Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Niki Lauda: "Ich hole Laudamotion nach Österreich zurück"

Niki Lauda poses with flight attendants in Vienna
Lauda sucht noch 50 Flugbegleiter: "Ich spiele die Heidi Klum beim Casting"REUTERS
  • Drucken

Niki Lauda kooperiert mit Condor und will Flieger auch an Eurowings verleasen - wenn die Kartellwächter grünes Licht geben.Im Juni startet Laudamotion in Österreich.

Niki Lauda ist ein Technik-Freak, ein Rechner – mit einem Wort: ein Realist, der aber auch an schwierige Projekte glaubt. Sonst hätte er nicht im Jänner um 50 Mio. Euro die insolvente Air-Berlin-Tochter „Niki“ gekauft. „Leider ganz allein“, sagt er und reagiert damit auf Gerüchte, wonach er einen Partner (Red Bull-Gründer Dietrich Mateschitz) habe.

Inzwischen krempelte Lauda, der „Niki“ 2003 gegründet und 2011 komplett an die Air Berlin verkauft hatte, die Ärmel ordentlich hoch. „Am 25. März hebt der erste Laudamotion-Flieger von Düsseldorf ab, ab Juni fliegen wir auch ab Österreich“, kündigte Lauda am Freitag bei seiner ersten Pressekonferenz als Wieder-Airline-Unternehmer an.
„Ich hole die Laudamotion nach Österreich zurück“, spielte der nunmehr dreifache Airline-Gründer (Lauda Air, „Niki“, Laudamotion) auf die vergangenen Jahre an, wo Berlin das Sagen bei „Niki“ hatte. Von Wien aus soll die weitere Expansion erfolgen.

Die Frage, woher die vorerst sechs, dann 15 und später 21 Flugzeuge kommen, beziehungsweise wem sie gehören und in wessen Auftrag sie tatsächlich abheben sollen, konnte Lauda aber nicht wirklich beantworten. Anscheinend sind die Besitzverhältnisse nach der Air-Berlin- und „Niki“-Pleite tatsächlich mehr als verworren sind. Was Lauda mit einem seiner typisch saloppen Sprüche quittierte: „Ich kenn mich selber nicht ganz aus.“

Um dann doch auszuführen: Bei der Pleite Mitte Dezember verfügte „Niki“ über 21 Flugzeuge, neun hat die Lufthansa gekauft, die sie nun an Lauda zurückreicht. Zwei bis drei weitere Flieger kämen ebenfalls von der Lufthansa, sieben hole er sich auf dem Markt. 15 Maschinen stünden jedenfalls seit der Pleite Dezember in Wien, „die wir jetzt rasch flott machen müssen“.

Flüge ab sofort buchbar

Was vor allem Passagiere interessieren dürfte: Seit gestern kann auf der Website gebucht werden. Das Streckennetz konzentriert sich auf Spanien und Griechenland, geflogen wird von Wien, Zürich, Düsseldorf, Stuttgart, Köln, München und Frankfurt.

So wie schon bei „Niki“ (mit Air Berlin) hat Lauda wieder einen Partner an Bord: Die Thomas-Cook-Tochter Condor, mit der er schon ins Übernahmerennen gegangen ist, übernimmt Verkehrsleitstelle und Crewplanung, ist für Vertrieb und Vermarktung sowie – zumindest vorläufig – das Bordangebot zuständig. Auch der erste Flug startet für die Condor, an die Lauda Maschinen verleasen will.

Das will er auch mit der Lufthansa-Tochter Eurowings, vorausgesetzt, die Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) gibt grünes Licht. Ein Spitzengespräch von Lauda, Lufthansa-Boss Carsten Spohr und AUA-Chef Kay Kratky mit BWB-Boss Theodor Thanner fand Freitagnachmittag statt. „Von seiner Entscheidung hängt ab, wie viele Flugzeuge wir verleasen können – immer ohne Crews.“ Die BWB will bis nach Ostern entscheiden, wie sie der "Presse" sagte. Denn „eine Umgehung der EU-Entscheidung darf es nicht geben“, so Lauda. Brüssel hatte dem Plan der Lufthansa, Teile von Air Berlin samt „Niki“ zu übernehmen, wegen der Marktdominanz eine Absage erteilt. Was die Pleite auslöste. Jetzt kursieren Spekulationen, dass die Lufthansa über das Leasing einen Einstieg „durch die Hintertür“ versuche.

641 Mitarbeiter hat die Laudamotion (168 Piloten und 348 Flugbegleiter), 50 Flugbegleiter werden gesucht („Ich spiele die Heidi Klum beim Casting“). Für alle soll es einen Kollektivvertrag geben, den er gerade mit der Gewerkschaft verhandle. „Für die Übergangszeit habe ich eine Direktanstellung oder einen Leihpersonalvertrag geboten, was steuerliche Vorteile bietet“, verteidigte Lauda das Angebot, das viel Wirbel auslöste. Wichtig sei nicht allein der Tarifvertrag. „Ich muss den Mitarbeitern die Angst nehmen und eine Perspektive geben.“ Denn: „Die letzte Zeit unter der Air Berlin war sicher keine Hetz.“

Heuer noch Verluste

Und bevor Lauda mit einem Blick in die Unterlagen „nix mehr einfiel“, ging es nochmals ums Geld. Heuer rechne er mit einem Verlust in einstelliger Millionenhöhe. „Mit den richtigen Entscheidungen sollte man im zweiten Jahr beginnen, Geld zu verdienen.“