Praxistest Heco Einklang: Zeitreise mit einer Klang-Tardis

Scheinbar schwebend nach hinten geneigt wirkt die Einklang fast wie eine Skulptur.  Dezenz war nicht das Ziel der Designer.
Scheinbar schwebend nach hinten geneigt wirkt die Einklang fast wie eine Skulptur. Dezenz war nicht das Ziel der Designer.(c) Heco
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Optisch wie technisch lässt Heco mit der Einklang vergangene Tage wieder aufleben. Für das Konzept eines Breitband-Lautsprechers spricht im Test aber mehr als nur Nostalgie.

Vor knapp drei Jahren hat sich der Hersteller Heco ein Herz genommen und eine Hifi-Box der alten Schule herausgebracht. Den Schlankheitswahn, der seit geraumer Zeit auch den Lautsprecherbau bestimmt, ignorierend, sieht die Heco Direkt aus, wie man einen Lautsprecher von früher kennt: mehr breit als tief, mit viel Platz für die Bassmembran. Auf die Zweiweg-Box Direkt folgte mit der Dreiklang eine Dreiweg-Variante. Jüngster Spross ist mit 2000 Euro pro Paar die Einklang, die nur einen Breitband-Treiber beherbergt.

Optisch schwimmt die Direkt-Reihe voll auf der Retro-Welle. Die Proportionen wie auch der Schriftzug an der Front sind klare Referenz an die 1960er. Zugeständnis an den Zeitgeist ist, dass es sie neben Matt-Schwarz auch in Weiß gibt. In dieser Variante stechen die silbernen Rallystreifen besonders hervor – je nach Sichtweise besonders pfiffig oder etwas aufdringlich. Unbestrittenes optisches Highlight sind die massiven Standfüße (Spikes und Gumminoppen mitgeliefert). Auf ihnen „schweben“ die Boxen leicht nach hinten angewinkelt, wodurch die knapp einen Meter hohen Quader relativ zierlich wirken. Dennoch ist die Einklang keine Box, die sich versteckt, sondern eine Skulptur im Raum. Dass der Lautsprecher ein paar Zentimeter über dem Boden thront, erlaubt nach unten offene Bassreflexrohre, und das wiederum eine wandnahe Aufstellung.

Mit der Wahl eines Breitbänders hat Heco bei der Einklang nochmal extra Mut bewiesen. Zwar erfüllt sie damit das Ideal der Punktquelle und Themen wie Frequenzweiche und Timing sind nichtig, dafür muss eine einzige Membran den Spagat zwischen tiefsten und höchsten Tönen meistern. Mit einem Durchmesser von 21 Zentimetern braucht sich der Treiber aus mit Wollfäden verstärktem „Kraftpapier“ vor tiefen Bässen nicht zu fürchten und liefert sie sehr souverän. Damit auch das andere Ende der Frequenzskala zur Geltung kommt, wurde dem Breitbänder ein spezieller Hochtonkegel verpasst, der noch dazu in Rot hervorsticht. Klanglich sicher ein Plus, spaltet er bezüglich Optik die Geister. Wer sich gar nicht dran gewöhnen kann, der versteckt ihn einfach hinter der magnetisch haftenden Abdeckung.

Stimmig statt steril.Nicht zu verstecken braucht sich der Klang. „Einfach stimmig“, ist der erste Eindruck, der sich in der Folge noch verfestigt. Obwohl die Einklang nominell nicht einmal bis 20 kHz spielt, wirken die Höhen anfangs ein wenig harsch. Das legt sich mit der (Einspiel-)zeit. Was bleibt, ist eine leichte Rauheit, die insbesondere bei Rockmusik aber durchaus gewünscht ist. Auch so mancher zu Tode gemasterten CD haucht die nicht ganz sterile Einklang wieder „analoges“ Leben ein. Die genügsame Box erreicht und verkraftet jeden (vernünftigen) Pegel. Faszinierend – und oft relevanter – ist aber, wie wenig sich die Charakteristik mit der Lautstärke ändert und wie viel Umfang sie auch leise liefert.

Der Verdacht, der Breitbänder könnte bezüglich Auflösung und Transparenz schwächeln, bestätigt sich nur vordergründig. Die Musik wird zwar als Ganzes geliefert, wer bewusst hinhört, dem eröffnet sich aber ein Klanguniversum – die Einklang erinnert an die Tardis von „Dr. Who“, die innen größer ist als außen. Dennoch ist sie primär für jene gedacht, die Musik nicht analysieren, sondern entspannt genießen. Die Einklang ist eine Box mit Charakter, die sich in Aussehen und etwas auch im Klang vom Mainstream abhebt. Damit wird sie nicht jedem gefallen, ist aber optisch wie akustisch eine echte Bereicherung des aktuellen Angebots.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.03.2018)


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