Pop

Musikalisch, klug, glamourös: So klingt das neue Afrika

2011 tauchte Diawara in der internationalen Szene auf.
2011 tauchte Diawara in der internationalen Szene auf.(c) APA/AFP/THOMAS SAMSON

Kritik Fatoumata Diawara begeisterte im Wiener Konzerthaus.

Was für eine glamouröse Erscheinung! Ein azurblauer Turban auf dem Kopf, ein mit geometrischen Mustern in Gold, Schwarz und Weiß gehaltenes Ensemble samt textilen Seitenteilen in Azurblau. Ganz so, als wolle die 36-jährige malische Singer-Songwriterin Fatoumata Diawara andeuten, dass in ihrer Kunst das Zerebrale und das Sinnliche eine Einheit bilden. Mit fragil gepickten Läufen auf ihrer E-Gitarre und einer Stimme, die sich unmittelbar in die Herzen senkte, überwältigte sie schon mit dem Opener „Dondo“.

2011 tauchte Diawara in der internationalen Szene auf. Wie die eine Generation ältere Oumou Sangaré traf sie auf günstigere Rezeptionsbedingungen als Legenden wie Miriam Makeba und Letta Mbulu in den Sixties. Diese mussten sich nach ihrer Emigration aus Südafrika doch einigermaßen an den damaligen Zeitgeist der westlichen Popmusik anpassen. Das Interesse an genuin afrikanischem Pop begann erst in den Achtzigerjahren. Damals kam der Genrenamen Weltmusik auf, der gemeine Popmusikhörer erlernte das empathische Hören. Statt sich bloß an der Exotik zu delektieren, ging es nun auch darum, sozialen und lebensphilosophische Hintergründe zu erforschen.

 

„Auch selbst Präsidentinnen“

Eine Haltung, für die das komplexe Zeichensystem von Diawaras Kunst geradezu ideal ist. In ihrer Musik vermischt sich anstrengungslos Archaisches und Futuristisches. Zudem hat sie eine gesellschaftspolitische Agenda: Es soll endlich Schluss sein mit diesen Elendsbildern aus Afrika. Man solle sich der eigenen Wurzeln besinnen und auch das Patriarchat beenden. Diawara träumt von der ersten malischen Staatschefin: „Frauen, die Präsidenten gebären können, können auch selbst Präsidentinnen sein.“

Das Lied, dem diese Ansage vorangestellt wurde, hieß „Mousso“: eine Frauenermächtigungshymne, weit abseits von hiesigen Scheindebatten über Quoten. „Being a woman shouldn't be limited to having children, we can also work and study“, sang sie mit schmerzlicher, doch kämpferischer Stimme. Diawara symbolisiert ein modernes Afrika, das sich auf die eigenen Kräfte verlässt. Mit herrlich groovenden Songs wie „Sowa“ und einer rasanten Adaption von Nina Simones „Sinnerman“ riss sie das teils träge Publikum von den Sitzen. Dancing Ovations!

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.03.2018)