Der Ex-Chef der Deutschen Bahn erhielt eine üppige Abfindung, VW-Manager bekommen hohe Boni, bei der Deutschen Bank gibt man sich trotz Verlusten großzügig.
Berlin. Deutschland findet sich, wieder einmal, inmitten einer heftigen Diskussion über Manager-Boni und Abfindungen. In den vergangenen Tagen haben sich Mitteilungen über hohe Entschädigungen gehäuft. Am Wochenende wurde ein weiterer Fall publik.
Diesmal geht es um die Deutsche Bahn. Medien berichteten am Wochenende, dass der Ex-Chef des Unternehmens, Rüdiger Grube, nach seinem Abgang im vergangenen Jahr eine Millionenabfindung erhalten hat. Obwohl der Manager nach Streit um eine Vertragsverlängerung sein Amt bereits Ende Jänner 2017 aufgab, soll er rund 2,3 Millionen Euro erhalten haben. Das soll aus dem noch nicht veröffentlichten Geschäftsbericht der Deutschen Bahn hervorgehen. Demnach sollen von den 2,3 Millionen rund 2,25 Millionen als „Bezüge im Zusammenhang mit der vorzeitigen Beendigung der Tätigkeit“ gezahlt worden sein. Der Geschäftsbericht wird am kommenden Donnerstag vorgestellt, eine Bahnsprecherin wollte die Berichte nicht kommentieren und verwies auf die Bilanzpressekonferenz kommende Woche.
Große Aufregung gibt es auch um Bonus-Zahlungen an VW-Spitzenmanager. Volkswagen hatte im vergangenen Jahr mit 10,7 Millionen Fahrzeugen so viele wie noch nie ausgeliefert. Dieser Rekord ließ den Gewinn um mehr als das Doppelte auf über elf Mrd. Euro wachsen – und schlug sich auch in Sonderzahlungen nieder: VW zahlte den zehn Vorstandsmitgliedern Vergütungen in Höhe von knapp 50,3 Mio. Euro. 2016 waren es noch 39,5 Mio. Euro gewesen.
Verkehrsminister schäumt
Am Samstag führten diese Boni zu harscher Kritik von CSU-Verkehrsminister Andreas Scheuer: „Das Geld hätte man besser in einen ,Entschuldigungsfonds‘ legen können unter dem Motto: Wir haben verstanden!“, sagte Scheuer der „Bild“-Zeitung. Er hätte „nach den Abgasskandaljahren eine höhere Sensibilität gerade der Top-Manager in Wolfsburg erwartet.“ Der Wirtschaftsstandort Deutschland sei beschädigt worden. Für jeden Dieselbesitzer, der hohe Wertverluste fürchte, aber auch für die Angestellten in der Autoindustrie seien die Managergehälter bei VW „ein Schlag ins Gesicht“.
Davor hatten Milliarden-Boni bei der Deutschen Bank für heftige Diskussionen gesorgt. Die größte Bank Deutschlands zahlt ihren Mitarbeitern ungeachtet des dritten Jahresverlusts in Folge wieder üppige Bonifikationen. Die Aktionäre müssen sich hingegen mit einer Mini-Dividende zufriedengeben. Während das Personal laut Geschäftsbericht knapp 2,3 Mrd. Euro an variabler Vergütung bekommt, schüttet das Geldhaus an seine Anteilseigner vergleichsweise magere 230 Mio. Euro aus.
Allerdings: Die Boni fließen hauptsächlich in die Taschen der Investmentbanker. Das Top-Management bekommt wegen des Verlusts von einer halben Milliarde Euro für 2017 keinen Bonus. Wie in den beiden vorangegangenen Jahren auch. (ag./red.)
("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.03.2018)