Pointner: „Wir stellen definitiv vier Siegspringer“

(c) APA (Hans Klaus Techt)
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Skisprung-Cheftrainer Alexander Pointner ist vor dem heutigen Auftakt der olympischen Winterspiele in Vancouver siegessicher. Thomas Morgenstern will seine dritte Olympia-Medaille.

WHISTLER. Die ersten Eindrücke von der Sprungschanze im Olympic Park zu Whistler waren gut. Obwohl der Schweizer Simon Ammann mit beachtlichen Sätzen aufhorchen ließ, war nicht zu übersehen, dass Österreichs Skispringer durchaus berechtigte Hoffnungen auf Edelmetall haben.

Thomas Morgenstern fand beim Privattraining in Polen die nötige Balance, um sein erklärtes Ziel, die dritte Goldmedaille bei Olympischen Spielen, zu verwirklichen. Gregor Schlierenzauer hatte den Olympiatest im Vorjahr sowohl von der Klein- als auch der Großschanze dominiert.

Andreas Kofler drängt nach Turin, wo er Gold um 0,1 Punkte an Morgenstern „verloren“ hatte, und dem Tourneesieg nun auf seine endgültige Krönung. Wolfgang Loitzl hat bereits alles gewonnen, was ein Skispringer einheimsen kann – nur eine Olympiamedaille fehlt dem Filigrantechniker noch im Sortiment. Am Samstag (18.40 Uhr, ORF1) hat er aufgrund seiner sauberen Technik die besten Chancen. Alle Sprünge liegen bei knapp über hundert Metern eng beisammen. Die Haltungsnoten werden entscheidend sein.

Erfolg nicht selbstverständlich

Dass eine gewisse Gefahr besteht, dass seine Athleten angesichts der seit 2005 anhaltenden Erfolgsserie – Österreich gewann bei Weltmeisterschaften und Winterspielen 15 Medaillen – den Boden unter den Füßen verlieren, glaubt Cheftrainer Alexander Pointner nicht. Dafür habe man sich zu sehr unter Kontrolle, dafür kenne er seine „Pappenheimer“ längst zu gut. „Jeder weiß, worum es hier geht. Erfolge sind nicht selbstverständlich. Als Trainer muss ich aber darauf achten, dass das Umfeld stimmt und jeder immer seine Arbeit, für sich und die Mannschaft, gemacht hat. Es gibt keinen Star.“

Weil es der Springertross gewohnt ist, eigenständig zu arbeiten, war auch der ÖOC-Vorstand gewillt, mit seinen Vorsätzen zu brechen. Präsident Karl Stoss erteilte dem Team die Erlaubnis, in einem Außenquartier zu wohnen. Sein Vorgänger Leo Wallner hatte mit Generalsekretär Heinz Jungwirth nach den Turin-Vorfällen noch darauf gepocht, dass jeder ÖOC-Starter im olympischen Dorf Quartier beziehen muss.

Den Skispringern schenke man jedoch das volle Vertrauen, sagt jetzt Matthias Bogner, der Jungwirths Position interimistisch übernommen hat. Dennoch, das Haus steht unter ÖOC-Aufsicht, Gäste sind nicht erlaubt.

Gepflegtes „Wir-Gefühl“

Den Vertrauensvorschuss wissen Schlierenzauer und Co. zu schätzen. Razzien fürchtet Pointner nicht, man habe ja „nichts zu verbergen“. Also spulen Trainer, Athleten, Serviceleute, Koch und Mentaltrainer das Programm gemeinsam ab. Neben Konzentrationsübungen sorgt vor allem ein multifunktionaler Spieletisch für Abwechslung. Loitzl und Morgenstern üben sich schon vor dem Frühstück im Tischtennis oder Billard, ehe die Schanze lockt.

Dieser Zusammenhalt biete die Basis für den Erfolg, sagt Pointner. Für dieses „Wir-Gefühl“ erbringt so mancher auch ein persönliches „Opfer“. Weil es wegen der benötigten Akkreditierungen Engpässe gegeben hat, verzichtete Toni Innauer, der Nordische Direktor, auf eine pünktliche Anreise. Der Vorarlberger kommt erst in der zweiten Olympiawoche nach Kanada.

Viel Einfühlungsvermögen verlangt auch die Normalschanze von Whistler Mountain den Athleten ab, meint Pointner. „Die Kleinschanze liegt uns, hier sind neben Absprung- auch Fliegerqualitäten gefragt.“ Er erwartet eine „Konkurrenz auf höchstem Niveau“, bei der vor allem Ammann und die Routiniers Malysz (POL) und Ahonen (FIN) im Kampf um die Medaillen den Seinen zusetzen dürften. Er wolle zwar nicht überheblich klingen, betonte der Tiroler, doch Österreich stelle „definitiv vier Siegspringer“. Edelmetall hat er fix einkalkuliert. Allerdings: Das bisher letzte Gold auf einer Normalschanze im Zeichen der fünf Ringe gewann Ernst Vettori überraschend 1992 in Albertville.

Hannu Lepistös Schüler

Es bleibt abzuwarten, wie sehr sich Malysz, der von Ex-ÖSV-Coach Hannu Lepistö betreut wird, mit den Verhältnissen zurechtkommen wird. Auch habe Pointner den Finnen Janne Ahonen stets auf der Rechnung. Immerhin war er, der in seinen Jugendjahren auch von Lepistö gefördert wurde, nur wegen der Winterspiele aus der „Pension“ in den Springerzirkus zurückgekehrt.

Nach dem Training aber drängte sich Morgenstern als Medaillenanwärter auf. 2002 schaffte der Kärntner den Sprung in das ÖSV-Team. Der Trainer damals? Lepistö. Ihm verdankt Morgenstern viel, „er ist der Beste“, sagt der Doppelolympiasieger von Turin. „Ihm verdanke ich viel. Seine Tipps sind heute noch Gold wert.“ fin

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.02.2010)

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