INSOLVENZ: Quelle: „Kein Zocken“

Eine Übernahme könnte am Kaufpreis scheitern.

LINZ/WIEN (cim). „Doch sind wir optimistisch, dass es weitergehen wird“, steht auf der Website der insolventen Quelle, auf der man längst schon nichts mehr kaufen kann, noch. Aber langsam schwindet der Glaube, dass es bei Quelle noch weitergeht. Gestern, Freitag, wurde bei der Berichts- und Prüfungstagsatzung die Fortführung „auf unbestimmte Zeit“ (damit kann Quelle theoretisch zwei Jahre fortgeführt werden) beschlossen.

Eine Einigung mit einem Investor gibt es noch immer nicht. Als „Deal-Breaker“ könnten sich die Preisvorstellungen der Investoren herausstellen, so Masseverwalter Erhard Hackl. Einer der beiden möglichen Käufer – das sind Ex-Quelle-Vorstand Martin Lenz und Mike Lielacher – habe angekündigt, dass bis zum 28. Februar ein Abschluss möglich sei, wenn man sich über den Kaufpreis einig wird. Am „Zocken um jeden Preis“ will sich Hackl jedoch nicht beteiligen.

Ein Käufer müsste auch die offenen Forderungen übernehmen. 680 Gläubiger und die 1100 Mitarbeiter haben Forderungen von etwa 78 Mio. Euro angemeldet, die von den Masseverwaltern mit 58 Mio. Euro festgestellt worden seien. Eine Quote von 40 Prozent sei „durchaus denkbar“, so Hackl.

Sämtliche der verbleibenden gut 500 Mitarbeiter treten mit heute, Samstag, aus dem Unternehmen aus. 390 verlieren damit ihren Job, 140 treten zumindest vorübergehend in eine neue Gesellschaft ein. Die QDL Dienstleistungs GmbH, eine „Tochter der Konkursmasse“, so erklärt Hackl, übernimmt die Abwicklung der Insolvenz oder dient als „Vorhaltegesellschaft“ bis zu einer Übernahme.

Betriebsrat sieht noch Chancen

Von den ursprünglich 1100 Quelle-Mitarbeitern dürften mittlerweile 150 einen neuen Job gefunden haben, schätzt Betriebsratschef Felix Hinterwirth, in die Stiftung dürften in Summe 500 bis 600 Leute kommen. Der Großteil der Forderungen der Mitarbeiter, etwa Abfertigungen oder Urlaubsersatz, würde aus dem Insolvenzfonds gedeckt.

Hinterwirth glaubt weiter an eine Chance für Quelle. „Seitens der Belegschaftsvertreter und des Masseverwalters wurde alles getan, um einen Abschluss zu ermöglichen.“ Kommt es doch noch dazu, würde man das „demütig und gottergeben“ annehmen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.02.2010)

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