Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Der Traum, die Wirklichkeit und das Dazwischen

Architektur im Konjunktiv: oben die zur Probe aufgebaute Fassade von Otto Wagners Kaiser Franz-Joseph-Stadt-museum.
Architektur im Konjunktiv: oben die zur Probe aufgebaute Fassade von Otto Wagners Kaiser Franz-Joseph-Stadt-museum.(c) Imagno / picturedesk.com
  • Drucken

Le Corbusier, Frank Lloyd Wright, Otto Wagner & Co: von Wolkenkratzern, die zu hoch, Museumsentwürfen, die zu modern sind – und wie ungebaute Architekturdennoch unseren Alltag prägen kann.

Das ungeschriebene Buch kann keiner lesen. Die unkomponierte Musik kann keiner hören. Das ungemalte Bild kann keiner sehen. Denn, so die wenig überraschende Erklärung: Das nicht Geschaffene existiert eben nicht und entzieht sich somit einigermaßen hartnäckig unserer Wahrnehmung. Überraschender schon, dass es sich ausgerechnet auf dem Feld der Architektur anders verhält. „Von der ungebauten Architektur wissen wir, wie der Architekt gebaut hätte, wenn er seinen Entwurf ausgeführt hätte“, erläutert Wilhelm Holzbauer, mit Gustav Peichl einer von mehreren Doyens der heimischen Architekturszene.

Frank Lloyd Wright und sein „Mile High Illinois“.
Frank Lloyd Wright und sein „Mile High Illinois“.(c) ullstein bild / Ullstein Bild / (ullstein bild)

Was er meint, ist offenkundig: Im Gegensatz zu Literatur, Musik oder bildender Kunst ist Architektur im Konjunktiv sehr viel mehr als bloß Imagination im Kopf ihres Schöpfers. Sie liegt vor uns, in Skizzen, Modellen oder gar fixfertigen Planzeichnungen, heutzutage immer öfter in sogenannten Renderings, Computervisualisierungen, die längst die Grenze zwischen Wirklichkeit und bloßer Architektenfiktion verschwimmen lassen. So konnte es, wenige Jahre ist es her, geschehen, dass ein italienischer Jungarchitekt allein mit auf seiner Website präsentierten Entwürfen in einschlägigen Magazinen zum Star einer neuen Architektengeneration hinaufgejubelt wurde, wiewohl nur ein einziges der malerisch ins Computerbild gerückten fabulösen Objekte tatsächlich existierte. Felix Krull goes architecture.