Wie sich die Vorzeichen ähneln: Vor den Spielen in Peking wurden rund 70 Dopingsünder aus dem Verkehr gezogen. Nun sind es vorerst 30 Leute.
Der Selbstbetrug der Dopingjäger
Irgendwie bekommt man das Gefühl, dass Doping schon genauso zu den Spielen gehört wie die olympische Flamme oder die fünf Ringe. Auch in Vancouver erklärte das Internationale Olympische Komitee, dass dreißig Athleten positiv getestet wurden. Sie dürfen an den Wettkämpfen nicht teilnehmen. Seit Peking scheint es quasi „Part of the Game“ zu sein: das Säbelrasseln der Antidopingjäger. Vor zwei Jahren wurden sogar 70 Sportler der Einnahme verbotener Hilfsmittel überführt. Irgendwie schmeckt die Sache auch ein wenig nach einem billigen PR-Gag.
Wenn von 30 gedopten Wintersportlern die Rede ist, dann ist das ja lediglich eine winzige Spitze des Eisbergs. Der Chef der Welt-Antidopingagentur, John Fahey, sagte vor wenigen Tagen in Kanada: „Betrüger sind einfacher zu erwischen als bei früheren Olympischen Spielen.“ Er spricht damit das Athletenmeldesystem an. Demzufolge müssen Spitzensportler dafür sorgen, dass sie für die Kontrollore jeden Tag erreichbar sind. Dieses Orwell'sche Überwachungssystem allein zeigt, wie verrückt die Sportwelt längst geworden ist.
Mit ihrem martialischen Gehabe suggerieren die Dopingjäger, dass sie die Sache im Griff haben. 554 Dopingproben wurden in Vancouver und Umgebung genommen, noch bevor die Wettkämpfe richtig begonnen haben. Während des Abfahrtstrainings der Herren marschierten die Fahnder sogar wie eine paramilitärische Einheit auf. Etwa zwei Dutzend in einer Art Uniform, in Zweierreihen. Es fehlte nur noch der Gleichschritt. Tritt so jemand auf, der die Sache im Griff hat? Es ist eher das Gegenteil zu befürchten. Nämlich dass die Dopingjäger in den allermeisten Fällen auf verlorenem Posten stehen. „Die Olympischen Spiele werden von einer zur anderen Ausgabe immer sauberer“, streute sich der Leiter der Medizinischen Kommission des IOC, Arne Ljungqvist, selbst Rosen. Das klingt nach Selbstbetrug. Zumindest in diesem Punkt stehen die Dopingjäger den gedopten Sportlern um nichts nach.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.02.2010)