Was in der Musikwelt keinen aufregt – nämlich die personelle Vermischung von Kunst und Kommerz –, ist gerade in der hintergründig viel kommerzgetriebeneren bildenden Kunst ein Tabu.
Dass Ioan Holender etwa Künstleragent war, bevor er die Staatsopernleitung übernahm – na und? Dass der neue Chef der Salzburger Opernfestspiele einem Klassikplattenlabel vorstand – nur ein Zeichen seiner Kompetenz!
Stellen Sie sich aber vor, der Salzburger Galerist Thaddaeus Ropac würde das Museum der Moderne am Mönchsberg übernehmen (was er faktisch, betrachtet man das Ausstellungsprogramm der vergangenen Jahre, schon getan hat) – der Aufschrei wäre enorm. Oder, aktueller, die Ministerin würde Ursula Krinzinger oder Georg Kargl als Direktorin, als Direktor des Wiener Museums moderner Kunst vorstellen – auf diesen Gedanken kommt nicht einmal jemand!
Dabei wäre das prinzipiell nicht so abwegig, blickt man in die USA: Dort wurde gerade mit Jeffrey Deitch (57) einer der buntesten Galeristen New Yorks (Homepage wie ein Eissalon aus den 60ern, Künstler-Castingshows), zum neuen Leiter des Museums für zeitgenössische Kunst in Los Angeles berufen. (Die Galerie wird er schließen.) Was eine saftige Kontroverse auslöste – darf denn ein „böser“, eigennütziger Galerist ein „gutes“, gemeinwohliges Museum unterwandern? Gleich wurde die Ethik in Gefahr gesehen und hinter jedem Schritt eine Spekulation geortet. Andere erblicken im glamourösen Netzwerker einen Gewinn für die finanziell trudelnde Institution.
Die Diskussion ist jedenfalls eine wert, und die Frage sollte wohl auch im Musikbereich schärfer debattiert werden. Ein gutes Beispiel für die Ambivalenz dieser Karrieren ist Peter Pakesch, einst Galerist in Wien, jetzt (u.a.) Direktor im Kunsthaus Graz. Hautgout steigt auf, wenn sich die Ausstellungen der Künstler häufen, die er einst vertreten hat. Andererseits waren das Künstler, die heute ohne diesen Kontakt nicht unbedingt in Graz ausstellen würden. Nicht auszudenken, wäre Pakesch ein weniger guter Galerist gewesen...
("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.02.2010)