Der Opernball 2010
Künstler, Debütanten und Walzerseligkeit
Der scheidende Staatsoperndirektor Ioan Holender richtete seine letzten Ball aus und erntete Lob von "Deutschlands härtestem Juror" Dieter Bohlen.
Eine typische Wiener Hassliebe fand am 54. Opernball seinen Abschluss: Der scheidende Staatsoperndirektor Ioan Holender (siehe Bild) richtete seinen letzten Ball aus. Er hat seinem Missfallen gegenüber der gesellschaftlichen Walzerseligkeit und der Berichterstattung über selbige nicht selten Nachdruck verliehen.
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Das Sangeshaus sei seiner Meinung nach nicht der richtige Ort für einen Ball - sei es auch der "Ball der Bälle".
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Seit 1992 ist Ioan Holender Direktor der Staatsoper. Im Juni endet sein Vertrag und er tritt seinen wohlverdienten Ruhestand an.
Den ersten Opernball seiner Amtszeit hat Holender übrigens verpasst. 1992 wurde sein Sohn Livio (links im Bild) geboren ...
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... heuer war der junge Mann Debütant.
Einige Angehörige der Wiener Society werden Holenders spitze Zunge vermutlich nicht vermissen, beispielsweise Baumeister a.D. Richard Lugner (siehe Bild).
Mit seinen Promi-Einladungen war Lugner dem Opernballdirektor immer ein Dorn im Auge. Heuer wäre diese Tradition ohnehin fast geplatzt: Der Baumeister hatte Schauspielerin Lindsay Lohan eingeladen, doch deren Flieger konnte wetterbedingt nicht kommen. Im Bild: Richard Lugner und Dieter Bohlen
In letzter Minute zauberte Lugner noch Dieter Bohlen aus dem Hut. Im Bild: Anastasia "Katzi" Sokol, Jaqueline Lugner, Christina "Mausi" Lugner, Richard Lugner, Helmut Werner, Dieter Bohlen und ganz rechts Carina Walz
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Markantere Sprüche als Lohan gab es von Bohlen auf jeden Fall. Besonders Ioan Holender hatte es dem nicht gerade zimperlichen Castingshow-Juror angetan: "Also wenn das live war, ist er ein Genie. Jeder Ton hat gepasst." Lugner war völlig begeistert von seinem neuen Gast. "Er ist viel besser als Lohan und größer ist er auch noch", meinte der Baumeister.
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Doch nicht Lugners Opernballgast galt heuer der meiste Medienrummel: Denn das britische "Busenwunder" Katie Price war auf Einladung anderer Gäste da.
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Price kam in Begleitung von Partyprinz Marcus von Anhalt (links), ihre Gastgeber waren Gastgebern Irene und Alexander Mayer. In ihrer hellblauen Robe fühle sich Price "wie eine Lady", sagte das Starlet.
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Auch Moderator Thomas Gottschalk zog die Fotografen. Bei so viel Trubel verblassten man fast die eigentlichen Stars des Abends: Die Debütanten.
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Während draußen vor der Oper die Gäste über den roten Teppich schritten, bereiteten sie sich im Orgelsaal der Wiener Staatsoper auf ihren großen Auftritt vor.
Die 144 Debütantenpaare eröffneteten den Ball vor dem ausverkauften Haus. Danach machten sich einige von ihnen auf, um für die Opfer des Bebens in Haiti Spenden zu sammeln.
Sie hatte das Gröbste schon hinter sich: Ballchefin Desirée Treichl-Stürgkh. Seit 2008 organisiert sie den gigantischen Gesellschaftstanz, in diesen habe sie sich besonders verliebt.
Pünktlich um 22 Uhr zog das Jungdamen- und Jungherren-Komitee in den festlich geschmückten Saal ein.
144 Debütantenpaareschwebten über das Tanzparkett und zeigten eine Choreographie der oberösterreichischen Tanzschulen Michael Horn und Werner Dietrich.
Dabei gab es heuer eine Neuerung: Die Figuren waren dank "Höheneffekt" auch für die seitlichen Zuseher zu bestaunen. Bei der Warschauer Polka hüpfen die jungen Damen und Herren gar durch die Oper. Der Schlachtruf "Alles Walzer" wird wieder von den Debütanten im Chor posaunt.
Wird der Wiener Opernball eröffnet, erheben sich traditionsgemäß alle Gäste für die Bundeshymne. Hier im Bild: (v.l.n.r.) Gabi Pröll, Bundeskanzler Werner Faymann, Margit Fischer, Bundespräsident Heinz Fischer, Martina Ludwig-Faymann und Vizekanzler Josef Pröll.
Vor den Debütanten gab Holender seinen letzten großen Opernball-Auftritt: "Zum Abschluss möchte ich gerne mit ihnen zusammen ein Glas trinken", sagte Holender und ließ sich von Töchterchen Alina ein Glas Champagner zum Anstoßen auf die Bühne bringen, ehe er das Champagnerlied aus der "Fledermaus" einstimmte.
Herzstück der Eröffnung war ein von Alfred Eschwe komponiertes Medley aus 14 bekannten Opernarien für 13 Solisten des Hauses. Musikalisch dominierten den Ball die Komponisten Frederic Chopin und Gustav Mahler, denen 2010 anlässlich ihres 200. bzw. 150. Geburtstages gedacht wurde.
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Unter den Solisten waren die Kammersängerin Ildiko Raimondi ...
... die Mezzosopranistin Nadja Krasteva ...
... die Mezzosopranistin Michaela Selinger ...
und Sopranistin Alexandra Reinprecht. (Die weiteren Boaz Daniel, Adrian Eröd, Anita Hartig, Teodora Gheorghiu, Simina Ivan, Janusz Monarcha, Gergely Németi, Kammersänger Alfred Šramek und Marian Talaba)
Ein weiterer Programmpunkt wurde von Pianist Krzysztof Jablonski bestritten, der das Balletttänzer-Ensemble in roten und weißen Gewändern auf einem mitten auf dem Parkett platzierten Flügel begleitete.
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Politiker und Ballgäste amüsierten sich: Hier etwa Bürgermeister Michael Häupl und Bundespräsident Heinz Fischer mit Barbara Hörnlein. Einige zeigten sich über die Sangesqualitäten Holenders begeistert: "Für meine Verhältnisse - also an meinem Können gemessen - ist er ein Vollprofi", sagte der Vizekanzler Josef Pröll.
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Gefeiert wurde bis in die Morgenstunden. Im kommenden Jahr darf Holenders Nachfolger, der designierte Direktor Dominique Meyer, sein Geschick mit dem "Ball der Bälle" unter Beweis stellen.Mehr Bilder zum Opernball.
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