Einchecken in Hotels mit Umweltzeichen und Staatspreisen.
Öko-Evolution: Mit Handtüchern mehrere Tage auszukommen haben wir vor Epochen gelernt. Auch der Verpackungsmüll beim Frühstück ist dank Umwelterziehung weitgehend vom Tisch.
Der entwicklungsfähige Österreich-Urlauber wächst schließlich mit dem Öko-Bio-Lohas-Trend und verlangt nun selbst danach: Nach Hotels und Pensionen, die keine Energieschleudern (mehr) sind, sondern Warmwasser, Strom und Wärme selbst produzieren. Oder Küchen, die sich aus der eigenen Biolandwirtschaft und dem Bauernkräutergarten bedienen. Ganz zu schweigen von Bausubstanz und Ausstattung!
Die soll quasi im Wald des Vertrauens wachsen, mit Samthandschuhen oder besser gar nicht behandelt sein und/aber jeden Designpreis gewinnen. Gar nicht zu sprechen von sommerfrischen oder tiefst verschneiten Idyllen, denen die Tourismusindustrie kein Härchen krümmen soll.
Urlaub im Umweltkontext, das kann in Österreich viel sein, die Zahl der Betriebe und Dienstleister, die auf Nachhaltigkeit setzen, wächst schnell. Regionen, die ein Synonym für intakte Natur und nachhaltigen, ökologischen Tourismus werden, sind zahlreich: Das sind dann Biosphärenparks wie das von der EU mit dem „EDEN“-Award ausgezeichnete Große Walsertal, die großen Nationalparks und die kleineren Naturparks.
Im Ökolabel-Dschungel auf Betriebsebene sind das österreichische und das europäische Umweltzeichen verlässliche Orientierungsgrößen. Parallel dazu verpflichten sich Hotelketten namentlich der Natur, der alpinen Tradition, der Baubiologie – die meisten erfüllen das auch.
Selbst der jüngste Staatspreis Tourismus (verliehen vom Bundesministerium für Wirtschaft, Familie und Jugend) hat sich der Hotellerie und Gastronomie mit bester Energieeffizienz gewidmet.
Lavendel auf dem Dach
Nun könnte der Katalog dieser Staatspreis-gewinner und -einreicher durchaus als Fahrplan für eine Ösi-Ökotour dienen. Vielleicht startet man in Wien beim Sieger in der Kategorie „Hotelbetriebe 1* bis 3***“ – in einer Oase am unerwarteten Ort nahe dem Gürtel: Im 15. Bezirk befindet sich mit dem „Boutiquehotel Stadthalle“ nun das erste Nullenergiebilanz-Hotel weltweit. Lavendel wächst dort am Dach, Sonnenkollektoren bestücken den Zubau (in Passivbauweise), Windräder sind geplant. Wie die Energiebilanz ausfällt, beobachtet man am Infoscreen in der Lobby.
Ein Stückerl weiter Richtung Osten geht's zu einem der beiden Preisträger in der Kategorie „Hotelbetriebe 4**** bis 5******“. Im Vila Vita Pannonia in Pamhagen ist Nachhaltiges geplant: Die weitläufige Hotel- und Feriendorfanlage soll in den nächsten Jahren zum „energieautarken Naturerlebnisdorf“ mutieren. Ein ökotouristisches Zentrum mit aller Logistik soll dort aufgebaut werden. Sichtbarstes Zeichen wird aber der Klimaturm, 25 Meter hoch und gut, um den Nationalpark Neusiedlersee-Seewinkel zu überblicken. An diesem Ort soll man nicht nur autofrei und umweltbewusst urlauben können, sondern viel über alternative Energiekonzepte erfahren.
Tonnenweise heimisches Holz
Der Zugang der Steinschaler Naturhotels, ebenfalls Staatspreisträger der gehobenen Hotelkategorie, zur Materie ist ein wenig anders: Die beiden Betriebe in der Mostviertler Idylle wurden ökotechnisch aufgerüstet – fürs vorbildliche Sanieren gab es ja die Auszeichnung. Doch Familie Weiß bezieht im Steinschaler Hof und im Steinschalerdörfl auch viele „weiche Faktoren“ mit ein, etwa die Erstellung eines Nachhaltigkeitsberichtes. Wie alle Naturidyllhotels tragen die Steinschaler Naturhotels das österreichische Umweltzeichen.
Dass der Effizienzgedanke häufig einen Kern aus Holz hat, ist in Österreich naheliegend. In Leogang etwa kommt das neue Holzhotel Forsthofalm ohne Leim aus: 70.000 Dübel halten dort 245 Tonnen massive Fichte und Lärche. Für die Idee und die guten Werte für Wärmedämmung, Auskühldauer und Raumklima gab es schließlich einen Sonderpreis.
Wände wie ein Auszug aus dem heimischen Nadelwald – Zirbe, Fichte und Tanne, unverleimt und zum richtigen Zeitpunkt geschlägert – trifft man zwischen Boden- und Neusiedlersee häufig. Aus viel mehr besteht auch die „Waldklause“ nicht. Kommen noch Schiefer, Glas und umweltfreundliches Textil dazu, in Summe bleibt das Haus frei von Schadstoffen. Weil der exklusive Betrieb in Längenfeld so umweltbewusst wie holzdesignt aussieht, beförderte „Geo Saison“ ihn 2009 an die Spitze seines Rankings der besten Ökohotels europaweit.
Unter den Top Ten war die Waldklause nicht allein: Dort fanden sich auch der Stanglwirt oder das Panoramahotel Wagner am Semmering, bei denen Produkte aus der Biolandwirtschaft, Strom aus Wind, Wasser, Sonne und Biomasse, Vollholzmöbel sowie ungebleichte Baumwolle Faktum sind. Gelistet war auch ein Pionier: Das Biohotel Daberer im Kärntner Gailtal ventilierte schon früh den Umweltgedanken, es waren die Endsiebziger, als Familie Daberer schon biologische Lebensmittel servierte und Nikotin aus dem Haus verbannte. Das Thema Nachhaltigkeit wurde konsequent weitergelebt, zuletzt erhielt das Haus das „Europäische Umweltzeichen“, eine Auszeichnung, für die sich Touristiker ins Zeug legen müssen: vom limitierten Energieverbrauch bis zum geschulten Mitarbeiter.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.02.2010)