Schmelzen der Gletscher nicht abwendbar

„Es ist fünf nach zwölf für die Gletscher“, sagen Forscher.

Selbst wenn alle klimaschädlichen Emissionen jetzt gestoppt würden, kann das weitere Abschmelzen der Gletscher im laufenden Jahrhundert nicht mehr verhindert werden. Zu diesem Ergebnis kommen Forscher der Unis Innsbruck und Bremen in einer im Fachjournal „Nature Climate Change“ veröffentlichten Studie.

Die Forscher berechneten, welche Effekte die Einhaltung der in Paris 2015 vereinbarten Klimaziele auf die fortschreitende Gletscherschmelze hat. Sie berücksichtigten dafür alle weltweiten Gletscher – ohne die Eisschilde der Antarktis und Grönlands – und modellierten diese in verschiedenen Klimaszenarien.

 

„Es ist fünf nach zwölf“

Für die Entwicklung der Gletscherschmelze in den nächsten 100 Jahren macht es demnach keinen signifikanten Unterschied, ob die Durchschnittstemperatur in den nächsten 100 Jahren um zwei oder nur 1,5 Grad steigt: Etwa 36 Prozent des heute noch in Gletschern gespeicherten Eises würden langfristig auch ohne weiteren Ausstoß von Treibhausgasen schmelzen, sei also selbst mit den ambitioniertesten Maßnahmen nicht mehr zu retten, so die Forscher. Es sei bereits fünf nach zwölf.

Durch die langsame Reaktion der Gletscher auf Klimaänderungen habe das Verhalten heute über das 21. Jahrhundert hinaus allerdings massive Auswirkungen: 500 Meter Autofahrt mit einem Mittelklassefahrzeug kosten laut den Experten langfristig ein Kilo Gletschereis. Über das aktuelle Jahrhundert hinaus betrachtet, mache es daher durchaus einen Unterschied, ob nur das 2-Grad-Ziel oder das 1,5-Grad-Ziel erreicht wird. Das bedeute aber auch, dass unser heutiges Verhalten Auswirkungen auf die langfristige Entwicklung der Gletscher hat, so die Forscher. (APA)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.03.2018)