Auch österreichische Anleger wären betroffen. Sie können von der Krise aber auch profitieren. Die Anleger sind außerdem beunruhigt, da es keine Signale seitens der EU gibt, das hoch verschuldete Griechenland wirklich retten zu wollen.
wien (red/APA). Bei den Anlegern ist die Angst groß, dass Griechenland pleitegeht. Der Preis, um sich gegen Kreditausfälle von griechischen Staatsanleihen zu versichern (das kann man mit sogenannten Credit Default Swaps machen), schnellte in den vergangenen Wochen dramatisch in die Höhe. Wer griechische Staatsanleihen im Wert von einer Million Euro hat, muss derzeit für eine fünfjährige Absicherung 35.000 Euro pro Jahr zahlen. Erst damit ist der Investor gegen einen Ausfall dieser Anleihen geschützt.
Das verdeutlicht, wie wenig Vertrauen die Investoren haben, dass Griechenland die Zinsen und Tilgung seiner Anleihen fristgerecht und vollständig zurückzahlen kann. Johannes Sattmann, Experte für Credit Default Swaps der Bawag, glaubt, dass der Preis für die Absicherung gegen griechische Zahlungsausfälle weiterhin volatil bleiben werde. Solange es keine konkreten Zahlen zu Steuereinnahmen und zur Budgetsanierung Griechenlands gebe, werde es an den Märkten keine Beruhigung geben.
Die Anleger sind außerdem beunruhigt, da es keine Signale seitens der EU gibt, das hoch verschuldete Griechenland wirklich retten zu wollen. Jürgen Stark, Direktoriumsmitglied der Europäischen Zentralbank (EZB), sprach sich erst am Freitag dagegen aus, dass einzelne europäische Länder dem EU-Sorgenkind helfen sollten.
Österreich und die Griechenland-Krise
Um sich gegen österreichische Anleihen abzusichern, müssen die Investoren deutlich weniger bezahlen. Wer österreichische Staatspapiere im Wert von einer Million Euro hat, musste am Freitag 8500 Euro für die jährliche Absicherung zahlen. Heimische Anleger sind von der Griechenland-Krise aber trotzdem betroffen. Die österreichischen Banken haben Anleihen von schwachen Euro-Ländern (etwa Griechenland, Portugal, Spanien, Italien) im Wert von 35 Mrd. Euro in den Büchern. Kursverluste dieser Anleihen könnten zu hohen Abschreibungen führen.
Die Krise Griechenlands ist auch eine Krise des Euro. Die europäische Gemeinschaftswährung verlor am Freitag gegenüber dem Dollar weiterhin an Wert. Das mangelnde Vertrauen in den Euro könnte auch dazu führen, dass Investoren das Geld aus den Euro-Ländern massiv abziehen, was auch eine Belastung für die Aktienmärkte wäre.
Für die Anleger bietet die Krise des Euro aber auch prächtige Chancen, von steigenden Währungen anderswo zu profitieren. Die Experten des belgischen Vermögensverwalters KBC rechnen damit, dass die osteuropäischen Währungen stark zulegen werden. Wilfried Thoerner, KBC-Repräsentant in Österreich glaubt, dass vor allem Veranlagungen in der türkischen Lira sowie im polnischen Zloty große Chancen auf Währungsgewinne haben.
AUF EINEN BLICK
■Die Investoren haben das Vertrauen verloren, dass Griechenland seine Schulden zurückzahlen kann. Sie müssen hohe Summen zahlen, um sich gegen Ausfälle von griechischen Anleihen zu versichern.
■Der Wert des Euro ist am Freitag weiter gefallen. Die Euro-Krise bietet aber auch prächtige Chancen für Anleger.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.02.2010)