Das deutsche Bruttoinlandsprodukt ist im vierten Quartal 2009 nicht weiter gewachsen. Zudem brechen die Steuereinnahmen ein, auch teure Firmenkredite bedrohen den Aufschwung.
Die Erholung der deutschen Wirtschaft ist ins Stocken geraten. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) stagnierte im vierten Quartal 2009 auf dem Niveau des Vorquartals, teilte das Statistische Bundesamt am Freitag in Wiesbaden mit und bestätigte damit eine erste Schätzung vom Jänner. Für das Gesamtjahr bestätigten die Statistiker einen Einbruch des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 5,0 Prozent.
Damit war Deutschland im vergangenen Jahr in die tiefste Rezession seit Bestehen der Bundesrepublik gestürzt. Volkswirte hatten zum Jahresende mit einem leichten BIP-Wachstum um 0,3 Prozent gerechnet. Nach Angaben der Statistiker kamen positive Impulse zum Jahresende lediglich vom Export. Hingegen gingen Konsumausgaben und Investitionen zurück und bremsten so das Wirtschaftswachstum.
Nach den neu berechneten Zahlen des Bundesamtes war das BIP Anfang 2009 gegenüber dem Vorquartal real um 3,5 Prozent geschrumpft. Bereits im Sommer hatte sich dann das Ende der Rezession angekündigt: Die Wirtschaftsleistung wuchs im zweiten Quartal um 0,4 Prozent. Im dritten Quartal sorgten kräftige Investitionen dank staatlicher Konjunkturprogramme und der wieder anziehende Export für ein Plus von 0,7 Prozent im Vergleich zum Vorquartal.
Steuereinnahmen brechen ein
In Deutschland sind die Steuereinnahmen im Jänner einem Zeitungsbericht zufolge überraschend stark eingebrochen. Der Rückgang sei mit 7,8 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat dreimal so hoch ausgefallen wie vom Arbeitskreis Steuerschätzung für das Gesamtjahr veranschlagt. Das berichtete das "Handelsblatt" am Freitag unter Berufung auf Angaben aus dem deutschen Finanzministerium.
Besonders heftig war demnach der Einnahmenrückgang beim Bund, dem 11,7 Prozent der Vorjahreseinnahmen fehlten. "Das Minus ist überraschend groß", sagte die Steuerschätzerin des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle, Kristina van Deuverden. Die nächste Steuerschätzung steht Anfang Mai bevor.
Teure Firmenkredite bedrohen den Aufschwung
Eine weitere Hiobsbotschaft kommt vom Kreditmarkt für deutsche Firmen. Einer aktuellen Umfrage der KfW-Bankengruppe zufolge stellen sich deutsche Unternehmen auf schlechtere Kreditbedingungen in den nächsten Monaten ein, berichtet "Financial Times Deutschland". "Es besteht die Gefahr, dass der Finanzierungsbedarf im Aufschwung nicht gedeckt werden kann", sagt KfW-Chefvolkswirt Norbert Irsch.
(Ag.)