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Fall Skripal schaukelt sich immer weiter auf

Russlands Außenminister Lawrow kündigt die Ausweisung von britischen Diplomaten an.
Russlands Außenminister Lawrow kündigt die Ausweisung von britischen Diplomaten an.REUTERS
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Russlands Außenminister, Sergej Lawrow, kündigt die bevorstehende Ausweisung von britischen Diplomaten an. Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg warnt vor einem neuen Kalten Krieg.

Moskau/London/Paris. Sergej Lawrow machte die Sache spannend. Natürlich werde Russland Vergeltung gegen Großbritannien üben und britische Diplomaten ausweisen, kündigte der russische Außenminister am Freitag am Rande eines Treffens zum Syrien-Krieg in der kasachischen Hauptstadt, Astana, an – wie er dies bereits in den Tagen zuvor getan hatte. Dies könne „jeden Moment“ passieren, hieß es aus dem Kreml. Womöglich wartet Moskau mit der Bekanntgabe einen geeigneten Zeitpunkt rund um die russischen Präsidentschaftswahlen am Sonntag ab. Der russische Botschafter in London erklärte, sein Land werde „maximalen Druck“ auf die britische Regierung ausüben.

Als Folge des Nervengiftanschlags auf den Exdoppelagenten Sergej Skripal hatte Theresa May, die britische Premierministerin, die Ausweisung von 23 russischen Diplomaten angekündigt. In britischen Medien kursierte indessen ein Bericht, wonach das Nervengift in Russland in den Koffer der Skripal-Tochter Julia gelangt war. Die Behörden gehen davon aus, dass ein Kleidungsstück, ein Kosmetikartikel oder ein Geschenk damit imprägniert worden sei. Indessen eröffnete ein russisches Ermittlungskomitee Untersuchungen wegen „versuchter Ermordung“ von Julia Skripal.

In Großbritannien warnte Oppositionsführer und Labour-Chef Jeremy Corbyn vor einer Vorverurteilung Russlands. Man dürfe nicht vor Ende der Polizeiarbeit in einen Kalten Krieg abrutschen, sagte er – und zog Kritik auf sich. Russland hat jede Verwicklung in den Anschlag dementiert und fordert Zugang zu Proben des Nervengifts Nowitschok.

Angesichts der Eskalation zwischen London und Moskau warnte auch Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg vor einer Konfrontation wie im Kalten Krieg. „Wir wollen keinen neuen Kalten Krieg, wir wollen keinen neuen Rüstungswettlauf“, sagte Stoltenberg in einem BBC-Interview. „Russland ist unser Nachbar. Deswegen müssen wir uns weiter für verbesserte Beziehungen zu Russland einsetzen. Russland zu isolieren ist keine Alternative.“ Russland müsse aber grundlegende Normen und Regeln respektieren.

Als Reaktion auf den Giftanschlag auf Skripal hat Frankreichs Präsident, Emmanuel Macron, bei einem Besuch der Pariser Buchmesse den russischen Pavillon boykottiert. Russland ist heuer Ehrengast der Buchmesse. Macron hat zuvor bereits Maßnahmen gegen Moskau angekündigt. (ag.)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.03.2018)

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