CEO des Camcopter-Herstellers Schiebel, gerade. Camcopter sind riesige Drohnen oder winzige Helikopter, je nach Betrachtung. Zu klein für menschliche Piloten, aber groß genug, um jedes denkbare Kamera- (daher der Name) oder Messgerät an ihrer Unterseite zu befestigen. Das ist ihr Alleinstellungsmerkmal. Und schon fliegen sie los, ferngesteuert, bei jedem Wind und Wetter, und filmen und messen alles im Radius von 200 Kilometern.

Kein Wunder, dass zuallererst Regierungen hellhörig wurden. In Kambodscha spürte der Ur-Camcopter Landminen aus der Luft auf. Davon zeugt noch heute ein Werk in Phnom Penh. Dann interessierten sich die Vereinigten Arabischen Emirate für die vielseitige Riesendrohne. Zum Glück, sagt Hecher, denn deren Beteiligung am Zweitwerk in Abu Dhabi finanzierte die beträchtlichen Weiterentwicklungskosten.

Seither überwachen Camcopter dort Wüstengrenzen, stöbern Schmuggler in Nordafrika auf, orten Flüchtlingsboote im Mittelmeer oder Piraten vor Somalia und kontrollieren den Waffenstillstand in der Ostukraine. Und dann ist da noch der Standort in Manassas/Virginia, der für den nordamerikanischen Markt produziert.

Und natürlich das Werk in Wiener Neustadt. 120 Mitarbeiter bauen dort Camcopter zusammen. Bis auf die Außenhaut kaufe er alle Teile zu, sagt Hecher, „das hält den Personalstand niedrig“.

Techniker mit Leib und Seele

Der Innsbrucker Hecher ging 2013 an Bord, gerade als auch der Umsatz des Camcopters abzuheben begann. In Hechers Lebenslauf fällt zweierlei auf: seine Faszination für die Technik und sein mitreißender Ehrgeiz. „Wenn sich jemand bei mir bewirbt und sagt, er suche die Herausforderung, dann antworte ich: ,Bei uns findest du sie.‘“ Er, Hecher, stelle Hochleistungsteams zusammen, die keine Strapaze scheuten: „Warum tut man sich das an, einen Berg zu besteigen? Weil man oben auf dem Gipfel glücklich ist.“

Seine andere berufliche Leidenschaft gehört der Technik. Selbst HTL- und WU-BWL-geschult, führte ihn sein Weg zuerst zu Siemens: „Als Tiroler haben sie mich gleich in die Seilbahntechnik gesteckt.“ Dann folgte er dem Ruf der weiten Welt, ging als General Manager zu Haas do Brasil, einem Hersteller von Geräten für die Lebensmittelproduktion. Nach Paraná in Brasilien, dann nach Richmond in Virginia/USA. Warum er nicht bei Siemens blieb? „Weil Haas mir das internationale Angebot machte. Nicht Siemens.“

Anpassungsfähiger Tiroler

Denn so stand es immer auf seiner Agenda: globale Ausrichtung, eine Technik ausreizen, die Weltmarktführerschaft anpeilen. Dafür, sagt er mit ironischem Lächeln, bringe er auch etwas mit, was Tirolern gemeinhin nicht zugeschrieben werde: große Anpassungsfähigkeit.

Nach sieben Jahren ging es zurück in die Heimat, der Familie zuliebe. „Dieser Wechsel war der schwierigste. Es war gar nicht so einfach, für vier Kinder Schulen zu finden, die brasilianische und amerikanische Vorbildung akzeptierten.“ Einen passenden Job für ihn zu finden war hingegen ein Kinderspiel.

Schiebel kam sechs Jahre später. Hier, sagt Hecher, finde er all den Freiraum, den sein Tirolerherz brauche. „Ich will als österreichisches KMU den Big Playern entgegentreten.“ Die Weltmarktführerschaft hat er, jetzt kommt der nächste Schritt: „Wir wollen in den privaten Markt. In die Landwirtschaft, in Verkehrs- und Katastropheneinsätze, in Versorgungsflüge.“ Die Aufträge seien da, nun kämpfe er um die Zulassung der Luftfahrtbehörde für den zivilen Luftraum. Ein mehrjähriges Projekt sei das, stöhnt er, vergleichbar mit der Zulassung für ein Passagierflugzeug. Er behelfe sich mit Ausnahmegenehmigungen, aber: „Da geht noch mehr.“

Stimmiges Leben

Mit seiner Vita sei er „sehr zufrieden. Weil ich den roten Faden erkenne. Es ist stimmig.“ Es freue ihn, bei allen Kindern sein Streben nach der weiten Welt wiederzufinden. Nur eines betrübe ihn: dass ihm keines in die Technik folgte.

ZUR PERSON

Nach HTL- und BWL-Ausbildung ging der Innsbrucker Hannes Hecher (57) 1991 bei Siemens an Bord. Ab 1998 war er General Manager bei Haas do Brasil in Brasilien und den USA, ab 2005 CEO bei Hauser in Linz. Seit Herbst 2013 ist er CEO der Schiebel Group, wo er die Einsatzmöglichkeiten des Erfolgsmodells Camcopter S-100 ausbaut. Aktuell kämpft er für dessen Zulassung für den zivilen Luftraum.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.03.2018)